Adventskalender

Eine Münze für Wohlstand, Gesundheit und Glück

Christmas Pudding gehört in England zu Weihnachten wie die Geschenke, die dort erst am 25. unter dem Baum liegen.

Das „English Trades“ in Berlin-Neukölln präsentiert einen Traditional Christmas Pudding.

Das „English Trades“ in Berlin-Neukölln präsentiert einen Traditional Christmas Pudding.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Die historischen Karussellpferdchen galoppieren am ersten Advent ins Schaufenster. Nicht früher. Weihnachten zur Weihnachtszeit, da sind sich John Masters und Ehefrau Nicole einig. Sonst wäre bei der Vorfreude, so der Betreiber des kleinen Shops „English Traders“ in Neukölln, weit vor dem Fest die Luft raus.

Allerdings muss der gebürtige Engländer eine Ausnahme machen. „Den Christmas Pudding setzt man traditionell am letzten Wochenende vor dem ersten Advent, dem Stir-up Sunday, an“, sagt der 58-Jährige über die Weihnachtssitten seines Heimatlandes. Zeigen dürfe man ihn danach eigentlich nicht. Denn der in einem Tuch gekochte und gedämpfte Pudding, der mehr einem Serviettenkloß denn einem deutschen Pudding ähnelt, muss bis Weihnachten ganz in Ruhe reifen, abgedeckt an einem kühlen Ort.

Der Christmas Pudding besteht aus 13 Zutaten - für Jesus und die zwölf Jünger

Der Ursprung des Puddings liegt im mittelalterlichen und römisch-katholischen England. Seine 13 Zutaten symbolisierten Jesus und seine zwölf Jünger. Bei der Zubereitung machte die ganze Familie mit. Jeder musste, immer schön der Reihe nach, rühren, von Osten nach Westen – in Gedenken an die Reisen der drei Weisen aus dem Morgenland. Diese Tradition hat sich bis heute gehalten, beim Rühren sollen sich insbesondere Kinder etwas wünschen.

Eine weitere Tradition: Im Teig wird eine Silbermünze versteckt. Wer sie findet, den erwarten im kommenden Jahr Wohlstand, Gesundheit und Glück. Eine versteckte und gefundene Goldmünze ist ein Zeichen für den Gang zum Traualtar. Johns und Nicoles Christmas Pudding gibt sich sehr verspielt und sehr segensreich. Sie haben ihn mit zahlreichen Münzen versehen, sodass er einem Igel ähnelt.

Der Christmas Pudding wird vor dem Servieren mit Brandy flambiert

Allerdings wird der äußere Geldsegen an Weihnachten verschwinden. Denn die dann auch durch den dunklen Zucker, Sirup und das lange Einkochen fast schwarz gewordene Süßspeise wird vor dem Servieren kopfüber aus der Form gestülpt, mit Brandy übergossen und flambiert. Erst dann wird sie am 25. Dezember bei Dunkelheit an den Tisch gebracht und mit Applaus begrüßt.

Tücher, genau genommen Geschirrhandtücher, in denen die britische Spezialität zubereitet werden kann, finden sich im vor fast genau fünf Jahren eröffneten „English Traders“ zur Genüge. „Bei uns gibt es Nützliches und Schönes. Wir achten auf Fairtrade, Nachhaltig- und Langlebigkeit. Bei uns findet sich nichts, das wir nicht selber ausprobiert haben“, sagen die Masters, die schon seit Jahren keine Lust mehr auf Plastik haben.

Den „Hangbird“ haben sie nur einmal verkauft

Angefangen, erinnert der aus Darlington in Nordengland stammende John Masters, hätten die beiden mit einem „Wäscheständer“ aus Buchenholz, der unter die Decke gehängt wird. Eine ungemein praktische Erfindung, platzsparend und ob der nach oben steigenden warmen Luft schnell trocknend. Allerdings, schmunzelt die gebürtige Spandauerin Nicole, hätten sie den in England äußerst beliebten „Hangbird“ nur einmal an einen Nachbarn verkauft.

So dienen die hängenden Wäscheständer in dem kleinen, aber reichlich bestückten Shop, als Befestigung für einen Teil der über 100 Geschirrhandtücher. Die textilen Kunstwerke stammen, auch wenn der Name des Ladens nur englische Waren vermuten lässt, aus England, Deutschland, Schweden und Neuseeland.

Das „English Traders“ ist praktisch weihnachtsfreie Zone

Weihnachtliches gibt es kaum. Bis auf wenige Dekostücke, neben den alten Holzpferdchen ein metallener Weihnachtsmann, ist der Laden sozusagen weihnachtsfreie Zone. Dafür finden sich jede Menge Präsente, die man am 24. Dezember abends oder, wenn man ein traditionelles britisches Weihnachten feiert, am 25. Dezember morgens unter dem Christbaum finden könnte. Und mit denen man auch Christmas Pudding zubereiten könnte: Holzlöffel, Edelstahl-Rührschüsseln, Handmixer, Messbecher, Emaille-Wasser-Krüge, Obstbürsten aus Holz, Orangenschalenschäler sowie Messer aus Frankreich und Deutschland.

„Stimmungsvoll sind Gläser mit Solarlampen, die nachhaltig und komplett recyclebar sind, die wir aus Soweto beziehen“, beschreibt Nicole Masters ein hübsches Weihnachtslicht. Selbstverständlich gäbe es, der Gärten und Park liebenden Heimat ihres Mannes verpflichtet, auch Gartenwerkzeuge aus England, wie etwa Gartenkrallen. Auch wenn bei der Zubereitung des Christmas Puddings keine unangenehmen Küchengerüche entstehen, könnte man für einen solchen Fall vorsorgen. Mit „Brennpapier“, das es, so John Masters, schon seit 1885 gibt.

