Sozialistin

100. Todestag von Rosa Luxemburg: Was man wissen muss

Vor 100 Jahren wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin ermordet. Alle wichtigen Informationen zu den Kommunistenführern.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht starben am 15. Januar vor 100 Jahren. Auch 2019 werden wieder linke Gruppen an die Ermordung mit einer Demonstration zur Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde erinnern.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht starben am 15. Januar vor 100 Jahren. Auch 2019 werden wieder linke Gruppen an die Ermordung mit einer Demonstration zur Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde erinnern.

Foto: snapshot-photography/F.Boillot / imago/snapshot

Berlin.  Der Todestag von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht jährt sich am 15. Januar 2019 zum 100. Mal. Beide wurden zur Zeit der Weimarer Republik ermordet, weil sie gegen das bestehende System aufbegehrten.

Doch wer genau waren Luxemburg und Liebknecht? Wo und wie wurden sie ermordet? Und was hat es mit der angeblichen Luxemburg-Wasserleiche in der Charité auf sich? Wichtige Fragen und Antworten im Überblick.

Wer war Rosa Luxemburg?

Rosa Luxemburg war eine bedeutende Kommunistenführerin, die vehement den sozialistischen Umsturz verfolgte. Zunächst Mitglied in der SPD, gründete sie Anfang 1919 die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) mit. Als Mitglied des Spartakusbundes war sie ein Feindbild der neuen Weimarer Regierung.

Luxemburg, die eigentlich Rozalia Luksenburg hieß, einen Schreibfehler der Behörden bei ihrem Nachnamen aber beibehielt, wurde 1871 als jüngstes von fünf Kindern eines jüdischen Ehepaars im polnischen Zamość geboren.

Schon zu Schulzeiten schloss sie sich der Warschauer Untergrundgruppe „Zweites Proletariat“ an, in der sie Schriften von Karl Marx las. Als die Zarenpolizei das entdeckte, floh Luxemburg in die Schweiz.

In Zürich studierte sie unter anderem Rechts- und Staatswissenschaften sowie Volkswirtschaftslehre und Geschichtswissenschaft. Sie gründete die Zeitung „Arbeitersache“, in der sie den internationalen Zusammenschluss der Arbeiterklassen propagierte, um den Zarismus, den Kapitalismus und die Monarchie in Europa zu stürzen.

Nach Beginn des Ersten Weltkriegs gründete Luxemburg die „Gruppe Internationale“, aus der der Spartakusbund hervorging. In dessen Programm forderte sie 1918 die Einführung einer Räterepublik und die Entmachtung des Militärs. Nach einem niedergeschlagenen Aufstand des Spartakusbundes mit zahlreichen Toten wurden sie und Liebknecht ermordet.

Wer war Karl Liebknecht?

Karl Liebknecht war ebenfalls Mitbegründer des Spartakusbundes und der kommunistischen Partei KPD. Die SPD hatte den Marxisten wegen seiner radikalen Kritik 1916 ausgeschlossen. Sein Ziel: eine Republik, in der vom Volk gewählte Räte die Macht ausüben. Bei den Januar-Unruhen 1919 rief Liebknecht zum weiteren „Kampf des revolutionären Proletariats“ auf.

Er wurde 1871 in Leipzig geboren. Seine Taufpaten waren Karl Marx und Friedrich Engels – allerdings in Abwesenheit. Sein Vater gehörte mit August Bebel zu den Gründern der SPD. Bekannt sind auch seine Brüder Theodor und Otto Liebknecht.

Während Theodor als letzter Vorsitzender der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) ebenfalls sozialistisch aktiv war, hielt sich Otto aus der Parteipolitik weitestgehend heraus. Als Chemiker entwickelte er ein Bleichmittel, das 1907 als Bestandteil des Waschmittels Persil auf den Markt kam.

Karl Liebknecht studierte in Leipzig und Berlin Rechts- und Kameralwissenschaften, die zu einer Tätigkeit in der Verwaltung befähigten. Anschließend arbeitete er als Rechtsanwalt, war Mitglied der Zweiten Internationale und Gründer der Sozialistischen Jugendinternationale.

Für seine Schrift „Militarismus und Antimilitarismus“ wurde er 1907 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu eineinhalb Jahren Festungshaft verurteilt. 1916 wurde er erneut verurteilt – wegen Kriegsverrats zu vier Jahren Zuchthaus.

Wo und wie wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet?

