Brillen

Berliner Online-Optiker eröffnet neue Geschäfte

Viele Brillenträger schrecken vor Kauf der Sehhilfe im Internet zurück. Das Start-up Mister Spex passt seine Strategie an.

Mirko Caspar (li) und Dirk Graber, Geschäftsführer der Firma Mister Spex (Archivbild)

Mirko Caspar (li) und Dirk Graber, Geschäftsführer der Firma Mister Spex (Archivbild)

Foto: imago stock / imago stock&people

Berlin.  Der Berliner Internet-Optiker Mister Spex plant, in diesem Jahr vier neue Geschäfte in deutschen Innenstädten zu eröffnen. Perspektivisch sehe er sogar Potenzial für eine dreistellige Zahl von Filialen, sagte der Geschäftsführer des Unternehmens, Mirko Caspar, am Mittwoch in Berlin. Die stationären Geschäfte sollen das Wachstum des Online-Händlers weiter ankurbeln. Zwar haben seit der Gründung von Mister Spex mehr als drei Millionen Kunden Brillen oder Kontaktlinsen bei dem Internet-Händler gekauft, den Großteil des Umsatzes erzielt die Optikerbranche jedoch nach wie vor im stationären Geschäft.

Nach Angaben des Zentralverbandes der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) erzielten die rund 11.800 Unternehmen in dem Wirtschaftszweig im vergangenen Jahr einen Umsatz von 6,1 Milliarden Euro. Internet-Firmen wie Mister Spex, Brille24 oder eye­glass24 hatten an den Erlösen einen Anteil von 261 Millionen Euro. Deutschlandweit tragen etwa 45 Millionen Menschen eine Sehhilfe. "Die Verbraucher sind nach wie vor sehr zurückhaltend, wenn es um den Kauf einer Brille im Internet geht", sagte ZVA-Präsident Thomas Truckenbrod der Berliner Morgenpost. Der reine Online-Handel werde es auch künftig schwer haben, seinen Marktanteil auszubauen, prophezeite Truckenbrod.

Das Unternehmen sammelte 32 Millionen Euro ein

Mister Spex, schon heute Europas größter Online-Optiker, sieht das naturgemäß anders: Rund 100 Millionen Euro Umsatz erzielte das Unternehmen im vergangenen Jahr. 450 Mitarbeiter sind derzeit für die Firma tätig. In dem Logistikzentrum im Berliner Westen lagern rund 200.000 Brillen. Bis zu 15.000 Pakete verschickt Mister Spex jeden Tag. Jeder dritte Deutsche ziehe den Online-Kauf bereits heute dem stationären Handel vor, erklärte Mister-Spex-Gründer Dirk Graber. Technisch habe sich sein Unternehmen in den vergangenen Jahren immer weiter entwickelt. Mittlerweile gebe es sogar eine 3-D-Anprobe. Dennoch hat der Online-Brillenkauf Grenzen: Einen Sehtest, den viele Kunden vor dem Kauf einer Sehhilfe absolvieren müssen, kann Mister Spex derzeit noch nicht anbieten. Unterschiedliche Hersteller arbeiteten zwar an der Technik, die allerdings noch nicht ausgereift sei, so Graber.

Investoren glauben dennoch an Mister Spex. Die letzte Finanzierungsrunde vor drei Jahren spülte gut 32 Millionen Euro in die Kassen des Unternehmens. Seitdem hält auch die US-Investmentbank Goldman Sachs Anteile an dem Internet-Optiker. Mister Spex ist derzeit in zehn europäischen Ländern aktiv. E-Commerce bleibe das Kerngeschäft. Mit den Filialen sei es aber möglich, Offline-Kunden in das Internet zu ziehen, sagte Gründer Graber. Zuletzt hatte Mister Spex im vergangenen Jahr in Steglitz ein Geschäft eröffnet.

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