Handwerkermangel

So verkürzt ein Berliner Start-up die Suche nach Handwerkern

Wer einen Handwerker braucht, muss wochenlang warten. Das Start-up Homebell will das mit Auftragvergabe über das Internet ändern.

Homebell-Gründer Felix Swoboda und Sascha Weiler, Handwerker, Handwerk

Homebell-Gründer Felix Swoboda und Sascha Weiler, Handwerker, Handwerk

Foto: lohse / BM

Zwölf Wochen müssen Berliner derzeit auf Maurer, Dachdecker oder Zimmerer warten, etwa zehn Wochen auf Maler, Klempner oder Fliesenleger. Nie zuvor ist nach Angaben der Berliner Handwerkskammer mehr Geduld bei der Suche nach einem Handwerker gefragt. In einem Großraumbüro im Bezirk Tempelhof sitzt Sascha Weiler und verspricht, die Handwerker-Wartezeiten drastisch zu reduzieren. Es sagt: „Im Schnitt warten die Kunden bei uns nur zwei bis drei Wochen.“

Weiler hat gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Felix Swoboda im Oktober 2015 Homebell gegründet. Die Berliner Online-Plattform bietet Renovierungsarbeiten an und vermittelt die Aufträge an Handwerksunternehmen. Deutschlandweit arbeitet das Start-up mit 360 Betrieben zusammen, ein Großteil davon in den Ballungsgebieten Berlin, Hamburg, München und dem Ruhrgebiet. Nach eigenen Angaben kann die Firma so bundesweit auf rund 3000 Handwerker zugreifen.

Statt Wochen soll die Angebotserstellung bei Homebell nur Minuten dauern

Homebell ist es gelungen, Preisgestaltung und Angebotserstellung zu automatisieren. „Nur dafür gehen für gewöhnlich schon mal vier oder fünf Wochen drauf. Bei uns geht das innerhalb von Minuten über die Internetseite oder das Telefon“, verspricht Sascha Weiler.

Homebell verschaffe den Betrieben mehr Freiräume. Bei den Unternehmen entfielen Auftragsakquise, das Erstellen von Kostenvoranschlägen und Rechnungen sowie die Kundenbetreuung, so der Gründer. „Wir sehen, dass die Produktivität bei den Handwerkern steigt, weil die Betriebe mehr Aufträge annehmen können“, erklärt Weiler.

Handwerker halten Kapazitäten für das Start-up frei

Mehr als 5500 Projekte hat Homebell seit der Unternehmensgründung bereits abgeschlossen. Das Kerngeschäft des Unternehmens findet in Deutschland und den Niederlanden statt. 87 Mitarbeiter sind in der Zentrale in Berlin tätig, 16 weitere in einem Büro in Neu-Delhi. In der Hauptstadt Indiens arbeiten Spezialisten an der Weiterentwicklung des Algorithmus, der die Preiskalkulation auf der Internetseite überhaupt erst möglich macht. Mit den Handwerksbetrieben arbeitet das Start-up auf Projektbasis zusammen.

Feste Verträge gibt es nicht. Viele Partnerfirmen würden aber 20 bis 30 Prozent ihrer Kapazitäten für Homebell-Aufträge frei halten, erklärt Gründer Weiler. Immer mehr Handwerksbetriebe hatten zuletzt Interesse an einer Zusammenarbeit mit Homebell. „Wir versuchen nicht die Handwerker im Preis zu drücken, sondern konzentrieren uns auf die Technologie, um die Prozesse in den Betrieben effektiver zu gestalten“, sagt der Geschäftsführer.

Das Geschäftsmodell lockt auch Investoren an: Erst im Januar sammelte Homebell rund elf Millionen Euro von Investoren an, darunter die zwei Versicherungen Axa und Helvetia Digital. Die Zusammenarbeit mit den Unternehmen könnte Homebell weitere Kunden bringen: Nach einem Rohrbruch etwa könnten die Versicherer ihre Klienten an Homebell vermitteln und so die Suche nach einem Handwerker verkürzen.

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