30 Jahre Mauerfall

Teppich der Wünsche weht am Brandenburger Tor

Ein Teppich aus 30.000 Wünschen der Berliner: Installation „Visions in Motion“ weht zum 30. Mauerfall-Jahrestag am Brandenburger Tor.

Das Kunstprojekt „Visions in Motion“ wurde am Freitag über der Straße des 17. Juni installiert.

Das Kunstprojekt „Visions in Motion“ wurde am Freitag über der Straße des 17. Juni installiert.

Foto: Maurizio Gambarini

Ein Teppich aus bunten Wünsche weht seit Freitagnachmittag im Wind über der Straße des 17. Juni. Um kurz vor 14 Uhr wurde die Kunstinstallation „Visions in Motion“ vor dem Brandenburger Tor im Beisein des Künstlers Patrick Shearn aus Los Angeles hochgezogen. Sie ist eine der Attraktionen der Festwoche zum 30. Jahrestags des Mauerfalls, die am Montag (4. November) startet. „Wir feiern an insgesamt sieben Orten, aber natürlich ist das hier ein ganz besonderer Ort“, sagte Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der verantwortlichen Kulturprojekte GmbH.

Der 150 Meter lange und knapp 2000 Quadratmeter große Teppich besteht aus insgesamt rund 120.000 bunten Nylonstreifen. „Uns war es sehr wichtig, die Stimmen der Berlinerinnen und Berliner einzufangen“, sagte Projektleiterin Simone Leimbach. Deshalb sind rund 30.000 der Streifen mit Gedanken und Wünschen zum Thema friedliche Revolution und Mauerfall beschrieben.

So ist auf den gelben, blauen, pinken, violetten und weißen Zetteln etwa „Frieden, Akzeptanz und Gerechtigkeit für alle“, „Ich wünsche mir weniger Gewalt“ oder „Es gibt keine Mauer mit der du die Freiheit meiner Gedanken einschränken kannst“, zu lesen. Dazu wurden Menschen auf der Straße, beim Lollapalooza-Festival, während der Langen Nacht der Museen und in der Gedenkstätte Berliner Mauer um ihre Statements gebeten. „Das Schöne ist, dass zu dem Thema fast jeder eine Assoziation hat und weiß, wo er damals gewesen ist“, so van Dülmen.

Kunstwerk soll volle Wirkung im Wind entfalten

Insgesamt sechs Monate haben Shearn und sein 15-köpfiges Team der Künstlergruppe „Poetic Kinetics“ an der Installation gearbeitet, die nun für etwas mehr als eine Woche an zwölf Türmen in knapp zehn Metern Höhe über der Straße weht. „Es ist so konzipiert, dass es seine volle Wirkung im Wind entfaltet“, sagte der Künstler. Dabei sei er von Vögeln im Himmel und Fischen im Wasser inspiriert worden. Er wolle die Großartigkeit der Natur mit den Gedanken der Menschen verbinden und sie auf das aufmerksam machen, was um sie herum passiert. „Wir sind innerlich alle menschlich und sollten aufhören, Angst voreinander zu haben. Wir handeln ängstlich, dabei sollten wir uns gegenseitig kennenlernen“, so Shearn weiter.

Während in seiner Heimat USA Mauern gebaut werden sollen, wolle er in Berlin eine andere Richtung weisen, sagte der Künstler. „Steine können Mauern, aber auch Brücken bauen“, schrieb er selbst auf einen der Streifen, von denen einige im Dunkeln leuchten sollen. Die Nachrichten werden zusätzlich auf Leinwände an der Bühne am Brandenburger Tor projiziert, wo am Abend des 9. November der große Festakt stattfinden soll.