Hochschulen

Speed-Dating mit Berliner Gründern

Das Gründernetzwerk der Hochschulen und Berlin Partner vernetzen Start-ups mit der Wirtschaft.

Feinkost aus Algen: Jutta Reinke, Cathleen Cordes und Eric Kallweit stellten ihr Start-up beim Demo Day in der Freien Universität vor

Feinkost aus Algen: Jutta Reinke, Cathleen Cordes und Eric Kallweit stellten ihr Start-up beim Demo Day in der Freien Universität vor

Foto: Jürgen Stüber / BM

Die gemahlenen Chlorella-Algen haben einen markanten Geruch. "Wie Hühnerfutter", erinnert sich einer der Gäste an seine Kindheit auf dem Land, nachdem er seine Nase in das Einweckglas mit dem grünen Pulver gehalten hat. Es ist der Rohstoff für ein Nahrungsmittel der Zukunft: 25 Prozent mehr Eiweiß als Soja, ein für Pflanzen ungewöhnlich hoher Gehalt an Vitamin B12, 74 Mal mehr Eisen als Spinat und eine günstige CO2-Bilanz.

Jutta Reinke, Cathleen Cordes und Eric Kallweit wollen aus der Alge ein Nahrungsmittel der Zukunft machen. Eines ihrer Hauptprobleme ist, den impertinenten Geruch der Alge zu neutralisieren. Sie sind eines von 28 Start-up-Teams, das sich im Henry Ford Bau der Freien Universität in Dahlem Investoren und Industriepartnern stellten. Das Gründernetzwerk B!gründet und die Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner hatten zum zweiten Mal zu dem Demo Day der Berliner Hochschul-Start-ups geladen.

Chlorella-Algen als Nahrungsmittel der Zukunft

Erste Erfolge können die drei Gründer von Evergreen Food bereits verbuchen: Seit einigen Tagen ist ihr chlorellaalgenhaltiges Öl im eigenen Onlineshop erhältlich. Dort gibt es auch Kügelchen aus der Algenmasse, die wie Kaviar aussehen und sich als Dekoration für Salate oder Desserts eignen. Das sei erst der Anfang, sagt Jutta Reinke. Weitere Produkte sollen folgen. Reinke ist sicher, dass Algen ein Nahrungsmittel der Zukunft sein werden. Den Nahrungsmittelkonzern Nestle hat sie mit dieser Prognose bereits auf ihrer Seite. Die Algenproduktion in einem Gewächshaus in Niederachsen hat bereits begonnen.

100 Unternehmen zu Gast in der FU

"100 Unternehmen sind gekommen und wollen wissen, wie Digitalisierung funktioniert", sagte Stefan Franzke, als Geschäftsführer von Berlin Partner Mitorganisator des Demo Day. "Die Veranstaltung soll zeigen, dass die Berliner Gründerszene keine Blase ist." Unternehmen hatten die Möglichkeit, die Start-ups n einer Ausstellung kennenzulernen. Außerdem gab es die Möglichkeit des Speed-Dating mit Gründern, bei dem Kooperationen angebahnt werden konnten.

Intelligente Düsen schonen die Umwelt

Jens Wintering uns sein Team von FDX Fluid Dynamix haben eine Düse erfunden, die ohne bewegliche Teile und allein aufgrund ihrer Konstruktion einen oszillierenden Strahl erzeugt – wie man ihn von Spülmaschinen oder Autowaschstraßen kennt. "Das führt zu einer sieben Mal besseren Reinigung oder zu einer 15 Mal besseren Mischung", sagt Mitgründer Jens Wintering. Würde die Düse in Verbrennungsmotoren eingesetzt, ließen sich Verbrauch und Schadstoffausstoß deutlich senken. Das Unternehmen hat bereits mehrere Partner gefunden. Sechs in der Reinigungs-, drei in der Autoindustrie.

Wenn Papier plötzlich zu leuchten beginnt

Das Start-up Siod ist in der Lage, Leuchtdioden auf Papier aufzudampfen. Der Werbung öffnet diese Technologie ganz neue Möglichkeiten: Eine Zeitschriftenanzeige zeigt ein Auto und den zugehörigen Schlüssel: Berührt der Betrachter die Schaltfläche des Schlüssels, beginnen die Scheinwerfer zu leuchten oder zu blinken. Als nächstes wollen sie ein Solarmodul in die Printanzeigen einbauen, damit auf eine Batterie verzichtet werden kann. Die beiden Gründer haben an der Freien und der Humboldt-Universität studiert und sind dann nach Chemnitz gezogen.

Angio-Traner verbessert Ärzteausbildung

Die präsentierten Start-ups decken ein weites Feld an unternehmerischen Lösungen ab: Frag Aaron etwa bietet IT-Support aus der Crowd. Skill Hero ist eine App für Menschen, die nach dem Besuch eines Seminars ihr Verhalten ändern wollen. Sie können sich mit anderen Teilnehmern vernetzen oder mit ihren Coaches austauschen. Die Trainer erhalten ein anonymisiertes Feedback. Angio Trainer, ein Start-up aus der Charité, hat ein Trainingsmodell für Gefäßuntersuchungen in der Ärzteausbildung entwickelt. "Wir bauen den Patienten nach", sagt einer der Gründer. Labfolder digitalisiert die Dokumentationen, die in Forschungslaboren angelegt werden.

Offtime schaltet das Diensthandy ab

Wem das alles zu vernetzt und zu viel Online war, konnte sich am Stand des Post-Tech-Start-ups Offtime über die Vorzüge des Abschaltens informieren. Offtime arbeitet seit zwei Jahren an Smartphone-Apps, mit denen sich digitale Auszeiten messen und einstellen lassen. Dabei können einzelne, mehrere oder alle Dienste und Apps für einen bestimmten Zeitraum blockiert und nur Anrufe von bestimmten Personen zugelassen werden. Inzwischen interessieren sich sogar Unternehmen für die Apps. Der Mobilfunkanbieter SwissCom wurde Partner und auch ein Lebensmittelhersteller kooperiert mit dem Berliner Start-up, um seinen 1000 Außendienst-Mitarbeitern einen geregelten Feierabend zu verschaffen. Der positive Effekt des Abschaltens ist erwiesen: Eine Studie der Humboldt-Universität belegt, dass Smartphone-Auszeiten einen positiven Einfluss auf die Erholung und das Arbeitsengagement haben.

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