120 Jahre Morgenpost

Frühstück ohne Zeitung? Undenkbar für die Friedemanns

Redakteur Alexander Dinger hat unsere Leser Brigitte und Lothar Friedemann in Gropiusstadt besucht. Zeitung hat bei ihnen Tradition.

Morgenpost-Leser Lothar Friedemann (r.) und seine Frau Brigitte (l.) und Redakteur Alexander Dinger

Morgenpost-Leser Lothar Friedemann (r.) und seine Frau Brigitte (l.) und Redakteur Alexander Dinger

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin.  Als Erstes holen Brigitte und Lothar Friedemann morgens ihre Zeitung aus dem Briefkasten. Ein Frühstück ohne die Berliner Morgenpost ist für sie nicht denkbar. „Interessante Artikel schneiden wir aus und heben sie auf“, sagen sie. Als das Paar in seiner gemütlichen Wohnung in der Gropiusstadt Besuch von Redakteur Alexander Dinger bekommt, ist die Freude groß, es gibt viel zu besprechen. Den Besuch, einen von insgesamt zwölf, hat das Paar bei der Verlosung anlässlich des Jubiläums „120 Jahre Berliner Morgenpost“ gewonnen.

Lothar Friedemann ist 79 Jahre alt, seine Frau ein Jahr jünger. Beide sind waschechte Kreuzberger, besuchten sogar dieselbe Schule, die 4. Oberschule Praktischer Zweig an der Graefestraße. 1961 heirateten sie. „Und da hast du die Zeitung doch gleich bestellt“, erinnert sich Brigitte Friedemann. Damals habe der Zeitungsausträger noch einmal im Monat geklingelt, um zu kassieren.

Zeitunglesen hat bei Familie Friedemann Tradition. Schon beim Vater von Lothar Friedemann war ein Frühstück ohne die neuesten Nachrichten aus der Zeitung nicht denkbar. „Ich bin so groß geworden. Wir wohnten an der Jahnstraße, Hinterhof, zwei Zimmer, die Toilette eine halbe Treppe tiefer. Acht Kinder waren wir, vier Mädchen und vier Jungen“, erinnert sich Lothar Friedemann. Als er dann 1970 mit seiner Frau und den beiden Töchtern, die inzwischen 55 und 53 Jahre alt sind, in ihre heutige Wohnung zog, zog die Zeitung selbstverständlich mit.

Durch das tägliche Zeitunglesen sind die Friedemanns über die Entwicklungen in Berlin gut informiert. Auch über die Probleme auf dem Wohnungsmarkt. Von den sechs Parteien, die in ihrem Haus wohnen, sind inzwischen zwei Eigentümer. Früher gehörte das Haus in der gepflegten Wohnanlage mit den dreigeschossigen Bauten der Gehag, dann der Deutsche Wohnen, die vor 15 Jahren begann, die Wohnungen zu verkaufen. „Eine landeseigene Wohnungsgesellschaft als Eigentümer gibt einem schon mehr Sicherheit, es macht uns Sorgen, dass die neuen Eigentümer unserer Wohnung doch mal Eigenbedarf anmelden könnten. Je älter man wird, desto problematischer wird es“, findet das Ehepaar.

Beide nehmen regen Anteil an den Veränderungen in der Stadt, nicht nur, aber auch in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. „Das mit den Radwegen wird übertrieben. Das Augenmerk sollte mal auf die maroden Fußwege gelegt werden“, regen sie an. Außerdem beobachtet Lothar Friedemann schon länger, dass die Baustellen auf Straßen wie der Karl-Marx-Straße oder dem Kölner Damm „unfassbar lange dauern“. Und das liege wohl daran, dass dort einfach nichts passiere, Bauarbeiter seien dort jedenfalls oft gar nicht zu sehen.

Auf dem Tisch im Wohnzimmer liegen fein säuberlich zusammengeheftet viele Themen, die ihm am Herzen liegen: die EU-Datenschutzverordnung sei für Kleingärtner viel zu kompliziert, die ehrenamtliche Arbeit leide, Ehrenamtliche seien mit den vielen Vorschriften überfordert, gemeinnützige Vereine müssten davon freigestellt werden, findet er. „Datenschutz ist wichtig, aber die bürokratischen Hürden sind zu groß. Und gerade die älteren Menschen bekommen Angst, wenn sie angeschrieben und gefragt werden, ob ihre Daten verwendet werden dürfen“, berichtet Friedemann.

Er und seine Frau haben eine Datsche in der Kleingartenanlage Ideal III am Teltowkanal, nicht weit von ihrer Wohnung in der Gropiusstadt entfernt. Und auch dort engagieren sie sich.

Fein säuberlich hat er auf seinem Laptop die Schreiben formuliert, geordnet und schließlich ausgedruckt, um sie an die entsprechenden Behörden zu verschicken. Mit Verwaltungsabläufen kennt er sich aus. Während seine Frau acht Jahre in der Registratur bei AEG am Hohenzollerndamm gearbeitet hat, bevor sie die Kinder großzog, war er als Verwaltungsbeamter im Kreuzberger Rathaus an der Yorckstraße tätig. Als Amtsrat in verschiedenen Abteilungen, darunter auch im Sozial- und im Gesundheitsamt.

Noch heute wird er deshalb von Nachbarn gebeten, bei Problemen Schriftsätze aufzusetzen. Das macht er gern. Und das hat er bereits in jungen Jahren begonnen, was ihm sehr früh nicht nur die Aufmerksamkeit seiner Frau bescherte, sondern sogar die des damaligen Kreuzberger Bürgermeisters Willy Kressmann (SPD). Dem hatte Lothar Friedemann nämlich 1952 im Alter von 14 Jahren – er leitete damals die Schülermitverwaltung – geschrieben, dass die Fenster in der Schule mal geputzt werden müssten. Als der Bürgermeister daraufhin die Schule besuchte, sich nicht nur die Fenster, sondern auch gleich den Jungen ansah, der ihm diesen Brief geschrieben hatte, war der Rektor nicht gerade begeistert. „Aber die Fenster wurden geputzt“, berichtet Friedemann.

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