„Morgenpost vor Ort“

30 Jahre Mauerfall - Ist Berlin zusammengewachsen?

Beim Leserforum am 31.10. geht es um die Ereignisse im Herbst ‘89 und die Entwicklung der Stadt in der Folgezeit. Diskutieren Sie mit.

Ausgelassen feiern Berliner und Touristen am 31. Dezember 1989 das erste deutsch-deutsche Silvesterfest auf der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor.

Ausgelassen feiern Berliner und Touristen am 31. Dezember 1989 das erste deutsch-deutsche Silvesterfest auf der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor.

Foto: Wolfgang Kumm / pa/dpa

Berlin. Vor 30 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Berliner Mauer. 28 Jahre lang hatte sie die Stadt geteilt und dafür gesorgt, dass die Trennung zwischen Ost und West hier besonders deutlich spürbar war. Sie bestimmte den Alltag der Menschen, auch wenn viele sie nicht ständig bewusst wahrnahmen.

Die Öffnung dieser Grenze war Resultat der wachsenden Opposition in der DDR, der Friedlichen Revolution. Der Euphorie folgte rasch der mühevolle, von großen Umbrüchen begleitete Prozess der Einheit.

Doch ist dieser Prozess abgeschlossen, ist Berlin und sind die Berliner tatsächlich vereint? Oder gibt es noch Ost- und West-Berlin? Und wie hat sich die Stadt seit dem Mauerfall entwickelt? Darüber möchten wir mit Experten und unseren Lesern sprechen. Unser nächstes Diskussionsforum in der Reihe „Morgenpost vor Ort“ am Donnerstag, 31. Oktober, trägt den Titel „Berlin - 30 Jahre nach dem Mauerfall“.

Regierender Bürgermeister Michael Müller auf dem Podium

Auf dem Podium diskutieren: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD); Christine Richter, Chefredakteurin der Berliner Morgenpost; Ruth Misselwitz, Pfarrerin im Ruhestand und 1981 Mitgründerin des Friedenskreises Pankow sowie Klaus Schroeder, Professor für Politologie und Zeitgeschichte an der Freien Universität Berlin und Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat. Moderator des Abends ist Morgenpost-Autor und Kolumnist Hajo Schumacher.

Das Leserforum beginnt am Donnerstag, 31. Oktober, um 19 Uhr im Kinozentrum Zoo Palast an der Hardenbergstraße 29A (Charlottenburg) und dauert etwa zwei Stunden. Nach der Podiumsdiskussion können die Gäste im Publikum Fragen stellen und sich in die Debatte einschalten. Die Teilnahme ist für alle Leser kostenlos, die Gäste müssen sich aber zuvor in unserer Redaktion anmelden. Wie das geht, erfahren Sie am Ende des Artikels.

Rückblick auf die Friedliche Revolution: Ist zusammengewachsen, was zusammengehört?

Wir wollen auf die Friedliche Revolution und die dramatischen Ereignisse im Herbst 1989 zurückblicken, aber auch darüber sprechen, was die Werte dieser Bewegung, etwa Freiheit und Demokratie, heute bedeuten und wie sie zum Handeln anregen können.

Weiteres zentrales Thema unseres Leserforums ist die Entwicklung der Stadt und der Stadtgesellschaft in den vergangenen 30 Jahren. Welchen kulturellen und sozialen Wandel hat Berlin erlebt? Wie ist die Stadt heute aufgestellt?

Dazu gehört auch die Frage, ob tatsächlich „zusammengewachsen ist, was zusammengehört“. Oder ist die Stadt immer noch geteilt – in der Lebenswirklichkeit, im Lebensgefühl, in den Köpfen der Menschen? Welche Fehler wurden im Einigungsprozess gemacht? Wurden neue „Mauern“ geschaffen, etwa soziale oder wirtschaftliche? Welche Rolle spielen links- und rechtsextreme Tendenzen, insbesondere bei jungen Menschen?

Schließlich soll es auch um die Perspektive der Stadt gehen. Was wird Berlin künftig prägen? Können wir die Stadt der Freiheit und Internationalität, der Diversität und Wissenschaft sein, oder ist das nur der Wunsch der Marketingstrategen? Und wie geeint wird Berlin in 30 Jahren sein? Solche Fragen sollen bei unserem Leserforum anlässlich des Mauerfall-Jubiläums diskutiert werden.

Eine Million Menschen auf dem Alexanderplatz

Ein entscheidendes Ereignis in den Tagen vor dem Mauerfall war die Großdemonstration in Ost-Berlin und die anschließende Kundgebung auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989. „Eine Million Menschen – so viele Deutsche wie noch nie östlich der Elbe – haben am Sonnabend in Ost-Berlin friedlich für Demokratie und Reformen in der DDR demonstriert“, schrieb die Berliner Morgenpost am nächsten Tag, einem Sonntag, auf der Titelseite.

