Kulinarischer Adventskalender

Baisertorte Pavlova: Frische Früchte in der Adventszeit

In Australien wird es heiß an Heiligabend – darum ist ein kühler Traum wie die Pavlova perfekt.

Genau das Richtige für eine weihnachtliche Feier bei 35 Grad im australischen Sommer: Die Pavlova ist eine Baisertorte, verziert mit Sahne, Minze und Früchten wie Blaubeeren, Kiwi oder Himbeeren.

Genau das Richtige für eine weihnachtliche Feier bei 35 Grad im australischen Sommer: Die Pavlova ist eine Baisertorte, verziert mit Sahne, Minze und Früchten wie Blaubeeren, Kiwi oder Himbeeren.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Wenn Katie James an Weihnachten denkt, dann an eine Baisertorte mit Sahne und frischen Früchten. „Eine Pavlova ist genau das Richtige für eine Feier im Garten bei 30 bis 35 Grad im Schatten, sie ist frisch und leicht“, sagt die 31-Jährige. Auf der anderen Seite der Erdhalbkugel beginnt ja jetzt der Sommer. Weihnachten in Bikini und Badehose sind bei den Westaustraliern das, was bei uns die Festtage mit regenfesten oder im besseren Fall schneeresistenten Boots und warmer Jacke sind.

Katie James kommt aus Perth, der Hauptstadt des Bundesstaates West Australia am Indischen Ozean. Jahreszeitenbedingt wird dort das weihnachtliche Kontrastprogramm zelebriert: „Barbecue, Lunch mit frischen Garnelen und Salaten am Strand, Baden im Pool oder im Meer “, gibt sie nur einen kleinen Einblick in den „Way of Life“ in Down Under. In der Adventszeit sind auch Weihnachtsmänner und Weihnachtsengel in kurzen Kleidchen unterwegs, allerdings vornehmlich in den runtergekühlten Einkaufszentren.

Mit ihrem Freund Florian „Flo“ Tränkner betreibt die gebürtige Australierin in Neukölln ein kleines Café. Der Name „The Future Breakfast“ ist Programm. „Ich habe in meiner Heimat die Kaffeekultur kennengelernt. In Australien geht man am Wochenende auswärts mit Freunden frühstücken“, erzählt sie. Wenn auch das deutsche Frühstück von anderen Nationen als üppig betrachtet wird, die australische Frühstückskultur kann mithalten. Eggs Benedict, Käsetoast in der Variante mit hausgemachtem Kimchi und pochiertem Ei, Granola mit Rhabarber-Kompott und cremigem Quark oder veganem Kokosnuss-Joghurt sind gehaltvolle Mahlzeiten.

Lehrerin oder Arbeit an der Uni? Dann lieber Foodtruck

Seit acht Jahren ist Katie James in Berlin. „Ich bin wegen des Studiums gekommen, habe an der Freien Universität Geschichte und Deutsch studiert und bin einfach geblieben, auch der Liebe wegen“, gibt sie private Einblicke. Es hätte auf einen Job als Lehrerin oder eine Karriere an der Uni hinauslaufen können. Doch dazu hatte sie ebenso wenig Lust wie der in der Nähe von Frankfurt am Main geborene Theologiestudent Flo Tränkner. Katie James hat nebenbei in Cafés als Barista gearbeitet, und irgendwann war sie da, die Idee, sich im boomenden Foodmarkt in Berlin selbstständig zu machen.

Für den Schritt in die Gastronomie gab es einen weiteren sympathischen Grund, den sie frei von der Leber weg verrät. „Flo hat eine Vorliebe fürs Katerfrühstück“, so Katie James. Das herzhafte Frühstück harmoniert wunderbar mit der opulenten australischen Frühstückskultur am Wochenende .

„Foodtruck, Catering, Streetfoodmärkte, wir haben vieles ausprobiert, hatten aber wenig Ahnung vom Geschäft“, berichtet sie in einwandfreiem Deutsch. Das rollende Equipment wurde verkauft, und im April letzten Jahres öffneten sie die Tür ihres Frühstückcafés am Böhmischen Platz. „Mir hat auch in Berlin ein solches Café gefehlt“, gesteht sie. In ihrer ersten Zeit in der deutschen Hauptstadt war sie mit dem hiesigen Kaffeeangebot nicht zufrieden. Das habe sich aber generell großartig entwickelt.

Seit der Eröffnung des „The Future Breakfast“ haben die beiden Betreiber ihr Konzept weiterentwickelt. „Es gibt keine Wurst mehr und auch, wegen ihrer schlechten Umweltbilanz, keine Avocados. Obwohl Avocadotoast mit pochiertem Ei in Australien ein Muss ist. Wir arbeiten inzwischen verstärkt mit regionalen Produkten“, erzählt Katie James.

