Zeitungen von 1920

Ausschreitungen und elegante Mode

Ein Blick in die Tageszeitungen von 1920: Was am 16. April in Berlin Stadtgespräch war

Berlin vor 100 Jahren.

Berlin vor 100 Jahren.

Foto: Getty Images/Carlo Xavier Lopez Scutaro/Eye Em 524236769 / Carlo Xavier Lopez Scutaro/Eye Em 524236769

Kein Jahrzehnt der Berliner Stadtgeschichte gilt als so verrucht und legendär wie die 1920er-Jahre. Aber wie sah der Alltag der Berlinerinnen und Berliner seinerzeit wirklich aus? Mit dieser Serie werfen wir in loser Folge einen Blick in die zeitgenössischen Tageszeitungen der Hauptstadt.

Arbeitskampf. Die „Vossische Zeitung“ berichtet von „schweren Ausschreitungen in dem Betriebe der Knorr-Bremse-KG in Lichtenberg“, einem Hersteller von Druckluftbremsen für Eisenbahnen. „Die Firma beschäftigt etwa 3600 Arbeiter. Am Vormittag erschien die Arbeitervertretung im Verwaltungsgebäude und forderte von der Direktion eine einmalige Zahlung von 1000 Mark, eine Forderung, die 3,6 Millionen Mark ausmachen würde.“ Auch eine Erhöhung des Stundenlohns und die Abschaffung der Akkordarbeit seien verlangt worden. „Als die Direktion sich weigerte“, heißt es weiter, „diese Forderung anzuerkennen, füllte sich das Verwaltungsgebäude mit Arbeitern.“ Die Direktoren seien genötigt worden, Zugeständnisse zu unterzeichnen. Inzwischen sei die gesamte Arbeiterschaft entlassen worden. Der Betrieb bleibe „so lange geschlossen, bis Garantien gegeben sind, dass sich derartige Vorfälle nicht wiederholen“.

Grünanlagen. Das „Berliner Tageblatt“ berichtet von einer „Verminderung der Schmuckplätze“, die der Magistrat von Berlin beschlossen habe. „Aus wirtschaftlichen Gründen sieht sich die hiesige Parkverwaltung leider gezwungen, die Pflege der gärtnerischen Anlagen auf einem Teil der Straßen und Plätze bis auf Weiteres einzustellen. Die Parkverwaltung gibt sich der Hoffnung hin, dass die Bürgerschaft ihrer aus der Not geborenen Anordnung Verständnis entgegenbringen wird“, heißt es.

Feiertag. Die Lichtenberger Stadtverordnetensitzung habe beschlossen, „den 1. Mai für Beamte, Angestellte und Arbeiter als Feiertag zu erklären“, heißt es in der „Vossischen Zeitung“. Das Spandauer Pendant habe dieselbe Entscheidung getroffen. „Auch der Straßenbahnbetrieb soll am 1. Mai ausfallen. Weiter wurde die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Feststellung der Beteiligung von Beamten und Angestellten am Kapp-Putsch beschlossen“, heißt es.

Aus den Kleinanzeigen: „Mamsells für elegante Kostüme und Mäntel verlangt. Modellhaus Erich Franke, Viktoria-Luise-Platz 8“ („Berliner Volkszeitung“).