Weihnachtsgeschenke

Die große Kunst des Schenkens – so machen Sie es richtig

| Lesedauer: 8 Minuten
Sarah Borufka und Patrick Goldstein
Beim Schenken kann man einige Fehler machen. mit diesen Tipps können Sie sie verhindern (Archiv)

Beim Schenken kann man einige Fehler machen. mit diesen Tipps können Sie sie verhindern (Archiv)

Foto: Ina Peek / imago/Ina Peek

Für jeden das passende Weihnachtgeschenk zu finden ist gar nicht so leicht. Mit diesen Tipps vermeiden sie die größten Fehler.

Fest der Liebe? Von wegen! Weihnachten ist eine einzige Gefahrenzone. Vor allem bei Geschenken ist Fingerspitzengefühl gefordert: Wer die Partnerin mit einer Antifaltencreme unter dem Christbaum unabsichtlich tief verletzt hat, der weiß, wie einsam das Weihnachtsfest sein kann. Mit diesen sieben Faustregeln aus der Sicht eines Mannes und einer Frau vermeiden Sie die ewige Klischeefalle.

1. No-go-Areas

Stereotype Männerpräsente sind Elek-trogeräte und Sachen, die warm halten. Frauen, die so schenken, halten Männer für Wesen, die in Höhlen frieren, dort aber Stromanschluss haben. Pullover, Mützen, mollige Daunenjacken mögen nützlich sein. Doch ein Mann, der unterm Christbaum feststellt, dass das Präsent den eigenen Geschmack verfehlt hat, blickt Jahren der Gängelung entgegen. Zukünftig wird er mit Sätzen leben müssen wie: „Zieh doch mal den schönen Sweater an, den ich dir zu Weihnachten geschenkt habe.“ Das Klischee ist unverwüstlich. Selbst bei „Herrlich“, einem Männerladen an der Kreuzberger Bergmannstraße, fragen Kundinnen die Geschäftsführerin Gundula Hoberg dieser Tage oft: „Haben Sie schöne Designersocken?“

Aus Frauensicht gilt das Gleiche: Kein Mensch möchte ein Klischee sein. Die Wahrscheinlichkeit, unterm Tannenbaum auf hochgezogene Augenbrauen zu treffen, erhöht sich drastisch, wenn man Frauen folgende Dinge schenkt: Küchenschürzen, Staubsauger, Kochzubehör, Standardparfüms, Sextoys, Rosafarbenes aller Art, Plüschtiere. Natürlich mag es Frauen geben, denen nichts so viel Freude bereitet wie das Gefühl, mit einem Dyson DCO5 die Wohnung amazonenartig von Staub zu befreien. Sie sind die Ausnahme.

2. Schenken ist Recherche

Geschenke müssen Treffer sein. Outdoor-Sneaker für den Handballer, ein iPod mit viel zu wenig Speicherplatz für die Musikauskennerin und selbst eine – Achtung: Klischee! – Bohrmaschine für den Heimwerker, deren Billigfabrikat verrät, wie wenig effektiv die Betondurchschlagskraft ist, sind schlampig ausgewählte Präsente. Denn der Schenkende sagt damit: „Ich weiß, du hast einen Fimmel für derlei Krempel, worauf genau es dabei ankommt, ist mir aber schnuppe.“

Dagegen handelte eine Bekannte vor einigen Jahren richtig: Bevor sie ihrem Liebsten eine Mandoline schenkte, rief sie dessen Freund an. Mich. Obwohl nicht unbedingt mein Fachgebiet, leistete ich gern in den einschlägigen Geschäften und Foren Vorarbeit, um der Freundin dann zwei, drei Empfehlungen liefern zu können. Wer gut schenken will, muss sich Gedanken machen. Das kostet Zeit, lohnt sich aber.

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3. Außen hui, innen hui

Ich gebe es gern zu: Es ist schon rührend, wenn man aus der Hand eines 1,84 Meter großen, erwachsenen Mannes ein Geschenk bekommt, das aussieht, als hätte es ein Grundschüler verpackt. Allerdings stellt sich auch schnell die Frage, ob derjenige vielleicht auch weitere motorische Defizite aufweist.

Was können Männer mit rechten Absichten und linken Händen tun? „Wir bieten einen kostenlosen Verpackungsservice mit hochwertigem Papier und Bändern aus Satin, für die, die es wirklich nicht können“, sagt Verkäuferin Violetta Pesch von der Charlottenburger Parfümerie Krause Junior. Einen solchen Service gibt es in vielen Berliner Geschäften. Oder Sie fragen im Bekanntenkreis nach Hilfe.

4. Nein heißt Nein

Je älter, vernünftiger und natürlich konsumkritischer sie werden, desto häufiger geloben sich Paare: „Dieses Jahr schenken wir uns mal nichts.“ Das funktioniert, wenn man etwa stattdessen zu zweit etwas Schönes unternimmt oder bei Familienfeiern sowieso im großen Stil andere beschenkt.

