Kunstprojekt

"Handshape Project" an der Mauer: Ein Handschlag als Zeichen

Ein Kunstprojekt an der Mauergedenkstätte will zeigen, dass alle Menschen etwas verbindet.

Die Organisatoren des "Handshape Project" Meike Ziegler und Ivan Gabor vor ihrer Installation.

Die Organisatoren des "Handshape Project" Meike Ziegler und Ivan Gabor vor ihrer Installation.

Foto: Handshape Project

Die Mauer trennte über Jahrzehnte Menschen in Ost und West. Auch 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs fühlen sich manche Deutsche noch gegenseitig fremd, betonen eher ihre Unterschiede. Dass es immer Dinge gibt, die auch sich unbekannte Menschen gemeinsam haben, will ein Kunstprojekt zeigen, dass derzeit im Rahmen der Feiern zu Mauerfalljubiläum läuft. „Alle Menschen haben etwas, dass sie verbindet“, sagt Ivan Gabor, der das „Handshape Project“ genannte Konzept gemeinsam mit der Künstlerin Meike Ziegler unterstützt von der Stadtmarketing-Agentur VisitBerlin umsetzt. Ziegler hatte die Idee dazu im vergangenen Jahr und fand in Gabor einen Mitstreiter. Was die beiden verbindet: „Wir sind beide Ausländer, leben in Berlin und wollten etwas zur Mauergeschichte machen“, erklärt Gabor.

Beim nun entstandenen „Handshape Project“ wollen die Niederländerin und der Ungar fremde Menschen auf der Straße zusammenbringen. „Die Menschen haben oft Angst vor dem Fremden“, sagt Gabor. Das Projekt solle sie aus ihrer eigenen Komfortzone holen. „Auch das ist eine Grenze.“

Konkret sollen sich die beiden Fremden im Gespräch eine Gemeinsamkeit in ihrem Leben finden. „Und am Ende wird ein Handschlag gemacht.“ Der besiegelt die Verbindung auf besondere Weise. Zwischen die beiden Hände nehmen die Teilnehmer ein Stück weichen Ton. Die Masse bleibt nach dem Händedruck in ganz individueller Form als Zeichen der kurzen Verbindung zurück.

10957 „Händedrücke“ sollen Teil der Installation sein

Während jeder Teilnehmer im Anschluss einen Zettel mit den Daten zum Handschlag erhält, verbleibt die lufttrocknende Modelliermasse mit den sich abzeichnenden Fingern beim „Handshape Project“ und wird anschließend zu einem großen Kunstwerk verbunden. Tausende plastisch gewordene „Händedrücke“ hängen an Fäden in einer Installation. „Wir nennen es den Pavillon menschlicher Begegnungen“, erklärt Gabor. Ihr Ziel: Am Ende sollen es genau 10957 Händedrücke werden. Das entspreche genau der Zahl der Tage, die bis zum 9. November seit dem Fall der Mauer vergangen seien. Um die Marke zu erreichen, steht die Installation seit dem 5. November vor dem Dokumentationszentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße in Mitte. Durch die dortigen „Handshape-Speeddatings“ kämen sie ihrem Ziel immer näher, so Gabor. Die modellierten Händedrücke stammen nicht nur aus Berlin. VisitBerlin-Chef Burkhard Kieker hat auf seinen Reisen um die Welt seit dem Frühjahr für die Aktion schon neue Verbindungen in Tokio und New York geschlossen.

Mitorganisator Gabor ist überzeugt davon, dass es eines verbindenden Zeichens auch 30 Jahre nach dem Fall der Mauer noch bedarf. Als die Grenze in Berlin geöffnet wurde, habe es auf der ganzen Welt 15 Mauern gegeben, die Menschen trennten, sagt Gabor. Heute gebe es 77. „Das Problem ist größer geworden in den vergangenen Jahren.“ Zu den physischen Mauern kämen noch die Mauern in den Köpfen. Höchste Zeit also, sich die Hand zu reichen.