Start-up-Wettbewerb

Wie der Kaviar der Zukunft aus Algen entsteht

Der Berliner Businessplan-Wettbewerb fördert innovative Start-up. Und die müssen nicht immer aus der IT-Branche stammen.

Jutta Reinke und Cathleen Cordes (v.l.) vom Team Evergreen-Food stellen Algenperle vor

Jutta Reinke und Cathleen Cordes (v.l.) vom Team Evergreen-Food stellen Algenperle vor

Foto: BPW / BM

Berlin –. Als die Investitionsbanken und Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg vor 20 Jahren zum ersten Mal den Businessplan-Wettbewerb (BPW) veranstalteten, kannte man in Berlin den Begriff Start-up noch nicht. Seitdem sind aus dem BPW fast 1800 Unternehmen entstanden, die mehr als 10.000 Arbeitsplätze geschaffen haben und bis heute am Markt tätig sind. Träger dieser Start-up-Schmiede sind die Hochschulen in Berlin und Brandenburg.

Dass der Wettbewerb die Basis für ein erfolgreiches Unternehmen legen kann, zeigt die Online-Sprachlernplattform Babbel: Das in Kreuzberg ansässige Unternehmen – Teilnehmer am BPW im Jahr 2008 – hat vor wenigen Tagen eine dritte Finanzierungsrunde mit der Rekordsumme von 22 Millionen Dollar (20 Millionen Euro) abgeschlossen. Lead Investor der Runde ist Scottish Equity Partners (SEP). Von den bestehenden Investoren beteiligen sich Reed Elsevier Ventures, Nokia Growth Partners und der VC Fonds Technologie der Investitionsbank Berlin (IBB).

Babbel wächst enorm

Das Unternehmen Babbel will mit dem Investment sein enormes Wachstum von jährlich 100 Prozent und die Innovation seiner Produkte weiter vorantreiben. Babbel ist die nach Firmenangaben weltweit umsatzstärkste Sprachlern-App, sowohl im iOS App Store als auch im Google Play Store. Das Abo-basierte Geschäftsmodell richtet sich an Menschen, die jenseits von Beruf oder Ausbildung Sprachen lernen wollen. Babbel ist bereits seit 2011 profitabel, bietet Kurse in 14 Sprachen an und verzeichnet bis zu 120.000 App-Downloads am Tag. Die kürzlich vorgestellte Babbel-App für Apple Watch war die erste Bildungs-App auf dem begehrten Wearable.

Ein ähnliches Erfolgsbeispiel ist die Ableton AG. Sie schaffte es vom BPW-Teilnehmer 1999 zum Global Player für Soft- und Hardware in der Musikproduktion und beschäftigt heute 200 Menschen aus 28 Ländern in Berlin und Los Angeles. Ableton-Vorstand Jan Bohl bezeichnete die Teilnahme am Businessplan-Wettbewerb vor 17 Jahren als „Meilenstein in der Anfangsphase“ seines Unternehmens.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller sagte bei der diesjährigen Preisverleihung: „Der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg ist seit zwei Jahrzehnten ein Symbol dafür, dass Berlin in Start-ups ein großes Potenzial sieht und seit Langem kontinuierlich auf die Gründer setzt.“ BPW-Projektleiter Dirk Maass wertet den Besuch des Regierungschefs bei der Preisverleihung als Beleg für die Bedeutung des Programms im Wirtschaftsleben der Stadt.

Tragfähiges Geschäftskonzept

Teilnehmer am BPW entwickeln in drei Phasen innerhalb von neun Monaten ein tragfähiges Geschäftskonzept. Die Finalisten wurden in zwei Kategorien ausgezeichnet: dem klassischen Businessplan-Modell und „Canvas“, eine Art Express-Businessplan, der insbesondere für ganz junge Start-ups entwickelt wurde. Zudem wurde ein Sonderpreis Nachhaltigkeit und der BPW-Hochschulpreis Ideenschmiede für die im BPW erfolgreichste Hochschule in Berlin und Brandenburg verliehen.

Es müssen nicht immer Internet-Start-ups sein

Es müssen nicht unbedingt Internet-Start-ups sein, die beim BPW erfolgreich sind. FDX Fluid Dynamix, Gewinner der diesjährigen Hauptkategorie, hat intelligente Düsen entwickelt, mit denen sich durch den Einsatz von Schwingungen Flüssigkeiten bis zu 15-mal besser mischen lassen als mit herkömmlichen Lochdüsen. Dadurch lassen sich in der Verbrennungstechnik Schadstoffemissionen minimieren und Kosten senken.

Die an der Technischen Universität Berlin entwickelte Technologie ist universell einsetzbar – von Rasensprengern über Mischsysteme für die chemische Industrie bis hin zu Gasturbinen. Für diese Erfindung gibt es einen riesigen Markt: Durch schlechte Mischung entstehen in der chemischen Industrie alleine in den USA nach Angaben der Gründer Verluste von bis zu zehn Milliarden Dollar pro Jahr.

Gewinner in der Kategorie Canvas wurde in diesem Jahr Evergreen-Food. Jutta Reinke und Cathleen Cordes stellen aus der an pflanzlichem Vitamin B12 und Omega-3-Fettsäuren-reichen Mikroalge Chlorella vulgaris ein veganes Lebensmittel her, das sie unter dem Produktnamen „Lüttge Algenperle“ vermarkten.

Sie verarbeiten die frisch geernteten Mikroalgen zu zwei Millimeter großen Kügelchen, die Kaviar ähnlich aussehen. Diese Algenperlen haben auch nicht den gewöhnungsbedürftigen Geschmack, den naturheilkundliche Chlorella-Produkte haben. Sie sind in drei Geschmacksrichtungen erhältlich und eignen sich als Topping für Salate, Suppen und Desserts.

Insgesamt wurden bei dem mit mehr als 50.000 Euro dotierten Businessplan-Wettbewerb 451 Geschäftskonzepte eingereicht, wovon 73 in allen drei Phasen des BPW teilnahmen.

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