Onlineplattform

Edition F bietet ein digitales Zuhause für alle Frauen

| Lesedauer: 6 Minuten
Paulina Czienskowski

Foto: Anikka Bauer

Edition F bietet online Hilfe zu vielen Themen. Die zwei Gründerinnen starten im Herbst bereits ihr neues Projekt.

Zeitungen und Magazine sind voll von Artikeln darüber. Sie fragen danach, ob man eigentlich wirklich da ist, wo man immer sein wollte. Es geht um Selbstoptimierung, Selbstverwirklichung. Work-Life-Balance, Chancengleichheit, Vereinbarkeit. Die Stellung der Frau in der Gesellschaft, die ja noch immer nicht auf derselben Stufe mit Männern ist. Alles Themen, die auch auf der Onlineplattform Edition F besprochen werden. Susann Hoffmann (34) und Nora-Vanessa Wohlert (32) haben diese vor etwa drei Jahren gegründet. Nachdem sie beide bei „Gründerszene“ gearbeitet hatten, wollten sie etwas Eigenes. Rasant hat sich ihr Start-up einen Namen als „Lifestyle-Business-Onlinemagazin“ für das andere Geschlecht gemacht.

Das Besondere: Es kommen „echte“ Frauen – vereinzelt auch Männer – zu Wort, die Leser also schreiben über „echte“ Themen des Lebens. Kinder, Liebe, Karriere, Scheitern. Immer direkt aus der Mitte heraus. Sie haben auch eine kuratierte Jobbörse auf ihrer Seite und veranstalten Webinare – 90-minütige Onlinevorträge, in denen Experten über berufliche und persönliche Ziele erzählen. Unter dem alles übergreifenden Motto „Man kann alles erreichen, was man will, wenn man nur will“.

Die „Female Future Force Academy“ soll im Herbst starten

Hoffmann und Wohlert machen es mit ihrem Unternehmergeist den Lesern wohl am besten vor. Ihr neues Projekt macht alles nun noch ernsthafter: Die „Female Future Force Academy“ soll im Herbst starten. Nach großen Worten klingt das. Und die geistern momentan überall durch die sozialen Medien – auf T-Shirts gedruckt, liest man sie auf der Brust von Leuten, die sich im Internet Influencer nennen. Menschliche Marketingflächen für den aktuellen Edition-F-Plan. Theoretisch ist der ein Ausbau der Webinare.

Die Idee: 52 Wochen lang kann man 52 Coaches aus unterschiedlichen Bereichen zu zwölf Themen in Videos sprechen hören. „Die ehemaligen Personalvorstände Heidi Stopper und Thomas Sattelberger, Blogger-Ikone Jessie Weiß oder Verhandlungsexperte Matthias Schranner könnten unsere Nutzer unter anderem durchs Jahr begleiten“, erklärt Hoffmann. Finanziert werden soll das durch Crowdfunding.

Um zu unterstützen, muss man sich entweder gleich die einjährige Mitgliedschaft für 99 Euro kaufen oder eines der T-Shirts mit dem Schriftzug. Trotz ihres bisherigen Erfolges haben sich Hoffmann und Wohlert zwischendrin verunsichert gefragt, ob ihre Idee überhaupt angenommen wird. „Kurz bevor wir mit unserer Kampagne online gegangen sind, wich unser Selbstbewusstsein der Panik.“ Nun haben sie in wenigen Tagen die Fundingschwelle von 100.000 Euro sogar überschritten. Bis zum Ziel, zur Million, ist es trotzdem noch weit.

Wenn man die beiden Frauen in ihrem Büro in Prenzlauer Berg besucht – Hoffmann ist gerade Mutter geworden, Wohlert hat eine 13-jährige Stieftochter – merkt man hinter ihrem unternehmerischen Geist immer noch einen ideellen Gedanken schlummern. Wohl weil sie alles immer ein bisschen auch für sich selbst machen. Sie sind junge Unternehmerinnen.

