iPhone-App

Mit der App Mimi im Ohr Musik besser hören

Eine App macht das Handy zum Hörgerät und steigert den Klanggenuss - jetzt auch auf SoundCloud.

Machen das iPhone zum Hörgerät: das Mimi-Gründerteam

Machen das iPhone zum Hörgerät: das Mimi-Gründerteam

Foto: Mimi / BM

Sich eine Schwerhörigkeit einzugestehen, ist nicht leicht, sich mit Hörgeräten in der Öffentlichkeit zu zeigen, noch schwerer. Wer schlecht hört, gilt als alt. Und wer will das schon. Dabei hört jeder Fünfte über 14 Jahre nicht mehr hundertprozentig. Die neue Smartphone-App Mimi könnte die Hemmschwelle herabsetzen, sich den persönlichen Hörproblemen zu stellen. Denn Mimi macht nicht nur das iPhone zum Hörgerät, sondern sie verbessert auch deutlich den Musikgenuss.

Hörtest wie beim Akkustiker

Mimi besteht eigentlich aus zwei iPhone-Apps: die eine (Mimi Test) macht einen Hörtest, mit der anderen (Mimi Music) wird aufbereitete Musik wiedergegeben. Der Kurztest dauert nur fünf Minuten, liefert aber auch nur eine grobe Hörkurve. Der Langtest erfordert ungefähr zehn Minuten mehr Zeit. Dabei wird ein ausführliches Profil mit Höralter und Hörkapazität ermittelt. In einem Diagramm werden für Hörbereiche in Dezibel für verschiedene Frequenzbereiche angezeigt. Die Bedienung der Tests ist einfach. Die besten Ergebnisse werden mit iPhone-Ohrhörern und einem Referenzmodell von Sennheiser erzielt. Der Test funktioniert aber auch mit jedem anderen Kopfhörer.

Nach dem Hörtest leitet die Test-App zur Music-App weiter. Das Programm bereitet jetzt mit den Hörtestergebnissen das Musikstück auf. Der Nutzer wählt mit einem Drehregler auf dem Bildschirm den Grad der Mimification, das soll heißen der Klangverbesserung, zwischen null und hundert Prozent aus. Meist genügt ein Wert im Mittelfeld, weil sonst Nuancen des Musikstücks zu pointiert hervorgehoben werden. Aber das ist Geschmackssache, und der Idealwert dürfte auch vom Grad der Schwerhörigkeit abhängen.

Neu: Mimi verbessert SoundCloud

Mimi steckt noch in einer relativ frühen Entwicklungsstufe. Bis März 2016 war es nur möglich, das Hörerlebnis von auf dem Smartphone gespeicherten Musikstücken zu verbessern – sowie vom Umgebungssound, der mit dem iPhone-Mikrofon aufgezeichnet wird. Ein Update auf Version 2.2 ermöglicht nun, SoundCloud-Tracks verbessert wiederzugeben. Die Entwickler arbeiten daran, weitere gestreamte Inhalte zu mimifizieren, was den Nutzwert der App exorbitant steigern würde.

Insgesamt klingt Musik mit Mimi differenzierter und transparenter. Die Methode der Aufbereitung haben sich die Entwickler patentieren lassen. Wie es heißt, unterstützt der Algorithmus der App das Gehirn beim Erkennen von Musikkontrasten, indem sie der Musik natürliche Reize hinzufügt.

Charité als Forschungspartner

Die Berliner Charité begleitet die Entwicklung von Mimi im Rahmen eines vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekts. Dessen Ziel ist die Entwicklung innovativer Konzepte und Produkte für besseres Hören. „Leider werden Hörstörungen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ungewöhnlich stark vernachlässigt und nicht ernst genug genommen. Mögliche Therapien kommen oft zu spät“, wird Professor Manfred Gross, Direktor der Klinik für Audiologie, in einer Mitteilung zitiert. Er hofft, dass das Smartphone die Hemmschwelle herabsetzt, sich Hörproblemen zu stellen.

Denn das akzeptierte iPhone ersetzt zusammen mit der App Mimi das Hörgerät. Der Trend zu digital vernetzten Gegenständen (Wearables) könnte mit Anwendungen wie Mimi eine neue Evolutionsstufe erreichen. Der Knopf im Ohr erzeugt dann nicht nur individuell angepasste Töne. Er sammelt auch mehr Daten als jeder heutige Activity Tracker am Handgelenk. Vernetzte Hörassistenten (Hearables) werden dann die neuen Wearables (vernetzte am Körper getragene Computer) sein.

Startkapital von Christophe Maire

Gegründet von Nick Clark, der bereits mehrere Hörverbesserungs-Apps entwickelt hat, Philipp Skribanowitz und Pascal Werner hat Mimi Hearing Technologies mit Sitz in Berlin bereits 20 Mitarbeiter. Der Berliner Business Angel Christophe Maire hat in Mimi investiert. Im Jahr 2015 war Mimi mit inzwischen mehr als 100.000 Downloads die erfolgreichste Hörtest-App im App-Store – und mit mehr als 2000 Fünf-Sterne-Bewertungen auch eine der beliebtesten. Die App ist in 14 Sprachen verfügbar.

Mimi als Beispiel für die App-Economy

Der Smarthone-Hersteller Apple sieht Apps wie Mimi als Beispiel für die florierende App-Economy. „Seit dem Start des App Store im Jahr 2008 sind 1,2 Millionen Arbeitsplätze rund um iOS in Europa entstanden“, erklärt ein Apple-Sprecher. Entwickler in Europa hätten an App-Store-Verkäufen über 10,2 Milliarden Euro verdient. Inb Deutschland seien mehr als 472.000 Mitglieder im Apple-Entwicklerprogramm registriert.