Jubiläum der Luftbrücke

Die Liebe zog Berliner Veteranin nach Amerika

Traute Grier ist eine der auffälligsten Veteraninnen des 60. Jahrestages des Endes der Luftbrücke. Die gebürtige Steglitzerin konnte diese Hilfsaktion der Alliierten nie vergessen. Heute lebt sie in Texas. Doch diesen historischen Gedenktag in ihrer Heimatstadt Berlin wollte sie sich nicht entgehen lassen.

Foto: Krauthoefer

Traute Grier hatte sich für den feierlichen Tag etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Sie fertigte ein paar goldene Schleifchen an, dazu ein paar Fähnchen mit der amerikanischen Flagge – und fertig war der Haarschmuck. „Ich bin ja auch handwerklich begabt“, sagte die 77-Jährige stolz. Das gleiche Stück entwarf sie dann auch noch als Accessoire für ihre Jacke.

So war die gebürtige Berlinerin, genauer: Steglitzerin, eine der auffälligsten Veteraninnen des 60. Jahrestages des Endes der Luftbrücke. „Es war eine schlimme Zeit“, erinnerte sie sich. „Das waren ja eigentlich unsere Feinde, und dann haben sie sich so für uns engagiert.“ Zu Fuß sei sie von der Friedrichstraße bis nach Tempelhof gelaufen. Den Friedhof an der Hermannstraße habe man für die Vergabe der Hilfspackungen genutzt. Traute Grier konnte diese Hilfsaktion der Alliierten nie vergessen. 1955 versöhnte sie sich persönlich, heiratete einen Zahnarzt aus den USA und zog dorthin.

Heute lebt sie in Texas und in Oberursel. Doch diesen historischen Gedenktag in ihrer Heimatstadt Berlin, an dem sie mit 76 anderen Veteranen vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) geehrt wurde, wollte sie sich nicht entgehen lassen.

Im Mittelpunkt aller Veranstaltungen stand natürlich wieder der legendäre US-Pilot Gail Halvorsen. Rüstig wie immer schüttelte der 88-Jährige Hände, schrieb Autogramme und erzählte bereitwillig aus seiner Lebensgeschichte. Immer wieder traten Berliner an ihn heran und bedankten sich persönlich bei ihm. Die Berliner CDU kann es deshalb kaum verstehen, warum Halvorsen, der für seine Schokoladenabwürfe bekannte Pilot, nicht Ehrenbürger der Stadt werden soll. Das hatte der Senat mit Hinweis auf die vielen anderen Piloten und Navigatoren, die auch Hilfe leisteten, abgelehnt. „Der Senat muss sich schämen für diese Haltung“, so CDU-Fraktions- und Landeschef Frank Henkel. „Denn Halvorsen steht stellvertretend für alle, die während der Luftbrücke das Überleben, die Freiheit und Menschlichkeit der Berliner unter Einsatz ihres Lebens sicherten.“

Wiedersehen beim Festakt

Einer von ihnen war auch Sir John Curtiss. Im Namen der 160 eingeladenen Veteranen würdigte der ehemalige Oberkommandierende der britischen Luftwaffe die Entwicklung der Stadt seit den Luftbrückentagen. Der Marschall war während der Luftbrücke als Fluglotse in Berlin stationiert.

Bei der Gedenkzeremonie und dem Festakt in der Abfertigungshalle feierten viele Veteranen ein Wiedersehen. General René Perret, Präsident der französischen Transporteinheiten, beispielsweise traf die US-Amerikanerin Viola Drath, Ehrenmitglied der Luftbrücken-Veteranen.

Geladen waren die Botschafter der ehemaligen Alliierten, aber auch viele weitere Diplomaten kamen. Unter ihnen war auch der damalige Chefredakteur des Rias (Rundfunk im amerikanischen Sektor), Egon Bahr. Der spätere Deutschland- und Ostpolitiker der SPD sagte einst über die Luftbrücke, das Dröhnen der Flugmotoren sei beruhigend, da man wisse, die Stadt sei noch nicht verloren. Gestern sagte er: „Hier ist der Grundstein gelegt worden, auf dem die Bundesrepublik Deutschland aufgebaut wurde.“

Die Liste der Gäste war lang, unter ihnen die heutige und frühere Polit-Prominenz. Neben der aktuellen Senatsmannschaft und Bundestagsabgeordneten ließen sich auch frühere Senatoren blicken: Peter Strieder und Klaus Riebschläger (beide SPD) etwa, aber auch Landesbischof Wolfgang Huber und Schauspieler Wolfgang Völz waren dabei. Bei Horst Pillau allerdings, Bühnenautor und aktiver Pilot, wollte keine rechte Feststimmung aufkommen. „Mir geht es schlecht heute“, bekannte der 77-Jährige. „Mir wäre es lieber gewesen, die Feier hätte auf einem geöffneten Flughafen Tempelhof stattgefunden.“ Der Kämpfer für die Offenhaltung des City-Airports („Ich habe Dutzende Leserbriefe an Zeitungen geschrieben und kann alle Argumente des Senats widerlegen“) hat seine Privatmaschine nun auf dem Flugplatz Schönhagen, südlich von Berlin, stationiert.

Pillaus Erinnerungen an Care-Pakete

Pillau gehört zu den Berlinern, die Blockade und Luftbrücke selbst erlebt haben. Er erinnert sich noch an die Care-Pakete, die seine Familie von der ehemaligen Sekretärin seines Vaters aus New York geschickt bekam. „Die Empfangsstelle lag im Ostsektor. Dort mussten wir die Pakete abholen, unter den Augen strenger Aufpasser. Das war eine ganz seltsame Situation.“

Auch Ulrich Arndt, Staatssekretär und Stadtrat a.D., mag sich mit der Schließung des Flughafens Tempelhof nicht abfinden. „Wenn hier heute ein Rosinenbomber hätte landen können, wäre die Feier schöner geworden.“ Er lobte aber die Idee, dass die Luftbrücken-Veteranen die eigens zu diesem Anlass geprägten Gedenkmünzen („Berlin sagt danke“) von Berliner Kindern und Jugendlichen überreicht bekamen. Die Schüler besuchen Schulen, die eine besondere Beziehung zu den Alliierten haben, wie die John-F.-Kennedy-Schule oder die British School.