Zwölf Stunden

Schokoladenhaus Rausch eröffnet am Gendarmenmarkt neu

Gläserne Live-Pâtisserie, 30 Meter lange Pralinentheke, interaktive Ausstellung zur Kakaobohne: Wir haben das Rausch-Haus besucht.

Pauline Müller und Chef Robert Rausch in der neuen interaktiven Ausstellung, die bis in die Plantagen führt.

Pauline Müller und Chef Robert Rausch in der neuen interaktiven Ausstellung, die bis in die Plantagen führt.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

8:23 Uhr Es riecht nach frischem Putz und Farbe, wenn man die Treppe zum zweiten Obergeschoss im Schokoladenhaus Rausch am Gendarmenmarkt hinaufsteigt. Zum 100-jährigen Firmenbestehen wurden die fast 2000 Quadratmeter in knapp sechs Monaten bei laufendem Betrieb umgebaut. Bis zur Neueröffnung an diesem Sonnabend wird noch emsig gewerkelt. Mittendrin: Lisa Fenske-Freese. Die Leiterin der Pâtisserie und ihr vierköpfiges Team fertigen ihre Leckereien ab dem Wochenende live in der gläsernen Pâtisserie des Schokoladen-Cafés. Der Clou: Die neue Circle Bar. Ähnlich einer Sushi-Bar kann man sich Schmankerl vom laufenden Band pflücken. Die Pâtissiers haben zwölf süße und drei herzhafte, kleine Schoko-Kunstwerke kreiert.

9:17 Uhr Auch in der ersten Etage arbeiten Handwerker unter anderem an der Erweiterung des Verkaufsbereichs. Vor allem aber an der neuen „Plantagenwelt“, die neugierig machen will auf die Geschichte(n) hinter dem Rohstoff Kakao. Hier ist Chef Robert Rausch in seinem Metier. Unter seiner Federführung wurde die Erlebnisausstellung konzipiert. So kann man in der Schau bei 85 Prozent Luftfeuchtigkeit erfahren, was es heißt, auf einer Plantage zu arbeiten. Dabei werden allerhand technische Finessen aufgefahren. „In einem anderen Raum steht man durch 3D-Mapping mitten im Dschungel“, verrät Rausch. Der 31-Jährige ist übrigens vor zwei Monaten Vater des kleinen Leonard Carl geworden. „Die 6. Generation“, scherzt er, darauf setzend, dass auch seinem Sohn die Leidenschaft für Schokolade in die Wiege gelegt wurde.

10:58 Uhr Pauline Müller prüft die Fortschritte beim Ausstellungsaufbau. Bei ihr laufen ab Sonnabend die Fäden zusammen, wenn die interaktive, audiovisuelle Schau eröffnet wird. Vorerst im Testbetrieb. Dafür wurden Kopfhörer als Guide entwickelt. Zunächst auf Deutsch und Englisch, später in vielen weiteren Sprachen, gibt es an 68 Punkten Hintergründe zum Thema Kakao. Aber auch Anekdoten von den zahlreichen Reisen zur firmeneigenen Plantage in Costa Rica und Partner-Plantagen, die Robert Rausch und seine Kakao-Biologinnen unternommen haben. Die Ausstellung schlägt dabei einen Bogen von der Kakaopflanze bis zur fertigen Schokolade. Die kann man in abgewandelter Form sogar selbst herstellen.

12:36 Uhr Bislang hatte das Schokoladenhaus, immerhin das größte der Welt, rund 1,2 Millionen Besucher pro Jahr. Nach dem Umbau werden 1,8 Millionen erwartet. Dennoch, sagt Restaurantleiter Marco Garche, werden die Plätze im Café und an der Circle Bar nicht immer ausreichen. „Wir könnten zuweilen auch zwei Etagen füllen“, verrät er. Umso wichtiger ist es, die Gäste zu platzieren: „Dadurch verschaffen wir uns etwas Zeit, die Tische zu säubern.“ Manche Gäste schlagen hier auch ein neues Kapitel in ihrem Leben auf. Garche und sein Team haben bereits mehrere Heiratsanträge stilvoll vorbereitet. Was Robert Rausch erstaunt: „Warum habe ich das nicht gemacht? Ich wusste gar nicht, dass das erlaubt ist!“

13:44 Uhr Von der Aufregung auf den Baustellen hinter den Kulissen ist im „Rausch Deli“ nichts zu spüren. Bereits im Mai eröffnet, gibt es für den schnellen Genuss die berühmten Rausch-Törtchen. Oder herzhafte Wraps. Vor allem aber viele süße Köstlichkeiten. Alle Speisen sind hausgemacht und stets mit Schokolade verfeinert. Leiterin Alena Toschi zelebriert hier mit ihrem italienischen Temperament und fröhlichem Charme das Motto „Schokolade macht glücklich“.

