Adventskalender

Süßes aus Portugal: Einfach, lecker und voller Erinnerungen

Im ältesten portugiesischen Restaurant Berlins in Friedenau kocht Carlos Lopes „Doce da Avo“.

Im Restaurant „Carlos Caravela“ in Friedenau gibt es „Doce da Avo“.

Im Restaurant „Carlos Caravela“ in Friedenau gibt es „Doce da Avo“.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Bereits um ein Uhr mittags kümmert sich Senhor Carlos Lopes in seiner Küche um die Vorbereitungen für das Abendgeschäft. Nebenbei bereitet er die Advents-Süßspeise „Doce da Avo“ zu. Die Ausstattung des Lokals „Carlos Caravela“, das 50 Sitzplätze hat, wirkt angenehm improvisiert. Nicht das innenarchitektonische Designkonzept überwiegt. Stattdessen empfängt ein vermutlich während kurzer Ferienzeiten in Familienheimarbeit erstelltes Ambiente mit vielen portugiesischen Accessoires die Gäste. Dazu gehören große, weiß-blaue Motive aus teils asymmetrisch angeordneten Wandkachel-Bildern, Fundsachen von Trödelmärkten und Flaschen von Portwein-Raritäten.

Auf jeden Fall besitzt das Lokal ebenso wie sein Besitzer und seine Ehefrau eine Menge Charme. Edles Mobiliar und strahlend weiße Tischdecken sorgen zudem für gehobene Gemütlichkeit. Im Sommer genießen Gäste eine erstaunlich ruhige und große Terrasse.

Im „Carlos Caravela“ in die Genusswelt Portugals

Ganz neu zur Innenausstattung zählt ein Reifeschrank für Fleisch. „Gereiftes, hochqualitatives Fleisch wird neben Fisch aus der Vitrine von den Gästen mehr und mehr geschätzt“, erklärt Lopes. Neben irischem und US-Beef reift er auch Fleisch vom Iberico- und Duroc-Schwein sowie Lammkarree. Carlos’ gastronomisches Konzept ist fast dasselbe wie vor rund einem Vierteljahrhundert: „Wir können unseren Gästen nicht das Meer und die Sonne Portugals bieten, aber unsere mit größtenteils originalen Zutaten zubereiteten Speisen entführen sie für einige Stunden in die Genusswelt meines Heimatlandes“, sagt der in Lissabon geborene Koch.

Beim Abendbesuch bietet Carlos zu gutem, selbstgebackenem Brot zum Einstimmen portugiesische Tapas. Etwa süß-sauren Möhrensalat nach Algarve-Art, Baby-Tintenfisch in scharfer Soße, Kaninchen in Rotweinsud und Garnelen in pikanter Knoblauchsauce. Ein Genuss ist die mit Koriander verfeinerte Fischsuppe.

Überhaupt sind Fische und Meeresfrüchte die Passion von Carlos. Deren Zubereitung zählt in dieser Preisklasse zu den besten der Stadt. Je nach Gusto bestellt man köstlich gegrillte Sardinen oder eingelegte Sardellen. Die Publikumslieblinge Seeteufel und Dorade Royal sind mit den Beilagen Salzkartoffeln und mediterranem Gemüse reell kalkuliert. Auch Seezunge, Stockfisch oder Seeteufel, gebraten in einer pfeffrigen Soße, stehen auf der Karte, neben den wechselnden Angeboten. Dazu zählt, was Carlos beim Fischhändler in guter Qualität beim täglichen Einkauf findet.

Cataplana - Spezialitäten aus einem Kupfertopf

Eine portugiesische Spezialität, die mancher vielleicht aus dem Urlaub an der Algarve kennt, sind Gerichte aus dem deckelbedeckten Kupfertopf, der Cataplana. Etwa die Meer-Land-Kombination Carne de porco com ameijoas, Schweinefleisch mit Venusmuscheln. Eine weitere Spezialität des Hauses ist Bacalhau na Telha. Dabei wird der gedünstete Stockfisch mit Gemüse und Kartoffeln in einem lasierten Tonziegel serviert. Dazu passt ein leichter portugiesischer Weißwein wie der Mariana aus dem Alentejo oder weißer Lacrau aus dem Douro-Gebiet. Zu den beliebten Roten zählen der Esporao Reserva Tinto aus dem Alentejo und Calcos do Tanha.