Was nicht funktioniert: Wenn einer beschließt, dem anderen trotzdem Präsente zu machen. Das mag lieb gemeint sein. Führt aber zur Riesenblamage. Im reichen Glanz des Tannenbaumes, am Fuße der Geschenkpapierberge von Verwandten und Freunden steht man dann nämlich als übler Knauser da. Auch wenn es ums verabredete Kostenlimit geht: Immer an Absprachen halten.

5. Schenk ein Stück von Dir

„Ach könnte ich nur ...“, denkt man oft. Besser kochen, das Fahrrad generalüberholen, 20 Handgriffe und Apps beherrschen, um das Arbeiten am PC zu optimieren. Dabei hat man genug Freunde, deren besondere Fertigkeiten man sich gern „copy und pasten“ würde. Und so geht es anderen natürlich auch. Da bekäme man zu Weihnachten durchaus gern in hübschem Umschlag einen Gutschein von seiner fränkischen Bekannten über einen Abend, an dem sie zeigt, wie man das heimische „Schäufele“ oder ihren regionalen Karpfen blau zubereitet. Alles spricht von Nachhaltigkeit – derlei Geschenke sind es wirklich.

Wer also etwas sehr Praktisches schenken möchte, das gleichzeitig sehr persönlich ist, der kann in sich gehen, überlegen, was er besonders gut kann, und die Schenkabsicht in einem Gutschein zum Ausdruck bringen. Das kommt garantiert gut an.

6. Klassiker, aber richtig

Zu verallgemeinern, was bei Männern ankommt, ist schwer. Geht man danach, was bei „Herrlich“ gut läuft, lässt sich zusammenfassen: Dinge, die den Eigenheiten von Männern dienen und ein bisschen Sehnsucht nach Ursprünglichem verraten. Chefin Gundula Hoberg nennt etwa Rasierpinsel, die selbst während des Trends zum Hipsterbart gefragt waren. Robuste Brotdosen für die Mittagspause und To-go-Becher aus Edelstahl verkauft sie – Geschenke, mit denen man nicht zimperlich sein muss, die sogar ein wenig Unachtsamkeit vertragen.

Was Männer wollen, sagt sie, sind zudem Kleinigkeiten, die das Kochvergnügen erhöhen. Etwa Messer jeder Größe, kräftige, nicht billige Soßen fürs Steak und ein Sonnenblumenöl, das dem Gericht eine rauchige Note verleiht – als käme es direkt vom Grill. Wer einer Frau eine Freude machen will, die er kaum kennt, hat viele Möglichkeiten. Eine beliebte Lösung ist immer noch Kosmetik. Aber was?

„Eine edle Wimperntusche in Schwarz ist der absolute Dauerbrenner, den man wirklich fast jeder Frau schenken kann“, sagt Kosmetik-Expertin Pesch. Es sei denn, sie schminkt sich nicht. Wenn Sie sich sicher sind, dass die Beschenkte gern Alkohol trinkt, kann ein feiner Gin die richtige Wahl sein. In Berlin gibt es in jedem Bezirk Spirituosenhändler, die ihre Kunden gern beraten. Im Zweifel sind diese etwas unpersönlicheren Geschenke bei einer nicht besonders vertrauten Person oft besser als solche, die knapp daneben treffen.

7. Gute Absicht reicht nicht

Gewiss: „Geschenktem Gaul ...“, und so weiter. Aber ohne undankbar sein zu wollen: Vermeintliche „Geschenke, die immer gehen“, sind für die Schenkende doch oft nur ein Weg, die Peinlichkeit zu umsteuern, mit leeren Händen zu erscheinen. Zudem gilt dabei meist die Regel: je einfallsloser, desto teurer.

Das bedeutet, dass man den Schrank vor lauter sündhaft teuren Champagnerflaschen nicht mehr anders nutzen kann oder im Bücherregal zig Ausgaben dieses Buches von 2009 stehen, das Tipps und Wissenswertes für Männer auflistete. Im Plattenschrank finden sich dann Vinylversionen von Alben, die man laut Kritikerlisten jetzt einfach haben muss oder – noch schlimmer – neulich im Radio liefen. Letzteres ist schon wieder eine Kategorie für sich: Geschenke, die der Gebende eigentlich am liebsten für sich selbst gekauft hätte.

Dann gibt es da noch die Kategorie der „Selbstoptimierungsgeschenke“. Natürlich ist es gut gemeint, wenn ein Mann seiner Freundin, die wiederholt den Wunsch geäußert hat, mit dem Rauchen aufzuhören, eine E-Zigarette schenkt. Aber gerade zu Weihnachten möchte man nicht an die guten Vorsätze erinnert werden, die so kurz vor Silvester ohnehin wie ein Damoklesschwert über dem eigenen Haupt hängen. Bauchtrainer, Fitnessbänder, Waagen aller Art: Lassen Sie es einfach. Das Fest der Liebe ist eines, an dem man sich geliebt fühlen möchte. So, wie man ist, mit Zigarette in der Hand oder ein paar Kilos zu viel. Diese Geschenke dürfen überhaupt nur verschenkt werden, wenn sie (mehrmals) explizit gefordert wurden. Und auch dann: Eher nicht.