Berlin 1920

Die Amerikaner kommen nach Berlin

Was bewegte die Menschen in Berlin in den 1920er-Jahren? Ein kleiner Ausriss aus den Zeitungen.

Blick vom Rathausturm zum Berliner Dom und Unter den Linden. Aufnahme ca. 1920

Blick vom Rathausturm zum Berliner Dom und Unter den Linden. Aufnahme ca. 1920

Foto: PA/Image Broker/Siegfried Kuttig

Berlin. Kein Jahrzehnt der Berliner Stadtgeschichte gilt als so verrucht und legendär wie die 1920er-Jahre. Aber wie sah der Alltag der Berlinerinnen und Berliner seinerzeit wirklich aus? Mit dieser Serie werfen wir in loser Folge einen Blick in die zeitgenössischen Tageszeitungen der Hauptstadt.

Protest. Im Berliner Kulturbetrieb regt sich Widerstand gegen die Vergnügungssteuer, weiß die „Vossische Zeitung“ zu berichten: „Eine Protestkundgebung gegen die Lustbarkeitssteuer findet am Sonntag, dem 9. Mai, 10.30 Uhr vormittags, im Metropoltheater statt, in der gegen die durch die Lustbarkeitssteuer den Berliner Bühnen drohenden Gefahren Stellung genommen werden soll. Die Versammlung ist durch den Deutschen Bühnenverein, den Deutschen Chorsänger- und Ballettverband, den Deutschen Musikerverband, den Deutschen Transportarbeiterverband, die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, den Verband Berliner Bühnenleiter, den Verband deutscher Bühnenschriftsteller und Komponisten und die Vereinigung der Bühnenverleger einberufen.“

Kriminalität. Von einem Raubmord an einem Berliner Zigarrenhändler berichtet das „Berliner Tageblatt“: Der 47 Jahre alte Zigarrenhändler Max Röder aus der Muskauer Straße zu Berlin wurde gestern auf seinem Laubengrundstück in der Werder Straße tot in einer großen Blutlache aufgefunden. Seine Kleidungsstücke waren durchwühlt, ebenso die Laube selbst. Ein sofort hinzugerufener Arzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Von der Tat selbst hat niemand etwas bemerkt. Was geraubt worden ist, steht noch nicht genau fest. Von der Mahlower Polizei wurde sofort die Berliner Kriminalpolizei benachrichtigt, die noch gestern Abend Beamte an den Tatort entsandte, die genauere Feststellungen machten und die Verfolgung des Täters aufnahmen.

Tourismus. Über den Berliner Fremdenverkehr im April heißt es in der „Vossischen Zeitung“: „Der Fremdenbesuch im abgelaufenen Monat April erreichte allein im Polizeibezirk Berlin die Höhe von 100.060. Bemerkenswert ist ein gewisser Rückgang im Auslandsbesuch, der offenbar mit dem Steigen der deutschen Mark, also mit der Verminderung der Valuta-Vorteile für die Ausländer zusammenhängt.“ Die Zeitung zählt die Besucher nach Ländern auf, die meisten kommen aus Österreich, Polen und Russland. Abschließend heißt es: „Nur Amerika mit 412 Besuchern übersteigt die Ziffer des vorausgegangenen Monats.“

Aus den Kleinanzeigen: „Villa im Grunewald, 15 Zimmer, gr. Diele, Mädchenzimmer, Portierwohnung, prächtiger Garten mit mit altem Baumbestand für nur 675.000 Mark zu verkaufen“ (Aus der „Vossischen Zeitung“).