Dieses fast schon etwas ausgelutschte Wort „Empowerment“ gehört zu ihren grundlegenden Gedanken. Mit emotionaler Inbrunst haben sie sich des Ermutigens angenommen, wollen Frauen mit Ernsthaftigkeit aus allen Branchen, in allen Positionen und familiären Situationen unterstützen – zumindest in der Theorie.

Schlingern zwischen „work“ und „life“

Man könnte meinen, die Academy sei nun die digitale Institutionalisierung ihres eigenen Weges. Bis heute gibt es auch bei ihnen das Schlingern zwischen „work“ und „life“. „Ich selbst hätte mir in meinen Anfängen so etwas gewünscht“, sagt Wohlert. Experten, auf die man zurückgreifen kann, die einem Tipps zu Gehaltsverhandlungen, Kommunikation, Präsenz sagen, ihr Wissen weitergeben. Nicht jeder hat den direkten Zugang zu erfahrenen Menschen, Mentoren, nicht alle haben Vorbilder. Dass Hoffmann und Wohlert pro Woche etwa zehn Anfragen von Menschen bekommen, die sie treffen und fragen wollen, wie die Gründerinnen ihr Leben gestalten, wundert daher kaum. Zeitlich funktioniert das natürlich nicht. Eine Bestätigung für sie ist das trotzdem.

Das alles klingt sehr nach dem typischen „Neue Welt Zeitgeist“, dessen man manchmal fast überdrüssig wird. Nur zeigt eine gefühlte Überpräsenz am Ende ja, dass die Realität schlichtweg noch nicht so weit verändert ist, dass man darüber nicht mehr sprechen oder schreiben müsste. Im Fokus noch immer die Kerngedanken: Frauen müssen die gleichen Chancen haben wie Männer, sollten nicht so zögerlich sein, bitte noch selbstbewusster werden.

Männer aber sollen sich trotz des feministischen Schwerpunktes nicht automatisch ausgeschlossen fühlen. Es ist mehr das gegenseitige Verständnis, eine Akzeptanz, die gefordert ist. Jeder wie er kann, ohne sich zu verbiegen. „So müssen Frauen zum Beispiel nicht klischeebehaftete männliche Gesten annehmen und breitbeinig in Verhandlungen sitzen, um sich erfolgreich durchzusetzen“, sagt Hoffmann. Und auch Männer müssen sich nicht anpassen. Augenhöhe ist wichtig, und die jeweils persönlichen Eigenschaften als Vorteile zu sehen, nicht abschätzig zu betrachten.

„Wir wollen Impulse geben und zur Selbstreflexion ermuntern“

Das Praktische übrigens am Digitalen ist ja, dass man theoretisch zu allen durchdringen kann. Eine Nutzerin zum Beispiel habe ihnen geschrieben: „Dank Euch habe ich Zugang zu all den Persönlichkeiten und dem Wissen, obwohl ich ein Landei bin.“ Das demokratische Prinzip funktioniert. Nur: Betreffen die Themen tatsächlich alle, ungeachtet ihres Berufsfeldes, oder denken Hoffmann und Wohlert doch zu sehr in ihrem medienaffinen Kosmos inmitten einer Großstadt? „Wir wollen Impulse geben, zur Selbstreflexion ermuntern, für die man sich im Alltag nur selten Zeit nimmt – und das können Polizistinnen genauso wie Krankenschwestern oder eine Marketingchefin“, meint Wohlert.

Interessant ist für die Gründerinnen, wie sich ihre eigene Position verändert hat. Immerhin sind sie nicht nur Chefinnen eines mittlerweile über 20-köpfigen Teams. Sie sind auch Vorbilder geworden. „Das fühlt sich schon manchmal verrückt an, wenn Menschen auf den eigenen Rat wert legen“, sagt Wohlert. Vielleicht hören sie ja auch auf den, die „Female Future Force Academy“ zu besuchen.