15:01 Uhr Barista Sophie Hellmuth gehört zum vierköpfigen Team im Deli. Mit Holz und Grüntönen sowie tropischen Pflanzenornamenten an der Wand ist die Gestaltung ein gelungener Mix aus modernem Design und Kolonialstil, wie man ihn nun überall im Schokoladenhaus findet. Renner im Deli sind natürlich die Trinkschokoladen, aber auch die Kaffeespezialitäten mit Kaffee der Berliner Kaffeerösterei. Rausch setzt auf lokale Kooperationen.

16:27 Uhr Auch der neue Verkaufsbereich ist mit viel dunklem Holz gestaltet und lädt zum gemütlichen Schlendern ein. „Kolonialstil und modernes Design sind mit Elementen des Wiener Caféhaus-Stils verbunden“, erklärt Daniela Tulézi. Sie ist mit ihrem dreiköpfigen Design-Team zuständig für die Marke Rausch. Und damit für die neue Gestaltung der Verpackungen. Wie bei der Schokolade und den Pralinen ist auch hier Vieles Handarbeit. Besonders schön sind die neuen Trinkschokoladen-Dosen. Auch die ikonische Trinkschokoladen-Tasse, von KPM eigens für Rausch designt, ist darauf zu sehen.

17:19 Uhr Sven Andrée freut sich schon darauf, dass am Wochenende die hintere Wand im Laden verschwindet und der Blick frei wird auf die neue Freitreppe. Der Store-Manager betreut meist die internationalen Kunden, die schon mal 8000 Euro bei einem Einkauf ausgeben. „Wir suchen dann meist auch Präsente aus, etwa für Weihnachten oder das Zuckerfest“, erzählt Andrée. Rausch genießt einen weltweiten Ruf. Das Familienunternehmen mit eigener Manufaktur in Tempelhof setzt ausschließlich auf hochwertige Edelkakaos, Direct Trade, Nachhaltigkeit und einen schonenden Umgang mit der Natur.

18:35 Uhr Moritz Maschefski sorgt dafür, dass die Kunden immer einen Ansprechpartner haben und nichts suchen müssen. Und kümmert sich darum, dass alles im Verkaufsbereich tipptopp präsentiert wird. „Wenn Schulklassen da waren, muss man einiges geraderücken“, sagt er lachend. Im 1999 eröffneten Schokoladenhaus arbeiten 65 der insgesamt 115 Mitarbeiter.

19:42 Uhr Als Leiter der mit 30 Metern längsten Pralinentheke der Welt stellt Kai Kraft die kunstvollenLeckereien nach persönlicher Vorliebe zusammen. 250 Pralinensorten stehen zur Auswahl. Einen echten Favoriten zwischen Köstlichkeiten wie „Marc de Champagne Herz“ oder „Rosenblüten in Grappa“ hat Kai Kraft nicht. Er hält es lieber mit Kurt Tucholsky: „Der wusste, dass Champagnercreme des Deutschen Lieblingstrüffel ist“. Die sind mit weißer Schokolade ummantelt und bestreut mit purpurnem Cassisfruchtpulver ein Traum.

Rausch Schokoladenhaus, Charlottenstr. 60, Mitte, Tel. 757880, Schokoladen-Geschäft & Plantagenwelt (Eintritt 12,50 Euro, erm. 8,50 Euro) Mo.–Sbd. 10–20 Uhr, So. 11–20 Uhr, Schokoladen-Café Mo.–So. 11–20 Uhr, Rausch Deli Mo.–Fr. 8–20 Uhr, Sbd. 10–20 Uhr, So. 11–20 Uhr, Infos unter www.rausch.de

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