Wie Weihnachten in Australien abläuft

Und wie läuft nun Weihnachten in Australien ab? „Im Gegensatz zu Deutschland bekommen wir unsere unter den Weihnachtsbaum gelegten Geschenke am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages. Weil man es als Kind natürlich nicht abwarten kann, bis man endlich ins Wohnzimmer darf, haben unsere Eltern meiner Schwester, meinem Bruder und mir schon einmal eine Art Nikolausstiefel mit Kleinigkeiten ans Bett gestellt“, erzählt Katie James.

Durch familiäre Verbindungen nach England sei das Weihnachtsessen auch vom Königreich beeinflusst gewesen, erinnert sie sich. Zwar gab es keinen Truthahn, allerdings hätte niemals die traditionelle Gravy-Sauce gefehlt. Nur eben zu Meeresfrüchten und Steaks vom Grill. Auch die Tradition des englischen Weihnachtskuchens mit Aprikosen-Gelee und Marzipanmantel sei gepflegt worden. Allerdings, sagt Katie James, sei ihre Mutter die Einzige gewesen, die ihn gemocht hätte. Anders bei der Pavlova, die fand weit mehr Fans bei den James’.

Das deutsche Weihnachten findet bei der Wahl-Berlinerin großen Anklang. Die typischen Weihnachtsgewürze und vor allem Lebkuchen begeistern sie Jahr für Jahr. „Auf den hiesigen Weihnachtsmärkten habe ich Glühwein kennengelernt. Ein tolles Getränk, für das es in Perth viel zu heiß wäre“, verrät sie. Auch die dunkle Jahreszeit in Berlin findet Gefallen. „Das sorgt im Advent für eine ganz besondere Stimmung, und überall funkeln Lichter“, ist die Café-Inhaberin immer noch fasziniert.

Allerdings, so Katie James, verstehe sie inzwischen auch, dass hierzulande Streitigkeiten während der Feiertage arg zunehmen können. Das Leben spielt sich drinnen ab, viele Menschen auf kleinem Raum – da seien Schwierigkeiten vorprogrammiert. Durch den Platz in ihrer Heimat sei Weihnachten ein äußerst entspanntes Fest.

„Dieses Jahr besuchen Flo und ich meine Tanten in Südengland. Sie leben auf dem Land, haben Pferde, und es wird mit Sicherheit ein entspanntes Fest, inklusive Pub-Besuch, wie es in England üblich ist“, freut sich Katie James. Ihr schönster Adventsmoment in Berlin ist der Besuch des Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkts. Vom Weihnachtsmann würde sie sich denn auch wünschen, dass der karitative Markt nicht nur an einem Wochenende, sondern an zwei Wochenenden stattfinden würde.

„The Future Breakfast“, Böhmische Str. 46, Neukölln, Mo, Di, Do., Fr. 8.30–18 Uhr (Küche bis 15 Uhr), Sbd.+So. 9.30–18 Uhr (Küche bis 17 Uhr), 23.–28.12. geschlossen, Tel. 0176 80 54 56 67, thefuturebreakfast.com

Klassische australische Pavlova - das Rezept

Rezept für acht Personen, Zubereitungszeit: ca. 20 Min., Vorbereitung, 60–75 Min.

Zutaten:

– 6 Eiweiß (Raumtemperatur)
– 300 g weißer Zucker
– 1/2 TL Salz
– 3 TL Maisstärke
– 1 TL Weißweinessig
– 1 TL Vanilleessenz
– 250 ml Schlagsahne
– Passionsfrucht, Kiwi, Blaubeeren, Erdbeeren oder regionale Früchte

Den Ofen auf 150 Grad vorheizen. In einer großen Schüssel das Eiweiß und Salz steif schlagen bis sich kleine Spitzen formieren. Den Zucker langsam einrieseln lassen und unterrühren. Eiweiß in 50-Gramm-Schritten hinzugeben und je eine Minute unterschlagen (Masse darf nicht mehr körnig, sondern muss glatt und glänzend sein).

Maisstärke, Essig und Vanilleessenz in einer kleinen Schüssel vermengen. Zur Eiweißmasse geben und schlagen, bis alles gerade beginnt, sich zu verbinden.

Aus Backpapier einen Kreis schneiden (Durchmesser ca. 25 cm).

Die Meringue-Mixtur in den Kreis setzen, dabei einen Rand von etwa 2 cm lassen. Mit einem Spachtel den Meringue von unten bis oben in geraden Linien ziehen, damit es akkurat und hübsch aussieht.

Den vorgeheizten Ofen auf 120 Grad herunterstufen. Die Pavlova 60– 75 Min. backen, bis er leicht braun und trocken geworden ist (am besten lässt man die Pavlova im Ofen und öffnet nur ganz kurz zum Testen die Ofentür).

Den Ofen ausmachen und die Pavlova drei Stunden im Ofen lassen, bis sie abgekühlt ist (so vermeidet man am besten, dass die Pavlova Risse bildet).

Kurz vor dem Servieren die Sahne steifschlagen und die Pavlova dann mit Sahne und Obst dekorativ bedecken.