Adventskalender

Süß und saftig - Julekake aus Norwegen

Kenneth Gjerrud vom Restaurant "Munch‘s Hus" verrät das Rezept des norwegischen Julekake. Den gibt es auch bei Gjerrud zu Hause.

„Munch’s Hus“ in Schöneberg – das nach eigenen Angaben erste und einzige Norwegische Restaurant in Deutschland – präsentiert für den Adventskalender der Berliner Morgenpost Julekake.

„Munch’s Hus“ in Schöneberg – das nach eigenen Angaben erste und einzige Norwegische Restaurant in Deutschland – präsentiert für den Adventskalender der Berliner Morgenpost Julekake.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. In seiner Geburtstadt Åsårdstrand etwa 60 Kilometer südlich von Oslo ist es im Dezember rund 18 Stunden am Tag dunkel. „Da hilft nur eins: Kaffeetrinken, viel Kaffeetrinken. Die Skandinavier sind nicht ohne Grund Weltmeister im Kaffeetrinken“, erzählt Kenneth Gjerrud in seinem gemütlichen Restaurant. Gelb gestrichene Wände mit Repliken des Malers Edvard Munch, Möbel aus Holz und Tischdecken aus Stoff bestimmen das Ambiente des Lokals. Der Chefkoch und Besitzer des „Munch‘s Hus“ am Schöneberger Dennewitzplatz kocht unter der Woche auch für die Nordischen Botschaften in Tiergarten. Sein Lokal hat er nach dem berühmtesten norwegischen Künstler benannt. Nicht ohne Grund, denn Gjerrud stammt aus dem Ort, in dem Edvard Munch viele Sommer in einer Künstlerkolonie verbrachte.

Seit 18 Jahren betreibt der Koch sein Restaurant mit nordischer Küche. Eine Leistung, der in der schnelllebigen Berliner Gastronomieszene Respekt gezollt werden darf. Zu den beliebten Gerichten gehörten Elch- und Fischgerichte. Klassiker sind Elchbraten mit karamellisierter norwegischer Ziegenkäse-Wacholdersauce auf Kartoffel-Petersilienwurzelpüree, dazu gibt es Esskastanien und Preiselbeeren. Mit tausenden Kilometern Küste und tief eingeschnittenen Fjorden zählt Norwegen zu den großen Fischnationen Europas. Von hier kommt nicht nur Zuchtlachs, sondern Delikatessen wie der vor den Lofoteninseln gefischte Skrei, jener Kabeljau, der zwischen Dezember und April gefischt wird.

Mindestens sieben Plätzchen auf den Gebäckteller

Die süße Abteilung ist auf der Speisekarte des „Munch‘s Hus“ mit fünf Desserts gut vertreten. Unter anderem mit „Tilsørte Bondepiler“, einem auf der Karte poetisch angekündigtem „verschleierten norwegischen Bauernmädchen“. Dem gibt Gjerrud kulinarische Gestalt in Form von Apfelstücken in Zimtsud mit karamellisierten Streuseln und Schlagsahne. Ansonsten spielen die süß-säuerlichen Moltebeeren eine führende Rolle bei den Nachspeisen. „Diese orange leuchtenden Sumpfbrombeeren beziehe ich direkt aus Norwegen, in Berlin bekommt man sie höchstens als Marmelade“, berichtet der Koch. Eine Creme aus Moltebeeren hätte auch gut zum Adventskuchen ,Julekake’ gepasst. Noch authentischer fand Kenneth Gjerrud dann aber den würzigen „Brunost“ zum Hefekuchen, eine mittelfester Molkenkäse aus Kuh-, Ziegen- oder Schafsmilch.

Zur Adventszeit stehen an vielen Plätzen in Städten und Dörfern in Norwegen geschmückte Weihnachtsbäume, die auch die Hoffnung auf Wachstum und Wohlstand symbolisieren sollen. Innerhalb der Familien, aber auch zwischen Freunden, finden laut Kenneth Gjerrud alljährlich und bis heute Wettbewerbe statt, wer die besten Gebäcke und Kuchen fabriziert. „Zum Kaffee müssen bei einer typisch norwegischen Familie mindestens sieben verschiedene Plätzchensorten, sie heißen bei uns Småkaker, auf dem Tisch stehen. Das ist die Tradition.“ So hat es seine Großmutter gehalten, seine Mutter, und so macht er es mit seiner Frau und den beiden Kindern. Bis Silvester dürfen die Plätzchen genascht werden. „Und wenn man jemanden besucht, dann bringt man seine besten Plätzchen mit“, so der Koch.