Luxemburg und Liebknecht wurden am 15. Januar 1919 in Berlin von Freikorps-Soldaten erschossen. In den Berliner Revolutionswirren nach Ende des Ersten Weltkriegs hatte ein kommunistischer Revolutionsausschuss unter Liebknechts Führung in der Nacht zum 6. Januar 1919 die Regierung des Sozialdemokraten Friedrich Ebert für abgesetzt erklärt.

Wenige Tage vor der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar eskalierten in der Reichshauptstadt Massendemonstrationen zum offenen Bürgerkrieg.

Bis zum 12. Januar schlugen Regierungstruppen den „Spartakusaufstand“ nieder. Danach tauchten Liebknecht und Luxemburg unter. Am 15. Januar wurden sie von einer Bürgerwehr in einer Wohnung im Berliner Bezirk Wilmersdorf gefangen genommen. Einen Haftbefehl gab es nicht.

Im Hotel Eden wurden Luxemburg und Liebknecht anschließend vernommen. Dort schmiedeten die Freikorps auch das Mordkomplott.

Liebknecht wurde Stunden später im Tiergarten erschossen. Auch Luxemburg wurde erschossen, ihre Mörder warfen die Leiche in den Landwehrkanal. Sie wurde erst mehr als vier Monate nach Luxemburgs Tod gefunden.

Wo sind Luxemburg und Liebknecht begraben?

Beide Sozialisten wurden auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde begraben. In der DDR war der jährliche Gedenkmarsch am zweiten Sonntag im Januar zum Grab der Kommunistenführer ein Ritual unter Führung der gesamten Staats- und SED-Spitze. Zehntausende Menschen versammelten sich an der prominenten Grabstätte.

Noch heute ziehen jedes Jahr linke Gruppen zur Gedenkstätte. Seit der Wende gingen die Teilnehmerzahlen allerdings stark zurück.

Wie wird Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht 2019 gedacht?

Rund um den Jahrestag der Ermordung am 15. Januar finden in Berlin verschiedene Veranstaltungen statt. Am 13. Januar werden Tausende Menschen zu einer Demonstration erwartet. Veranstaltet wird sie von einem Bündnis linker Parteien, Organisationen und autonomer Gruppen.

Die Demo zieht vom U-Bahnhof Frankfurter Tor im Stadtteil Friedrichshain zur Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde. Am 15. Januar folgt eine weitere Demo vom Olof-Palme-Platz zu den Gedenktafeln im Tiergarten.

Die Geschichtswerkstatt Berlin gedenkt der Kommunistenführerin am 13. Januar am Gartenufer im Tiergarten. Dort haben die Soldaten Luxemburg nach einem Kopfschuss in den Landwerkanal geworfen. Die Fußgängerbrücke zwischen Zoo und Tiergarten heißt seit 2012 Rosa-Luxemburg-Steg.

Eine Karte zeigt, wo sich die Brücke befindet:

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung gedenkt ihrer Namensgeberin unter anderem am 12. Januar mit der Tagung „Ich lebe am fröhlichsten im Sturm“ im Kunstquartier Bethanien.

Die Volksbühne lädt direkt am Todestag zur Lesung „Zu Tisch – Ein Gang für Rosa Luxemburg“. Sie ist allerdings bereits ausverkauft.

Welche Luxemburg-Filme laufen am 15. Januar im TV?

Arte zeigt am 15. Januar um 23.30 Uhr den Film „Rosa Luxemburg oder: Der Preis der Freiheit“ von der Regisseurin Inga Wolfram. Er erzählt vom Leben und den Idealen der Sozialistin. Der Film ist vom 15. bis 21. Januar auch in der Mediathek verfügbar.

Im MDR (23.45 Uhr), RBB (23.30 Uhr) und auf 3Sat (22.25 Uhr) ist die Rosa-Luxemburg-Biografie mit Barbara Sukowa als Rosa Luxemburg und Otto Sander als Karl Liebknecht von 1986 zu sehen.

Was hat es mit der angeblichen Luxemburg-Leiche in der Charité auf sich?

Anfang 2007 fand der Leiter der Rechtsmedizin der Berliner Charité, Michael Tsokos, eine unbekannte Wasserleiche im Keller der Charité. Aufgrund zahlreicher Indizien vermutete er, dass es sich dabei um die Leiche der 1919 ermordeten einstigen KPD-Führerin Luxemburg handelte.

Einen Beweis dafür blieb Tsokos jedoch schuldig, da es ihm nicht gelungen war, an DNA-Spuren von Luxemburg zu kommen.

