120 Jahre Morgenpost

Ein Verein, der Berlinern hilft

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Petra Götze
Redakteurin Petra Götze (r.) mit Luka und seiner Mutter Janina Wegner. Leserspenden ermöglichten dem Jungen eine Delfintherapie

Redakteurin Petra Götze (r.) mit Luka und seiner Mutter Janina Wegner. Leserspenden ermöglichten dem Jungen eine Delfintherapie

Foto: Sergej Glanze

Redakteurin Petra Götze über den von der Morgenpost gegründeten Verein Berliner helfen e.V.

Berlin. Ein schwerer Unfall, ein Verbrechen oder eine Krankheit können Menschen unverschuldet in Not geraten lassen. In solchen Fällen kann der Verein Berliner helfen e. V. einspringen, wenn staatliche Leistungen nicht ausreichen. Gegründet wurde der gemeinnützige Verein Berliner helfen e. V. im Jahr 2000 von Verlag und Redaktion der Berliner Morgenpost. Dem Verein gehören 14 Mitglieder an, darunter ehemalige Redakteure der Zeitung, aber auch Privatpersonen wie der frühere ZDF-Intendant Prof. Dr. h.c. Dieter Stolte, eine Bankangestellte und ein Jurist. Vorsitzende ist die Chefredakteurin der Berliner Morgenpost, Christine Richter.

5,1 Millionen Euro Spenden ausgeschüttet

In den vergangenen 17 Jahren konnten insgesamt 5,1 Millionen Euro Spenden in Berlin und Brandenburg ausgeschüttet werden. Finanziell gefördert werden vor allem gemeinnützige Einrichtungen, Vereine und Projekte der Kinder- und Jugendhilfe. Viele in privater Initiative entstandene Betreuungseinrichtungen wie das Haus Jona in Spandau oder das Kinderhaus Bolle in Marzahn könnten ohne diese Zuwendungen nicht existieren. „Unsere Kinder sind nicht dümmer als andere, aber ihre Startblöcke im Leben stehen einfach weiter hinten“, meint Eckhard Baumann vom Verein Straßenkinder und Gründer des Kinderhauses Bolle. Das Haus steht, wie das Haus Jona in Staaken, allen Kindern nach der Schule offen. Und es gibt dort, was zu Hause oft fehlt: Aufmerksamkeit, Förderung und Wertschätzung für die Kinder.

Auch Schul-Fördervereine, Kitas, Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge wie das Deutsche Herzzentrum oder die Kinderklinik in Buch werden mit den Spenden der Leser unterstützt.

Spenden an bedürftige Familien oder Senioren, zum Beispiel um ein Auto oder die Wohnung behindertengerecht umzubauen, werden nach sorgfältiger Prüfung nur direkt an das Autohaus oder den Handwerksbetrieb und nur bei Gewährleistung der Gesamtfinanzierung gezahlt, um die zweckgebundene Verwendung der Mittel sicherzustellen. In der Regel liegen die Zuschüsse bei 1500 Euro. Auch Delfin- und Reittherapien werden bezuschusst.

Alle Spenden werden ausschließlich in Berlin und Brandenburg eingesetzt. Die geförderten Projekte und Einrichtungen werden vor Ort besucht, wöchentlich wird darüber in der Berliner Morgenpost berichtet. Seit 2003 trägt der Verein das Spendensiegel des Deutschen Instituts für Sozialwirtschaft (DZI). Es steht für die nachgeprüfte, sparsame und satzungsgemäße Verwendung der Spendengelder.

Schicksale, die die Leser bewegen

Schon der erste Fall im Jahr 2001, den der damals gerade gegründete Verein der Berliner Morgenpost übernahm, sorgte für Aufsehen: Eine Frau in Zehlendorf hatte ihren Mann betäubt und ihm die Pulsadern aufgeschnitten – auch ihre drei Töchter im Alter von neun, 13 und 15 Jahren sollten auf diese Art sterben, doch sie überlebten. Die Leser nahmen großen Anteil am „Fall der drei Mädchen“. 100.000
D-Mark kamen zusammen, der Verein begleitete die Mädchen bis zur Volljährigkeit der Jüngsten. Von den Spenden wurden Ausbildungen, kleine Wünsche und Zuschüsse zur ersten eigenen Wohnung finanziert.

Im November 2008 öffnete die damals zwölfjährige Charlyn in Rudow den Briefkasten der Familie, dabei explodierte eine Bombe, gelegt von ihrem eigenen Onkel, und zerfetzte ihren rechten Arm. Auch hier war die Hilfsbereitschaft der Leser groß. Dank der Spenden konnte das traumatisierte Mädchen mit ihren Eltern zur Erholung an die Ostsee fahren. Der Arm ist geheilt, aber nur eingeschränkt beweglich. Charlyn hat Abitur gemacht und ist erwachsen geworden. Wie die meisten Verbrechensopfer möchte sie keine weitere Berichterstattung über ihr Schicksal.

Im Februar 2011 sorgte ein brutaler Überfall auf dem U-Bahnhof Lichtenberg für Entsetzen in der Stadt. Vier Männer hatten den jungen Malergesellen Marcel R. ins Koma geprügelt. Er überlebte schwer verletzt, wird aber sein Leben lang an den Folgen leiden. In seinen Beruf konnte er nicht zurück. Dank der Spenden der Leser an Berliner helfen e. V. konnte er in eine neue Wohnung in der Nähe von Mutter und Schwester ziehen.

In diesem Jahr berührte das Schicksal eines jungen Vaters aus Lichtenrade die Leser. Der 29-Jährige hatte im Februar völlig unerwartet seine hochschwangere Frau verloren. Vor ihrem Tod konnten die Ärzte noch das Baby auf die Welt holen. Nun muss sich der Witwer allein um zwei kleine Söhne und das neugeborene Mädchen kümmern. Dass er das tun kann, ohne zum Sozialfall zu werden, dafür sorgt eine monatliche Unterstützung von Berliner helfen e. V.