Zu seinem auch fern der Heimat produzierten Gebäckrepertoire zählen Macronalen, aufwändig hergestellte Hippen, deren Teig in speziellen norwegischen Waffeleisen hauchdünn gebacken und noch warm mit einem Kochlöffelstiel zu einem Hörnchen gerollt wird. „Die kann man dann gut noch mit Moltebeerencreme oder Schlagsahne füllen“, sagt Gjerrud. Man merkt, dass dieses Gebäck zu seinen Lieblingen gehört. Aber er gibt zu bedenken: „Die Herstellung macht wirklich viel Arbeit.“

Ähnlich ist das bei den beliebten „Pekekake“, Pfefferkuchen mit einem Teig aus Mehl, Ingwerpulver, Zimt, Nelke und Zuckerrübensirup. „Die sind wegen des klebenden Teigs nur sehr schwer auszustechen.“ Einmal sollte Gjerrud mit einem Team der Köche aus den Nordischen Botschaften den traditionell von Norwegen für das Brandenburger Tor gespendeten Tannenbaum mit 2000 dieser Pfefferkuchen verziehen. „Wir haben mehr als zwei Wochen gebraucht, bis alle gebacken waren“, erinnert er sich.

„Serinerkaker“ ist der norwegische Name für Vanillekipferl, bei denen als Nuance gehackte Mandeln in den Teig kommen. „Berliner Kranser“ hingegen sind Krapfen-, Pfannkuchen- oder Kreppel-ähnliche Brandteil-Bälle, die in einer Pfanne mit heißer Butter gebacken werden. „Auch sehr lecker mit Moltebeerenmarmelade“, meint Schleckermaul Gierrund. Weiteres norwegisches Adventsgebäck sind „Kokosmakroner“, die traditionell mit Zucker, geschlagenem Eiweiß und Kokosflocken hergestellt werden.

Beim „Sandkaker“-Gebäck wird mit Kardamom, Vanille oder Mandelsirup aromatisierter Teig in speziellen kleinen Zierformen gebacken, „auch Blaubeeren, gehackte Mandeln oder Preiselbeeren können in den Teig untergemengt werden“, so der Koch. Bei den „Brune Pinner“ erhält Mürbeteig seine braune Farbe durch Rübensirup, nach dem Backen werden sie mit Eigelb glasiert und mit Zucker und gehackten Mandeln verziert. Zum Gebäck trinkt man, wer hätte es gedacht, vorzugsweise Kaffee, Kinder und Jugendliche schätzen hausgemachte Limonade, „die Älteren trinken auch mal einen Grog, aber das ist bei den astronomischen Alkoholpreisen in Norwegen wirklich Luxus“, erklärt der Koch.

Den stollen-ähnlichen „Julekaker“ gibt es bereits ab Ende November, wenn in Norwegischen Restaurants zum „Julbord“ geladen wird, einem Weihnachtsbuffet, zu dem sich Familien, Freunde und Arbeitskollegen treffen. „Bis Weihnachten naschen wir von dem süßen, saftigen Hefekuchen“, erklärt Gjerrud.

Bülowstraße 66, Schöneberg, Tel. 21 01 40 86, täglich 12-23 Uhr, www.munchshus.de

Rezept Julekake

Zubereitungszeit:Teig 20 Minuten sowie eine Stunde Ruhezeit; Backzeit 30 Minuten.

Rezept für vier Personen:

  • 30 Gramm Zucker
  • 60 ml lauwarme Milch
  • eine Tasse Wasser
  • ein Teelöffel Trockenhefe
  • 25 Gramm Butter
  • zwei Kardamomkapseln
  • 160 Gramm Weizenmehl
  • eine Prise Salz
  • 50 Gramm gemischte, kandierte Früchte
  • ein Esslöffel (EL) Rosinen
  • ein Esslöffel Milch
  • ein Esslöffel Mandelstifte
  1. Für das norwegische Weihnachtsbrot ein EL des Zuckers in einer Rührschüssel mit 30 ml lauwarmem Wasser und der Milch mischen. Trockenhefe zugeben und zehn Minuten ruhen lassen. Den restlichen Zucker und die Butter unterrühren. Kardamom aus seinen Kapseln lösen und im Mörser fein mahlen, dann zusammen mit Mehl und Salz zur Mischung geben. Zu einem geschmeidigen, nicht klebrigen Teig verkneten. Ist der Teig noch zu feucht, noch mehr Mehl einrühren.
  2. Den Teig zu einem großen flachen Kreis ausrollen, kandierte Früchte darauf verteilen. Dann aufrollen und die Enden miteinander verbinden, um eine große Kugel daraus zu formen. Kneten, bis die Übergänge möglichst verschwunden sind. In eine eingefettete Schüssel legen und eine Stunde gehen lassen, bis sich die Größe ungefähr verdoppelt hat.
  3. Ofen auf 180 °C vorheizen. Nach der Ruhezeit den Teig noch mal ordentlich durchkneten, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen, mit der Milch einpinseln. Im Ofen etwa 30 Minuten backen. Wird das Weihnachtsbrot zu schnell braun, mit Alufolie abdecken und weiter backen, das verhindert eine weitere starke Bräunung. Julekake aus dem Ofen nehmen, abkühlen lassen und luftdicht verpacken, damit es nicht austrocknet. Tipp: Zu Julekake isst man in Norwegen Brunost (braunen Käse) und Butter.