„Ich habe mir im Juni in einem Archiv in Warschau Rosa Luxemburgs Herbarium angeschaut und in 18 Heften jede Seite genau untersucht“, sagte Tsokos im Jahr 2009 der Deutschen-Presse Agentur. „Alle DNA-Spuren, die ich entdeckt habe, waren jedoch männliche.“ Luxemburg hatte in dem Herbarium getrocknete Pflanzen gesammelt und selber beschriftet.

Eine andere Spur hatte zu einer Großnichte von Luxemburg in Israel geführt. Sie war im Verwandtschaftsverhältnis jedoch viel zu weit weg, als dass ihre DNA zur Aufklärung getaugt hätte. Auch einer Exhumierung von Luxemburgs Eltern hatte die Großnichte nicht zugestimmt.

Der Fund der Leiche hatte für Schlagzeilen gesorgt und das Interesse an der Identität der Frauenleiche auch außerhalb Deutschlands geweckt.

Was ist die Rosa-Luxemburg-Stiftung?

Die Rosa-Luxemburg Stiftung ging aus dem Verein Gesellschaftsanalyse und politische Bildung e.V. hervor und ist eine Stiftung der Linkspartei. Sie fühlt sich dem Demokratischen Sozialismus verbunden und fördert die politische Bildung, Kunst, Kultur und internationale Verständigung.

Was sind berühmte Zitate von Rosa Luxemburg?

• „Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden.“

• „So ist das Leben und so muss man es nehmen, tapfer, unverzagt und lächelnd – trotz alledem.“

• „Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht.“

Was sind berühmte Zitate von Karl Liebknecht?

• „Aufrichtigkeit ist die edelste Form der Dummheit.“

• „Die Furcht ist der schlechteste Ratgeber.“

• „Das Unmögliche zu wollen, ist die Voraussetzung dafür, das Mögliche zu schaffen.“

Welche Luxemburg- und Liebknecht-Denkmale gibt es in Berlin?

Gedenktafel in der Cranachstraße 58: In den 70er-Jahren wollte die SPD an Luxemburgs ehemaligem Wohnhaus eine Tafel anbringen. Der Eigentümer weigerte sich. Die Tafel steht nun davor.

Denkmale im Tiergarten: Das Architektenpaar Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte entwarf und stiftete sie 1987. Die Einweihung fand im kleinen Kreis statt, weil die Stifter zuvor bedroht worden waren. Das Luxemburg-Denkmal ist ein Schriftzug ihres Namens am Ufer des Landwehrkanals, in den ihre Leiche geworfen wurde. Die Buchstaben verlängern sich bis ins Wasser. Das Liebknecht-Denkmal liegt am Neuen See, wo er von Freikorpssoldaten mit drei Schüssen getötet wurde.

Bronzerelief: An der heutigen Musikschule Hanns Eisler erinnert es seit 1988 daran, dass Liebknecht am Schlossplatz in der Nähe die sozialistische Republik ausrief.

Luxemburg-Skulptur: 1999 fertigte eine Künstlergruppe eigenmächtig eine Skulptur in Lebensgröße und platzierte sie vor dem Karl-Liebknecht-Haus, das von 1926 bis 1933 Sitz der KPD war und heute die Bundesgeschäftsstelle der Linken ist. Die Skulptur durfte dort nicht bleiben. Sie steht jetzt vor dem Gebäude der Zeitung „Neues Deutschland“ am Franz-Mehring-Platz.

Findling mit Medaillon: Am 7. und 8. Januar 1919 tagte im Biergarten der Bötzow-Brauerei im Stadtteil Prenzlauer Berg der von Liebknecht geleitete Revolutionsausschuss. Der Findling erinnert daran.

Denkzeichen: 2006 wurden Zitate von Luxemburg in den Boden des Rosa-Luxemburg-Platzes im Stadtteil Mitte eingelassen. Bei Bauarbeiten zwei Jahre später setzten Handwerker sie falsch zusammen.

Messingschild in der Wielandstraße 23: In dem Haus hatte Luxemburg von 1899 bis 1902 gewohnt, der Bezirk Tempelhof-Schöneberg brachte das Schild 2013 an.

• Nie fertiggestellt wurde ein Liebknecht-Denkmal, das am Potsdamer Platz errichtet werden sollte. Bis heute steht dort nur der Grundstein. Am Potsdamer Platz hielt Liebknecht eine Anti-Kriegs-Rede. Er wurde dafür wegen Hochverrats verurteilt.

• Von den Nationalsozialisten zerstört wurde ein Revolutionsdenkmal, das der berühmte Architekt Mies van der Rohe entworfen hatte und das 1926 in Berlin-Friedrichsfelde errichtet worden war. (cho/mit dpa)

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