Am ersten Weihnachtsfeiertag gibt es mittags Truthahn

Wenn sich Masters, der seit 2008 an der Spree lebt, an seine Kindheit im nordostenglischen Darlington erinnert, fallen ihm die Christmas Carols-Sängertruppen ein, die von Stadt zu Stadt zogen und Weihnachtslieder sangen. „In unserer Familie wurde der Weihnachtsbaum zusammen geschmückt. Traditionell gab es am ersten Weihnachtsfeiertag mittags Truthahn mit gerösteten Kartoffeln. Auch ,Pigs in a blanket‘, Würstchen im Schlafrock, standen auf dem Tisch“, so der Engländer.

Das gäbe es heute beim Berliner Weihnachten nicht mehr. „Statt Truthahn kann man ein wunderbares vegetarisches Weihnachtsessen zubereiten. Zu den Röstkartoffeln und der Gravy-Sauce gibt es einen köstlichen Nussbraten. Er ähnelt ein wenig dem Christmas Pudding, wird aber mit Nüssen und Gemüse zubereitet“, erklärt Ehefrau Nicole.

„Aus England kannte ich keine Weihnachtsmärkte“

John Masters fand es bei seinem ersten deutschen Weihnachten vor elf Jahren „komisch“, dass die Geschenke bereits am 24. Dezember überreicht würden. Inzwischen wird deutsch und englisch gefeiert. „Am Heiligabend bei meinen Eltern in Spandau und am ersten Weihnachtstag bei uns zu Hause. Dazu laden wir auch Freunde ein“, so Nicole Masters

„Aus England kannte ich keine Weihnachtsmärkte, inzwischen ist diese deutsche Tradition aber auch über den Kanal geschwappt“, sagt John Masters und fügt schmunzelnd hinzu, Glühwein und 1-Meter-Bratwurst inklusive. Eine lustige Sitte hat er inzwischen in Berlin eingeführt. „Wir sitzen an Weihnachten alle um einen großen Tisch. Jeder bekommt ein Knallbonbon, wie man es hierzulande an Silvester öffnet. In unseren Weihnachts-Knallbonbons befinden sich kleine Papierkronen, die dann jeder am Tisch aufsetzen muss“, erzählt er.

„English Traders“ hat am 24.12. bis 13 Uhr geöffnet

An Heiligabend haben die Masters ihr Geschäft bis 13 Uhr geöffnet. Dann kämen vor allem diejenigen, denen kurz vor dem Fest noch Geschenke fehlen. Ein Kunde etwa habe sich, sagt Masters, mit seiner Freundin versprochen, nichts zu schenken, dann jedoch entdeckt, dass sie etwas besorgt hätte. Dafür halte man den Laden sehr gerne geöffnet.

Nach Weihnachten werden die Pferdchen und der Weihnachtsmann für die nächsten elf Monate wieder in den Urlaub geschickt. Dann steht ein ernstes Thema an, der Brexit. John Masters: „Wir haben viele Lieferanten aus England. Das wird viel Papierkram, so wie wir es von unseren Lieferanten aus Neuseeland kennen.“ Die Wünsche an den Weihnachtsmann sind auch global: Mehr Umweltschutz und ein besseres Klimapaket – das wären großartige Geschenke, egal ob sie am Heiligabend oder ersten Weihnachtsfeiertag unter dem Baum liegen würden.

English Traders, Weisestr. 58, Neukölln, Mo.–Sbd. 12–19 Uhr, 24.12. 10–13 Uhr, Tel. 0177/684 23 11

Alles Teile des Kulinarischen Adventskalenders finden Sie hier.

Christmas Pudding - Rezept für zehn bis zwölf Personen

Zubereitungszeit: ca. 80 Minuten

Zutaten:

110 g Rindernierenfett

25 g fein gehacktes Orangeat

25 g Mandeln

1 kleiner entkernter Apfel

Abrieb von ½ Orange und ½ Zitrone

2 EL Rum

75 ml Schnaps

75 ml Schwarzbier

2 große Eier

50 g gesiebtes Mehl mit etwas Backpulver und Salz

110 g Semmelbrösel

1 TL Gewürzmix aus Koriander, Ingwer, Nelken, Piment

¼ TL frisch geriebene Muskatnuss

1 Prise Zimt

225 g Soft Dark Brown Sugar (fertig)

110 g Sultaninen

110 g Rosinen

275 g Johannisbeeren

Brandy oder Rum zum Übergießen


Zubereitung: Rindernierenfett von Sehnen und Häuten befreien. Durch den Fleischwolf drehen. Mit Mehl verreiben. Soft Dark Brown Sugar und Semmelbrösel mit Orangeat, Sultaninen, Rosinen, Johannisbeeren, Mandeln, Gewürzen, Orangen- und Zitronenschalenabrieb vermengen. Apfel schälen und raspeln, Schnaps zugeben. Eier mit Rum, Schnaps und Schwarzbier verquirlen und gut mit der Mehl-Fett-Masse vermengen. Die Masse in eine gefettete Puddingform geben. 3–4 Std. ins Wasserbad. Den fertigen Pudding abgedeckt bis zum 25. Dezember kühl und dunkel ruhen lassen.


Anrichten: Aus der Form stürzen, mit leicht angewärmtem Rum oder Brandy übergießen, anzünden und flambiert servieren. Dazu kann man eine Soße aus schaumig gerührter Butter(250 g) mit Puderzucker (150 g), Weinbrand (1 dl) und etwas Zitronensaft servieren.