Weiter hieß es: „Die Demonstranten verlangten demokratische Rechte, die Aufgabe des Führungsanspruchs der SED, Presse-, Reise und Versammlungsfreiheit, Friedenserziehung statt Wehrkunde an den Schulen, die Auflösung des Staatssicherheitsdienstes und eine Reform des politischen Strafrechts.“ Explizit seien von Kundgebungsrednern freie Wahlen und der Rücktritt der von Egon Krenz geführten Regierung gefordert worden.

Der Friedenskreis Pankow existiert heute noch

Auch Ruth Misselwitz demonstrierte am 4. November auf dem Alex.. Die Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Pankow hatte im Herbst 1981 mit ihrem Mann Hans-Jürgen und anderen den Friedenskreis Pankow gegründet. Die Regisseurin Freya Klier war mit dabei, ebenso der Grafiker Martin Hoffmann. Der Friedenskreis zählte zu den größten DDR-Oppositionsgruppen unter dem Dach der Kirche – und er existiert heute noch.

„Ab Mai 1989 ließen sich die Menschen nicht mehr in den Kirchen halten. Es brodelte sehr, sie gingen raus auf die Straße“, erinnert sich Misselwitz.Die größte Angst der staatlichen Behörden am 4. November sei gewesen, dass diese gewaltige Menschenmenge in Richtung Brandenburger Tor läuft und versucht, die Mauer einzureißen. Doch das geschah nicht.

„Wir sind gar nicht auf die Idee gekommen. Wir wollten in diesem Land etwas verändern, aber nicht die Mauer einstürzen“, sagte die langjährige Pfarrerin in einem Filmbeitrag für den MDR. Umso mehr habe es die Friedensaktivisten überrascht, dass fünf Tage später die Mauer fiel.

„Für ein vereintes Deutschland hatten wir keinen Plan“

Die Deutsche Einheit gehörte nicht zu den Forderungen des Friedenskreises und der anderen bekannten Oppositionsgruppen. Sie hätten damals die deutsche Teilung akzeptiert als Folge der Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg. „Für ein vereintes Deutschland hatten wir keinen Plan“, räumte Ruth Misselwitz im Gespräch mit der Morgenpost ein.

Die Pfarrerin, die von der Stasi beobachtet und abgehört wurde und sogar bei einem fingierten Fahrradunfall umgebracht werden sollte, wurde 1991 mit dem Verdienstorden des Landes Berlin und 2014 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Bei unserem Leserforum sitzt sie mit auf dem Podium.

Spannende Ereignisse, spannende Themen. Kommen Sie zu unserem Leserforum und reden Sie mit.

So können Sie am Leserforum teilnehmen

Das Leserforum „Morgenpost vor Ort“ zum Thema „Berlin – 30 Jahre nach dem Mauerfall“ beginnt am Donnerstag, 31. Oktober, um 19 Uhr im Kinocenter Zoo Palast an der Hardenbergstraße 29 A in Charlottenburg. Es dauert circa zwei Stunden. Die Teilnahme ist für alle unsere Leser kostenlos.

Voraussetzung ist eine Anmeldung in unserer Redaktion unter dem Kennwort „Morgenpost vor Ort“. Das geht per E-Mail an aktionen@morgenpost.de, per Fax an die Nummer (030) 8872 77967 oder per Postkarte/Brief an die Berliner Morgenpost, Redaktion Lokales, Kurfürstendamm 21, 10719 Berlin.

Teilen Sie uns bitte mit, wie viele Plätze Sie benötigen. Abonnenten der Berliner Morgenpost können gern ihre Abonummer dazuschreiben, sie werden bei der Platzvergabe zuerst berücksichtigt. Alle Anmeldungen werden nach Eingang bearbeitet und müssen spätestens bis Dienstag, 29. Oktober, 16 Uhr, in der Morgenpost-Redaktion vorliegen. Wir bitten um Verständnis: Der Zugang ist nur mit einer schriftlichen Bestätigung der Redaktion möglich.

Der Zoo Palast ist sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, der Bahnhof Zoologischer Garten liegt nur wenige Meter entfernt. Dort halten die S-BahnLinien S3, S5, S7 und S75, die U-Bahn-Linien U2 und U9 sowie zahlreiche BVG-Buslinien. Kostenpflichtige Parkplätze gibt es in mehreren Parkhäusern und auf Straßen im Umfeld sowie auf dem Hardenbergplatz.