Spaziergang

Der Weg, auf dem früher Soldaten patrouillierten 

Vom Nordbahnhof zum Checkpoint Charlie geht es vorbei an Gedenkstätten, Mauerresten und einem besonderen Wachturm.

Blick auf den Ausstellungsgraben der Stiftung Topographie des Terrors an der Niederkirchnerstraße.           

Blick auf den Ausstellungsgraben der Stiftung Topographie des Terrors an der Niederkirchnerstraße.           

Foto: imago images / Michael Kneffel

Berlin. Am 9. November wird der 30. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert. Die Vorbereitungen für das Festprogramm, das an sieben zentralen Orten unter anderem am Brandenburger Tor in Mitte, an der East Side Gallery in Friedrichshain und an der ehemaligen Stasizentrale in Lichtenberg gefeiert wird, laufen bereits. Anlässlich des großen Mauerfalljubiläums führt der Spaziergang entlang des Mauerwegs vom Nordbahnhof bis zum Checkpoint Charlie. Dabei werden Gedenkstätten passiert, es gibt Mauerreste zu entdecken ebenso wie einen besonderen Wachturm, den der kürzlich verstorbene Bruder eines beim Fluchtversuch getöteten Maueropfers als Erinnerungsstätte etablierte.

Der rund sieben Kilometer lange Weg startet am S-Bahnhof Nordbahnhof in Mitte. Von dort geht es über den Bahnhofsvorplatz zur Gedenkstätte Berliner Mauer mit ihrem nicht nur bei Touristen gefragten Dokumentations- und Besucherzentrum. Rund um das Mauerfalljubiläum beschäftigt man sich dort am 9. November mit der türkischsstämmigen Gemeinschaft West-Berlins sowie queer-feministischen Strömungen Ost-Berlins. Über die Bernauer Straße geht es zum Park am Nordbahnhof, in dem es sich einfach schöner läuft als entlang der Gartenstraße.

Jürgen Litfin richtete 1992 eine Gedenkstätte für seinen Bruder ein

Den Park rechts über eine Treppe verlassend führt der Weg unter der Liesenbrücke hindurch fort in der Liesenstraße, die von Friedhofsanlagen geprägt ist. Über Chaussee-, Boyen- und Scharnhorststraße geht es in westliche Richtung zum Spandauer Schifffahrtskanal. Am Ufer ragt ein ehemaliger Wachturm auf – die Gedenkstätte Günter Litfin, des ersten Mauertoten. Nach der Wiedervereinigung kämpfte Litfins Bruder Jürgen, der Ende vergangenen Jahres starb, für die Einrichtung einer Gedenkstätte. Seit 2017 gehört diese zur Stiftung Berliner Mauer und kann von April bis September im Rahmen einer öffentlichen Führung besucht werden.

Der Weg führt weiter entlang des Ufers, quer über den Invalidenfriedhof, zum Wirtschaftsministerium. Nun wird die Invalidenstraße überquert. Am Alexanderufer führt der Weg vorbei am Campus Mitte der Charité. Am Ende des Uferwegs befindet sich das Futurium. Das kürzlich eröffnete Museum zeigt Zukunftsperspektiven auf.

"Parlament der Bäume" erinnert an die Mauertoten

Der Weg läuft weiter am Wasser entlang, nun allerdings an der Spree. Einige Meter vom Ufer entfernt liegt das „Parlament der Bäume“, ein Gedenkort für die Mauertoten. Dabei handelt es sich um eine Installation des Künstlers Ben Wagin, die 2017 vom Berliner Senat unter Denkmalschutz gestellt wurde. In Höhe der Marschallbrücke wird die Spree überquert, es geht nach rechts und anschließend nach links, vorbei an der Rückseite des Reichstags. Sollte der Weg gesperrt sein, muss der Weg über Wilhelm-und Dorotheenstraße bestritten werden. Auf der Ebertstraße führt der Spaziergang weiter vorbei am Brandenburger Tor und dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas bis zum Potsdamer Platz.

Kurz hinter der Stresemannstraße geht es nach links in die Niederkirchnerstraße. Hinter dem Abgeordnetenhaus sowie dem Gropius-Bau erreicht man das Museum Topographie des Terrors, vor der es Reste der ehemaligen Mauer zu entdecken gibt. Weiter geradeaus geht es schließlich bis zum ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie, wo der Spaziergang nach gut zwei Laufstunden endet.

  • Tipps entlang des Spaziergangs

  • Café „Schrittfahren“ Kleines, gemütliches Café in einer ehemaligen Einfahrt mit deutsch-türkischer Küche sowie schöner Frühstücksplatten. Chausseestraße 49, Mitte, Tel. 0172/312 25 86, Mo.–Fr. 8–18, Sbd. + So. 9–18 Uhr, www.schrittfahren.net
  • Gedenkstätte Günter Litfin Kieler Str. 2, Mitte, Besichtigungen von April bis September, im Winter nur von außen möglich, Infos gibt es unter www.gedenkstaette-guenter-litfin.de
  • Topographie des Terrors Museum, das sich der Aufarbeitung des Terrors durch die Nationalsozialisten von 1933 bis 1945 verschrieben hat, Niederkirchnerstraße 8, Kreuzberg, Tel. 25 45 09 50, tägl. 10–20 Uhr, Eintritt frei
  • Ausflugsinfo Die Strecke misst rund sieben Kilometer. Der Spaziergang dauert zwei Stunden.