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Lena Wenckebach packt Picknickkörbe fürs Tempelhofer Feld

„Ich schenke Menschen Zeit“, sagt Lena Wenckebach. Mit Kochkursen, Weinproben und Firmenevents weitet die Gründerin ihr Angebot aus.

Lena Wenckebach ist Gründerin und Geschäftsführerin von „Picnic Berlin“.

Lena Wenckebach ist Gründerin und Geschäftsführerin von „Picnic Berlin“.

Foto: Christian Kielmann

Berlin.  "Ich dachte immer, es wäre schön, wenn es auf dem Tempelhofer Feld eine Picknickfläche geben würde", sagt Lena Wenckebach. Vor zwei Jahren konnte sie diese Idee umsetzen: Die 35-Jährige erhielt den Zuschlag in der öffentlichen Ausschreibung, mit der das Land Berlin Konzepte für innovative Gastronomie auf dem ehemaligen Flughafengelände suchte.

Seitdem bestückt Lena Wenckebach Picknickkörbe mit Decken, Geschirr, Gläsern, Besteck, Brezeln, Mini-Buletten, Joghurt und Nüssen. Darüber hinaus können Kunden sich ihren Korb individuell zusammenstellen, sich etwa weitere Speisen, zusätzlich Spiele und eine Zeitung einpacken lassen und damit aufs Feld ziehen. Wenckebach legt Wert auf regionale Produkte, die sie von Berliner Food-Start-ups bezieht. Sie steht aber auch selbst in der Küche, bereitet Salate zu oder backt Kuchen.

Zahlreiche Ideen für weitere Geschäftszweige

Viel mehr Raum nimmt aber die Büroarbeit ein: Wenckebach bearbeitet Kundenanfragen, stellt und bezahlt Rechnungen, bereitet Events vor. Vor einem Jahr war sie noch jeden Tag selbst auf dem Feld, um ihren Kunden die gepackten Körbe zu überreichen. Heute übernehmen das meistens ihre Mitarbeiter. "So habe ich mehr Zeit, mein Geschäft weiter auszubauen," sagt sie. Wenckebach schätzt die freie Zeiteinteilung sehr, die ihre Selbstständigkeit mit sich bringt.

Die 35-Jährige hat Kommunikationswissenschaft und Publizistik an der Freien Universität (FU) Berlin studiert. Anschließend arbeitete sie als freie Mitarbeiterin bei einer Presseagentur und als Projektmanagerin in einer Marketingagentur. Das Wort "frei" sieht sie in diesem Zusammenhang kritisch.

Feste Arbeitszeiten, Anwesenheitspflicht – sie führte ein Leben wie viele andere in der Medien- und Kommunikationsbranche, die viel für ihr Unternehmen geben, ohne jedoch die Vorteile einer Festanstellung zu haben. "Da dachte ich mir, warum soll ich meine Fähigkeiten aus dem Studium, meine Leidenschaft fürs Kochen und für kulinarischen Genuss sowie mein Know-how im Projektmanagement nicht mal für mein eigenes Projekt bündeln?"

Picknicks auf dem Tempelhofer Feld nur im Sommer

Als Wenckebach eine Ruderregatta in England besuchte, wurde der Plan konkreter. "Ohne großes Equipment" sei sie dort hingegangen, erzählt sie. "Schlauere Frauen hatten jedoch ihr Picknick dabei, konnten die Regatta genießen, während ich unterwegs war, nach etwas Essbarem zu suchen." So wurde aus der Not eine Geschäftsidee, die laut Wenckebach immer mehr Freunde findet. "Picnic Berlin", wie sie ihr Geschäft getauft hat, ist nur in den wärmeren Monaten des Jahres aktiv. Der erzielte Gewinn muss Lena Wenckebach über die Wintermonate bringen.

Obwohl es mittlerweile mehrere Anbieter in der Picknickbranche gibt, fürchtet die Unternehmerin nicht um ihr Geschäft. Sie baue auf ihr Alleinstellungsmerkmal, sagt sie: Ihr Service ist individuell und mit Liebe zum Detail umgesetzt.

Selbst die Picknickkörbe sind keine Massenware, sondern Einzelstücke. Sie findet sie auf Flohmärkten oder beim Trödel, und auch das Geschirr ist gewollt zusammengewürfelt. Wenckebachs Eltern sind Filmausstatter und können so manches Unikat beisteuern.

Mittlerweile ist eine Gewerbeküche hinzugekommen, in der Lena Wenckebach das Essen zubereitet. Die Picknickkörbe bestücken ihre Mitarbeiter jedoch weiterhin am Tempelhofer Feld. "Kunden können jederzeit vorbeikommen", sagt sie. Das rot-weiß gestreifte Häuschen der Jungunternehmerin liegt am Eingang Oderstraße.

Gemeinschaftsprojekte finden in der Küche statt

Die Küche in der Bergmannstraße hat sie zusammen mit dem Start-up Emory's Cookies angemietet. In der geräumigen Souterrain-Wohnung gibt es zudem einen Bereich, in dem Events stattfinden: Kochkurse, Weinverkostungen oder Showkochen beispielsweise.

Dieses neue Projekt ist eine Investition in die Zukunft, sagt Lena Wenckebach. "Ich kann jetzt auch größer denken", erklärt sie. "Ich möchte zukünftig einen Lieferservice haben, der Picknickkörbe etwa für Segeltörns auf dem Wannsee ausfährt." Zudem hat sie hier Platz, Firmenevents vorzubereiten.

Die Küche nutzt sie auch zum Netzwerken. Diverse Food-Start-ups haben sich bei ihr eingemietet, sie backen Torten oder rösten Popcorn. Diese Produkte finden dann wieder den Weg in Lenas Picknickkörbe. "Das Mischkonzept im Bereich Feiern und Essen geht auf", sagt die Gründerin.

Eine zweite Niederlassung entsteht in Hamburg

Gerade ist sie dabei, "Picnic" auch in Hamburg bekannt zu machen. Dazu kooperiert sie mit einer kleinen Weinhandlung. Für ihre Picknickkörbe hat Wenckebach so stets einen weißen und roten Wein im Angebot sowie einen Crémant. Regelmäßig fährt sie in die Hansestadt, um Weine zu verkosten und einzukaufen.

Mitunter wundert es Lena Wenckebach, wie gut ihre Idee ankommt. Zwar konnte sie von ihren Marketingkenntnissen aus dem Studium und ihrer beruflichen Erfahrung in der Kommunikationsarbeit profitieren. Doch vor allem liege der Grund in der Zeitersparnis für ihre Kunden: "Wenn jemand ein Picknick vorbereitet mit Einkauf, Zubereitung der Speisen und Bestücken des Korbs, um diesen anschließend wieder zu entleeren und das Geschirr zu waschen, gehen mitunter sechs Stunden ins Land."

Diese Zeit schenke sie den Menschen. Zu ihren Kunden gehören Berghain-Raver genauso wie Familien und ältere Ehepaare. "Es ist ein schöner Job", sagt Lena Wenckebach. "Weil ich Menschen mit meiner Idee glücklich mache."

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