Crowdfunding

Plattform "Table of Visions" erleichtert das Spendensammeln

Die Schwarmfinanzierungs-Experten helfen Unternehmen, Spenden zu sammeln. Sie kooperieren erfolgreich mit dem Sparkassen-Finanzportal.

Sie haben Table of Visions gegründet, David Heberling (l.) und David Holotzeck

Sie haben Table of Visions gegründet, David Heberling (l.) und David Holotzeck

Foto: Marion / Marion Hunger

Mehr als eine Million Euro für ein Krebsforschungsprojekt – das ist eines der höchsten Ergebnisse einer einzelnen Crowdfunding-Spendenkampagne, das es bis dato in Deutschland gegeben hat. Möglich machte diese Aktion das im April 2016 gestartete Berliner Unternehmen "Table of Visions", ein Spezialist für die Schwarmfinanzierung durch Unternehmen.

Die im April 2016 gestartete Spendenkampagne "Dein Immunsystem wird Deine Waffe gegen Krebs" hatte das Ziel, 999.999 Euro für ihre Forschung einzusammeln. Das Projekt mobilisierte insgesamt mehr als 2200 Unterstützer und hat knapp neun Monate später sein Spendenziel mit 1.004.495 Euro sogar noch übertroffen. Das gesammelte Geld diente als Anschubfinanzierung für ein Forschungsprojekt der Uniklinik Würzburg. "Table of Visions" kooperierte bei der Kampagne mit der in Berlin ansässigen Sparkassen-Finanzportal GmbH.

Hunderten Projektgründern geholfen

Angefangen hat alles mit einem Zufall. David Heberling und David Holetzeck brauchten nach dem Studium Startkapital für ein Video, das sie drehen wollten. Der Versuch, das Geld mithilfe der damals neuen amerikanischen Crowdfunding-Plattformen Kickstarter oder Indiegogo zu sammeln, scheiterte an seinerzeit geltenden regulatorischen Hürden. Die beiden Plattformen waren nur in den USA zugelassen.

Die Freunde machten aus der Not eine Tugend und gründeten eine eigene Crowdfunding-Plattform für kreative und soziale Projekte mit den Namen "Pling". Das war 2010 eine Sensation, die sich schnell herumsprach und auf großes Interesse stieß. Denn das gab es außerhalb den USA noch nicht. "Wir haben damit Hunderten Projektgründern geholfen", sagt Heberling. Als die beiden Gründer 2012 eine Verkaufsanfrage für ihr Crowdfunding-Start-up erhielten, wollten sie das erst gar nicht glauben. Doch schnell stellte sich heraus, dass der Interessent es ernst meinte. "Mit einem lachenden und einem weinenden Auge haben wir verkauft", sagt Heberling.

Der Erlös war das Startkapital für das neue Projekt "Table of Visions", das wie zuvor "Pling" ganz ohne Investorenkapital auskam. Heberling und Holetzeck lehnten fremdes Kapital ab, weil sie ihre unternehmerische Freiheit erhalten und nicht auf Vorgaben von Investoren Rücksicht nehmen wollten.

Neue Form der Schwarmfinanzierung

Inzwischen waren zahlreiche Unternehmen auf das Projekt der beiden Berliner aufmerksam geworden, die sich für Crowd­funding interessierten, darunter die Sparkassenverbände. Sie alle suchten nach Lösungen, um mithilfe des Internets das Spendensammeln zu optimieren, wie Holetzeck sagt. Die Gründer galten damals als gefragte Experten für die in Deutschland neue Form der Schwarmfinanzierung.

Die Kooperation des Start-ups mit Sparkassen klappt besonders gut, weil diese als kommunale Geldhäuser regelmäßig einen Teil ihres Ertrages an soziale oder karitative Einrichtungen spenden. Solche Gaben können nach dem Motto "Gutes Tun und drüber reden" vergrößert werden, indem man Kunden der Geldhäuser motiviert, die Projekte ebenfalls zu unterstützen. Dabei hilft die Crowdfunding-Plattform "Table of Visions". "Hier sieht man, wie gut das soziale Engagement der Sparkassen mit einer Spendenplattform zusammenpasst", erklärt Alexander Woletz vom Sparkassen-Finanzportal.

Anders als die meisten anderen Crowdfunding-Plattformen richten sich Heberling und Holetzeck nicht direkt an private Spender, sondern an Unternehmen wie vor allem Sparkassen und Banken, damit diese im eigenen Namen bei ihren Kunden auf Geldakquise für soziale und kulturelle Projekte gehen können. "Wir sind der gute Geist im Hintergrund", sagt Holetzeck.

Ein zweites Aktionsfeld des Berliner Start-ups ist ein Bereich, den David Holetzeck mit "Crowd Innovation" umschreibt. "Hier sind die Mitarbeiter eines Unternehmens die Crowd", sagt er. Früher nannte man so etwas "Betriebliches Vorschlagswesen". Solche Angebote seien bei den meisten Unternehmen ineffizient und intransparent. "Das sind oft Textwüsten, die dem Unternehmen nichts bringen." Mithilfe des Internets lasse sich dieses Ideenmanagement durchschaubarer machen.

Die beiden Berliner Gründer verstehen sich nicht als "Social Start-up", das ausschließlich humanitären Zwecken dient. Sie wollen auch selbst Geld verdienen. "Natürlich haben wir den Antrieb, Gutes zu tun und Prozesse zu demokratisieren", sagt Heberling. "Wir stellen unser Know-how zur Verfügung und erklären unseren Geschäftskunden, wie man so eine Plattform betreibt."

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