Hohenschönhausen

Neue Berliner Stasi-Ausstellung in der Opfer-Gedenkstätte

Der Fall der Mauer ist jetzt fast 30 Jahre her. Vieles zur Geschichte der DDR ist aufgearbeitet, aber es gibt immer noch neue Facetten.

Die Schau mit dem Titel "Stasi in Berlin - Überwachung und Repression in Ost und West" soll die verborgene Infrastruktur der Stasi zeigen.

Die Schau mit dem Titel "Stasi in Berlin - Überwachung und Repression in Ost und West" soll die verborgene Infrastruktur der Stasi zeigen.

Foto: Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin. Von der Abhörstation bis zum Fuhrpark - mehr als 300 Dienstsitze hatte das DDR-Ministerium für Staatssicherheit in Ost-Berlin. Hinzu kamen rund 4200 konspirative Wohnungen für Treffs mit Informanten. Auch in West-Berlin gab es solche geheimen Treffpunkte. Doch wo sie waren, wird wohl im Verborgenen bleiben: Die Stasi-Hauptabteilung Aufklärung (zuständig für Auslandsspionage) hatte es noch geschafft, ihre Unterlagen zu vernichten.

Fast 30 Jahre nach dem Mauerfall beleuchtet eine neue Ausstellung in der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen das Spinnennetz von Überwachung und Repression im damaligen Berlin. Die multimediale Schau soll am Donnerstag (18.00 Uhr) von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) eröffnet werden.

Neuer Blick auf die Stadt

"Unser Anliegen ist, das Vergangene in der Gegenwart zu verorten und einen neuen Blick auf die Stadt zu eröffnen", sagte Kurator Andreas Engwert der Deutschen Presse-Agentur. Es sei die erste komplette Übersicht über die konspirativen Wohnungen erarbeitet worden, ergänzte Projektleiter Michael Schäbitz. Die Ausstellungsmacher sprechen von einer verborgenen Infrastruktur der Überwachung und Verfolgung, die die Stasi etablierte.

Der Besucher kann durch eine 170 Quadratmeter große, heutige Luftaufnahme Berlins gehen und Dutzende Orte ansteuern, die mit der Stasi zu tun hatten. Über Tablets gibt es dazu Filme, Fotos und Dokumente zu sehen. Erzählt wird anhand der Orte auch das Schicksal von Menschen, die in die Fänge der Geheimpolizei gerieten. Interessierte könnten so in die Vergangenheit ihres Kiezes eintauchen und sehen, wie die Stasi gegen die eigene Bevölkerung agiert habe, erläuterte Engwert.

Gespräche mit Betroffenen emotional

Projektleiter Schäbitz berichtete, wie sehr ihn die Gespräche mit Betroffenen bei der Recherche berührt hätten. "Da begreift man anders, was das für ein gigantischer Apparat war." Während die Stasi in den 60er Jahre noch äußerst brutal ihre Macht sicherte, ging es später stärker um das Zersetzen von Oppositionsgruppen, Einschüchtern sowie das "Vereinzeln" von Kritikern.

Allein in Ost-Berlin gab es nach Angaben von Schäbitz fast 40.000 hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter, dazu Tausende IM (Inoffizielle Mitarbeiter). Für die Ausstellung seien 10.000 Fotos und Hunderte Akten bei der Stasi-Unterlagen-Behörde gesichtet worden. Die Geschichte der DDR könne nicht ohne Mauer und Stasi erzählt werden, betonte der 48-Jährige. "Wie ist es sonst zu erklären, dass vier Millionen Menschen das Land verließen?", hält er Nostalgikern entgegen. Auch der Alltag in der DDR sei ohne repressive Mechanismen nicht darzustellen.

Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe sorgt für Schlagzeilen

Die Gedenkstätte im früheren zentralen Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit war über Wochen wegen ihrer geschassten Leitung in den Schlagzeilen. Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe war nach Vorwürfen gekündigt worden, nicht entschieden genug gegen die mutmaßliche sexuelle Belästigung von Volontärinnen, Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen durch seinen Stellvertreter vorgegangen zu sein.

Knabe hatte die Vorwürfe zurückgewiesen, der Rechtsstreit um seine Abberufung wurde schließlich mit einem Vergleich beendet. Der Stellvertreter klagt noch vor dem Arbeitsgericht gegen seine Kündigung. Der Chefposten in Hohenschönhausen wurde neu ausgeschrieben. Zu den Querelen wollte sich in Hohenschönhausen niemand öffentlich äußern. "Wir arbeiten einfach weiter", hieß es mehrfach.

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