Gründerzeit

Momox erzielt Umsatzrekord mit gebrauchten Produkten

Momox meldete für 2016 einen Umsatz von 150 Millionen Euro. Damit ist das Unternehmen um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr gewachsen.

Die Onlineplattform Momox verkauft gebrauchte Medien

Die Onlineplattform Momox verkauft gebrauchte Medien

Foto: momox GmbH

Der Handel mit gebrauchten Waren ist eine Art DNA der Berliner Gründerszene, vielleicht sogar ein gefühltes Merkmal des Handels in dieser Stadt insgesamt. Dafür sprechen jedenfalls die zahllosen Flohmärkte, Trödel- und Antiquitätenhändler, wenngleich Daten für diese These nicht verfügbar sind. Eine neue Erfolgsgeschichte dieses Handelszweigs ist das Berliner Unternehmen Momox, das mit gebrauchten Medien (CD, Spiele, Bücher) und Mode handelt.

Blicken wir zurück: Ende der 90er-Jahre muss es gewesen sein, als die drei Brüder Alexander, Marc und Oliver Samwer über das Geldverdienen nachdachten. 1995 hatte der gebürtige Franzose Pierre Omidyar im kalifornischen San José ein Unternehmen namens eBay gegründet, auf dem Internetnutzer gebrauchte Waren versteigern konnten.

Samwer-Brüder erfanden den eBay-Klon

Die Samwers kopierten diese Idee, nannten sie "Alando" und brachten sie auf den deutschen Markt. Schon vier Monate nach der Gründung – im Sommer 1999 – verkauften sie ihren Klon an eBay. Der Verkauf machte sie reich und öffnete den Amerikanern den deutschen Markt. Der Erlös von angeblich 43 Millionen Dollar legte einen Grundstein für das Imperium der später unter der Marke "Rocket Internet" aktiven Unternehmensentwickler und Investoren.

Zwei Dekaden später hat sich das Bild gewandelt: Ebay versucht, sich als Marken-Marktplatz zwischen Amazon und Unternehmen der nächsten Generation wie Zalando zu behaupten. Für den Handel mit gebrauchten Waren haben sich neue Spezialisten gebildet: in Berlin vor allem Momox und ReBuy. Letztere haben sich auf den Handel mit gebrauchten Elektronikprodukten spezialisiert.

Umsatzrekord mit gebrauchten Büchern

Momox meldete jetzt für 2016 einen Umsatz von 150 Millionen Euro. Damit ist das Unternehmen um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Unternehmenschef Heiner Kroke führt diesen Effekt auf den Zuwachs auf internationalen Märkten zurück. Insbesondere in Frankreich habe das Unternehmen zugelegt, das länderspezifische Plattformen auch in Großbritannien und Österreich betreibt. Kroke denkt darüber nach, 2017 in ein weiteres Land zu expandieren.

Neu ist bei Momox auch das Fashion-Segment, das unter der Plattform-Marke ubup.com firmiert. Nach Krokes Worten steuert der Handel mit getragener Kleidung einen zweistelligen Anteil zum Gesamtumsatz bei. Vor allem in Frankreich sieht er Wachstumspotenziale. Momox bietet seine Ware nicht nur in den eigenen Onlineshops an, sondern auch bei den Plattformen Amazon und eBay.

Auch gebrauchte Elektronik findet Käufer

Ein ganz anderes Feld beackert das Unternehmen ReBuy: Die Berliner handeln vor allem mit gebrauchter Unterhaltungselektronik und haben damit nach eigenen Angaben im Jahr 2015 einen Betrag von 70 Millionen Euro umgesetzt. Still ist es dagegen um den Mitbewerber "WirKaufens" für Secondhand-Elektronik geworden – ebenso um Flohmarkt-Apps, die sich anscheinend neue Geschäftsfelder suchen, sei es die Produktsuche wie bei "Stuffle" oder der virtuelle Flohmarkt Shpock, den 2015 der Medienkonzern Schibsted übernahm, und der sich neben dem Verkauf dank seiner Reichweite zunehmend als Marketing-Plattform zu etablieren versucht.

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