Alle Teile des Kulinarischen Adventskalenders finden Sie hier

In der Riege der Nachtisch-Klassikern befinden sich Pudim Molotoff, ein süßer Eischnee mit Karamellsoße und Schokoladenmousse. Carlos Lopes liebt Süßspeisen, vielleicht auch, weil seine ersten Jahre sehr bitter waren. Er kommt aus armen Verhältnissen, bereits mit zehn Jahren musste er in einer Automobilfabrik arbeiten. Mit 16 Jahren machte er eine Ausbildung als Koch, mit 19 kam er nach West-Berlin, arbeitete als Kellner im Europa Center, später in der Küche eines Restaurants an der Marburger Straße. 1997 dann eröffnete er sein Lokal in Friedenau. Heute leben rund 15.000 Menschen aus Portugal in Berlin, rund zehn Prozent aller in Deutschland lebenden portugiesischen Einwanderer.

Kürbis-Fritten mit Zucker und Zimt oder „Bolo do Rei“

In der harten Kindheit waren die Süßigkeiten seiner Großmutter ein Trost. Besonders zur Weihnachtszeit verwöhnte ihn seine „Avo“ mit Leckereien. Dazu zählten „Filhoses de Abódora“, Kürbis-Fritten mit Zucker und Zimt, und „Arroz Doce“, Milchreis mit Zimt. Traditionell gelten „Bolo do Rei“ als traditionelles Weihnachtsgebäck, mit Trockenfrüchten, ähnlich dem Stollen. Bis vor Kurzem wurde darin eine Mandel oder Bohne versteckt. Aber nachdem sich mehrere Kinder und auch alte Menschen daran verschluckt hatten, wurde dieser Brauch offiziell untersagt.

Wohlhabende Familien in Portugal verzehren nach Aussage von Carlos bei den Adventstreffen bis zu 20 verschiedene Süßspeisen und Gebäcke, „jeder bringt etwas mit“. Auf dem Land seien „Serradura“ besonders beliebt, übersetzt Sägespäne. „Das waren Kekse mit Sahne und Kondensmilch, einfacher geht es kaum“, so Carlos Lopes. An dieser Kindheitserinnerung orientiert er sich bei seinem Adventsnachtisch „Doce do Avo“, Süßes von der Großmutter, schnell herzustellen aus einfachen und preiswerten Zutaten.

Mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern versucht er, in der Adventszeit kleine Momente des familiären Zusammensein zu erleben. „Aber das ist nicht leicht. Die Wochen vor Weihnachten zählen zu den umsatzstärksten im Jahr, da müssen meine Frau und ich außer am freien Sonntag täglich mindestens zwölf Stunden arbeiten“, berichtet Carlos Lopes. Am Heiligabend sowie am ersten und zweiten Feiertag bleibt das Lokal geschlossen. Diese Feiertage will er wie die meisten Berlinerinnen und Berliner im Kreise der Familie verbringen.

Rezept für „Doce do Avo“, Süßes von der Großmutter

Das Rezept ist für vier Personen

Zubereitungszeit: etwa 30 Minuten, drei Stunden Kühlung im Kühlschrank

Zutaten: 200 Milliliter Vollmilch

200 Milliliter Schlagsahne

150 Milliliter zehnprozentige Kondensmilch

2 Eier

3 Esslöffel Zucker

1 Teelöffel Speisestärke

15 Butterkekse, 3 davon zerbröselt

1 Tasse Kaffee

4 Glasschalen

nach Wunsch etwas Portwein oder Süßwein

Zubereitung: Eigelb von Eiweiß trennen, 200 Milliliter Kondensmilch mit den beiden Eigelben und der Speisestärke sowie 200 Milliliter Vollmilch mit dem Schneebesen gut verrühren. Auf dem Herd in einem mittelgroßen Topf langsam unter Rühren erhitzen, bis die Masse cremig wird. In Glasschalen füllen.

150 Milliliter Schlagsahne schlagen. Eiweiß mit einem Teelöffel Zucker steif mixen. Anschließend das Eiweiß mit einem Schneebesen vorsichtig unter die Sahne ziehen.

Kekse in einer flachen Schüssel mit dem kalten Kaffee übergießen. Je nach Geschmack Port oder Rum zugeben, ein bis zwei Minuten ziehen lassen.

Kekse auf den Pudding in die Glasschalen legen, mit Sahne-Eiweißmischung bedecken und mit zerbröselten Keksen bestreuen. Alternativ mit gehackten Mandeln bestreuen.

Nach etwa drei Stunden im Kühlschrank kann das „Doce do Avo“ serviert werden.

Carlos Caravela, Dickhardtstraße 27, Friedenau, Tel. 852 26 60, Mo.-Sbd. 17.30-24 Uhr.