Jubiläum

Zehntausende feiern in Tempelhof das Luftbrücken-Fest

Vor 60 Jahren endete die Berlin-Blockade und damit auch die Luftbrücke. Elf Monate lang hatten die Alliierten West-Berlin aus der Luft versorgt. Mehr als 100 Veteranen sind heute auf dem früheren Flughafen Tempelhof und feiern gemeinsam mit den Berlinern.

Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof feiern zur Stunde Zehntausende das Luftbrücken-Fest. Bis 17 Uhr kamen nach Veranstalter- und Polizeiangaben bereits 160.000 Besucher zum Tag der offenen Tür anlässlich des 60. Jahrestages der Beendigung der Berlin-Blockade. Erst eine Stunde zuvor war der Flughafen für die Öffentlichkeit geöffnet worden. Wegen des starken Andrangs waren zwischenzeitlich die Eingänge geschlossen worden, konnten jedoch wenig später wieder geöffnet werden.

Als besonderer Programmpunkt war der berühmte Luftbrückenveteran Gail Halvorsen angekündigt. Halvorsen drehte mit einem Rosinenbomber mehrere Runden über Tempelhof und warf wie vor 60 Jahren selbstgebastelte Mini-Fallschirme mit Süßigkeiten ab. Rund 250 Berliner Kinder strömten auf das Rollfeld, um die Fallschirme einzusammeln.

Zudem gibt es ein Musik- und Bühnenprogramm auf dem Gelände. Zeitzeugen stehen für Interviews bereit, und zahlreiche Ausstellungen informieren über die Geschichte des Flughafens Tempelhof und der Luftbrücke. Die Deutsche Post verkauft Briefumschläge mit einem Sonderstempel zur Luftbrücke.

Am Zaun, der das Flugvorfeld vom Flugfeld trennt, demonstrierte zwischenzeitlich eine kleine Gruppe mit Plakaten gegen die Schließung des Flughafens. Sie forderte einen durchgängigen Zugang für die Öffentlichkeit auf das Gelände. Wegen drohenden Platzverweises zog die Gruppe jedoch kurze Zeit später wieder ab.

"Aus Feinden sind damals Freunde geworden"

Am Morgen hatten Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) in einem Festakt der Luftbrücke gedacht. 77 Veteranen wurden von Wowereit ausgezeichnet. Die West-Alliierten hatten den Westteil Berlins mit rund 2,2 Millionen Einwohnern von 1948 bis 1949 aus der Luft versorgt, nachdem die sowjetische Besatzungsmacht West-Berlin abgeriegelt hatte. Auf fast 280.000 Flügen wurden damals mehr als zwei Millionen Tonnen Lebensmittel, Kohle und Treibstoff während des Kalten Krieges in den Westteil des besetzten Berlins gebracht.

Vor mehr als 100 Luftbrücken-Veteranen und Vertretern der einstigen Schutzmächte würdigten Jung und Wowereit die Leistungen der West-Alliierten während der Luftbrücke. Es sei „eine wahrhaft historische Leistung“ gewesen, sagte Jung. „Aus Feinden sind damals Freunde geworden“, fügte der CDU-Politiker mit Blick auf die ehemaligen Gegner im Zweiten Weltkrieg hinzu. Auch das westliche Verteidigungsbündnis NATO sei während der Zeit der Luftbrücke gegründet worden.

Wowereit hob bei einer Kranzniederlegung am Luftbrücken-Denkmal vor dem stillgelegten Flughafen Tempelhof die tiefe Dankbarkeit der Berliner für die Menschen hervor, die sich einst an dem Akt der Solidarität für die eingeschlossene Stadt beteiligten. „Die Luftbrücke war eine menschliche und logistische Meisterleistung, sagte Wowereit vor den Veteranen, von denen viele ihre Orden zur Feier des Tages angelegt hatten. Sie sei der einzige Weg gewesen, die West-Berliner vor Hungertod und Erfrieren zu bewahren.

Der SPD-Politiker erinnerte ebenso wie Jung an die 78 Männer, die im Einsatz für die Luftbrücke ums Leben kamen. „Sie haben mit ihrem Dienst die Freiheit im Westteil Berlins gesichert.“

Rosinenbomber noch einmal im Einsatz

Zum Abschluss der Zeremonie flogen zwei „Rosinenbomber“ über das Luftbrücken-Denkmal hinweg, bevor dann Gail Halvorsen noch einmal Süßigkeiten auf Berlin werfen wird. „Es macht uns stolz, dass wir einen so wichtigen Beitrag für die Freiheit Berlins leisten konnten“, sagte der pensionierte britische Air Marshal Sir John Curtiss. Er war bei der Luftbrücke im Einsatz.

In den kommenden Tagen werden die Luftbrückenveteranen zu weiteren Veranstaltungen in der Hauptstadt erwartet. So sind am Donnerstag (14. Mai) Treffen mit Berliner Schülern im Mauermuseum am Checkpoint Charlie sowie ein Zeitzeugengespräch im Alliierten-Museum geplant.

Die Sowjetunion hatte 1948/49 die Land- und Wasserwege zum Berliner Westen fast ein Jahr lang abgeriegelt. Dies war im Kalten Krieg Moskaus Antwort auf die Einführung der D-Mark in Westdeutschland und im Westen der Vier-Mächte-Stadt Berlin. Briten und Amerikaner entschlossen sich daraufhin, die damals etwa 2,1 Millionen Einwohner im eingeschlossenen West-Berlin auf dem Luftweg zu versorgen. Am 12. Mai 1949 brachen die Sowjets die Blockade ab.

Das Fest-Programm finden Sie hier.