Gefrorene Cocktails

Wie zwei Start-ups mit einer Schnapsidee Geld verdienen

Zwei Berliner Start-ups verkaufen gefrorene Cocktails. Einzelhändler und Gastronomie sind begeistert.

Die Drinks von SchleckDruff werden von Felix Riederer (l.) und Alexander Katz mit viel Aufwand produziert

Die Drinks von SchleckDruff werden von Felix Riederer (l.) und Alexander Katz mit viel Aufwand produziert

Foto: David Heerde

Schubweise purzeln fingerdicke Eisstäbe aus einem Rohrgewirr. Ein Angestellter in weißem Kittel steckt mehrere davon in eine 0,275-Liter-Glasflasche. Anschließend kommen erst Heidel- und Johannisbeeren in die Flasche, dann füllt ein Kollege sie mit der Cocktail-Mischung "Sex on the Beach" auf. Jetzt noch der Kronkorken drauf: Fertig ist die Getränkeneuheit aus Berlin – zumindest fast. Zuerst muss der Drink noch tiefgefroren werden. Nur so gibt es die Flaschen im Supermarkt zu kaufen.

Was das Start-up namens Kukki da in einer Lichterfelder Fabriketage produziert, ist eine echte Innovation in der Getränkeindustrie: Ein tiefgefrorener Drink mit Früchten, in dem dank besonders stark gepresstem Eis auch nach dem Auftauen noch Eiswürfel schwimmen. Mittlerweile fliegen Einzelhändler und Gastronomie auf die Fertig-Cocktails – obwohl zunächst niemand etwas von der Idee dreier junger Gründer wissen wollte.

"Am Anfang wurden wir ausgelacht", sagt Andreas Romanowski. "Jeder hat uns für bescheuert erklärt." Gemeinsam mit seinen beiden Mitgründern Josef Klemm und Saif Hamed wurde der 31-Jährige zunächst bei Großhändlern vorstellig. Die fanden die Idee verrückt. Sie gingen zu Cateringfirmen, die winkten ab. Doch die drei ließen sich nicht beirren, tüftelten weiter an ihrem Getränk und führten es auf Messen vor. "Erst wenn die Leute es vor sich sehen und trinken, verstehen sie die Idee", sagt Romanowski.

Jede Woche kommen neue Supermärkte hinzu

Seit vergangenem August verkaufen sie nun ihre gefrorenen Cocktails in fünf Sorten. Etwa als Moscow-Mule-Variante oder "Ladykiller". Irgendwann fanden erste Kneipen Gefallen an dem Tiefkühldrink. Dann auch Cateringfirmen. Seit Dezember 2016 liegen die Flaschen auch bei Edeka in den Kühltruhen. Mittlerweile in rund hundert Märkten. "Woche für Woche beliefern wir jetzt neue Supermärkte zwischen Holland und Polen", sagt Romanowski.

Dass sich die Idee irgendwann durchsetzen musste, davon war Josef Klemm schon vor vielen Jahren überzeugt. Als Jugendlicher mochte er kein Bier, mixte seine Cocktails daher selbst in Flaschen und gab Eis dazu. Mit 19 Jahren verkaufte er die Drinks so erstmals auf einer Party in seiner oberbayerischen Heimat. "Seitdem wusste ich, dass die Idee funktioniert", sagt er.

Der 33-Jährige ist der Kopf hinter den technischen Entwicklungen des Start-ups. Die Eismaschine aus ihrer Cocktail-Manufaktur hat er selbst ertüftelt. Die jedoch produziert längst nicht mehr genug Eisstäbe für den stark gestiegenen Bedarf, erklärt Kollege Saif Hamid: "Die Nachfrage ist wirklich riesig." Ganz neu ist deshalb eine teilautomatisierte Produktionsstraße – natürlich wieder von Klemm selbst gebaut. "Dann gibt es einen ganz anderen Ausstoß", sagt Hamid. Derzeit fülle Kukki 1500 Flaschen pro Tag ab. "Demnächst machen wir das stündlich."

Dank Infrarotstrahlern ist der Drink so in 30 Sekunden trinkfertig

Klemms Tüftlerdrang geht jedoch deutlich weiter. So fand er auch eine Lösung für eines der größten Probleme der Kukki-Drinks: Die Cocktails sind tiefgefroren, an schnelles Trinkvergnügen ist da eigentlich nicht zu denken. Zu Hause soll man die Flaschen drei Minuten in einem heißen Wasserbad auftauen lassen. Wie aber soll das bei einer Bestellung an der Bar funktionieren? Klemms Lösung: Ein Flaschentoaster. Dank Infrarotstrahlern ist der Drink so in 30 Sekunden trinkfertig.

Doch Kukki ist nicht das einzige Berliner Start-up, das mit Tiefkühldrinks durchstartet. Am anderen Ende der Stadt in Hohenschönhausen versuchen Alexander Katz (31) und Felix Riederer von Paar (28) das mit ihrer Marke SchleckDruff auf ihre Weise: gefrorene Longdrinks am Stiel.

Es war am 1. Mai 2013, als sie auf die Idee kamen. Sie saßen in der Sonne, in der Hand verwässerte Drinks. Warum nicht mal einen Gin Tonic oder Moscow Mule genüsslich schlecken können, fragten sich die beiden Gründer. "Es war eine wirkliche Schnapsidee", sagt Riederer von Paar. Doch eine mit nachhaltiger Wirkung. Dabei waren die ersten Versuche im heimischen Gefrierfach wenig erfolgreich. "Die größte Herausforderung ist, ein Eis mit elf Volumenprozent am Stiel zu halten", erklärt Alexander Katz. Ein Lebensmitteltechniker brachte sie schließlich auf die richtige Spur: Das Eis muss schockgefroren werden und einer genauen Rezeptur entsprechen.

Nach dieser produzieren sie seit 2014 ihr alkoholisches Eis. Zuerst die Longdrink-Klassiker Gin Tonic und Moscow Mule. "Das waren die Drinks, die wir selbst als Eis haben wollten", sagt Katz. Mittlerweile gibt es auch Mojito oder Mango Daiquiri, insgesamt bieten sie sechs Sorten an. Hergestellt wird alles in einem kleinen Raum. Von Hand füllt ein Mitarbeiter die von einem Zulieferer gemischten Cocktails in die Formen. Dann kommt das Blech mit je 50 Eis für eine Stunde bei minus 35 Grad Celsius in den Schockfroster. Anschließend wird es handverpackt.

Pro Tag schaffen sie so 2500 Stück – mit einigem Aufwand. In den ersten Jahren befüllten sie meist selbst die Eisformen mit den Cocktails. Wie bei ihrem ersten Auftrag im Juni 2014, als der Schockfroster erst am Tag vor der Veranstaltung eintraf. "Das war eine lange Nacht", sagt Riederer schmunzelnd. "Wenn Not am Mann ist, füllen wir aber immer noch selber mit ab."

Waren es vor zwei Jahren noch 30.000 Stück und im vergangenen Jahr schon 100.000 Einheiten, erwarten sie für 2017 eine Produktion von 250.000 Eis. "Was darüber hinausgeht, macht keinen Sinn, hier zu produzieren", sagt Katz. Dafür sei das Befüllen, Eis für Eis, zu aufwendig und teuer. Gespräche mit Eisherstellern laufen daher bereits.

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