Biotechnologie

Franzosen zahlen 50 Millionen Euro für Berliner Start-up

Im Biotechnologie-Park Buch wird gefeiert: Der französische Pharma-Konzern Ipsen hat das Berliner Start-up Octreopharm übernommen.

Octreopharm ist noch ein paar Schritte entfernt, Medikamente auf den Markt zu bringen

Octreopharm ist noch ein paar Schritte entfernt, Medikamente auf den Markt zu bringen

Foto: Getty Images

Dass kleine Berliner Technologiefirmen von großen Konzernen für viel Geld übernommen werden, kommt im Zuge des Startup-Booms in der Hauptstadt inzwischen öfter vor. Zuletzt kaufte Microsoft die IT-Spezialisten von 6Wunderkinder für bis zu 200 Millionen US-Dollar.

Aber es sind eben meistens Internet-Unternehmen, bei denen ein großer Exit den ersten Investoren satte Gewinne und der Firma selbst im besten Fall weitere Entwicklungschancen beschert. Dass ein kaum vier Jahre altes Pharma-Unternehmen mit nur acht Mitarbeitern für 50 Millionen Euro übernommen wurde, werten Kenner der Szene hingegen als einen der größten Erfolge der Berliner Life-Science-Branche. Im Biotechnologie-Park in Buch wird gefeiert.

Der französische Pharma-Konzern Ipsen hat den Medikamentenentwickler Octreopharm für 50 Millionen Euro gekauft. Den 2011 eingestiegenen Erstinvestoren, der Beteiligungsgesellschaft der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB-Bet), der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem privaten Wagniskapitalgeber ELSA des Unternehmers Andreas Eckert bekommen mit diesem Deal, ihren Geldeinsatz fünfmal wieder heraus. „Wir sind sehr erfreut über diesen attraktiven Exit“, sagte Christian Seegers, Investment-Manager der IBB-Bet.

Aus Sicht Eckerts, der das Strahlenmedizin-Unternehmen Eckert & Ziegler führt und bei der Wirtschaftsförderung Berlin Partner dem Aufsichtsrat vorsitzt, markiert der Verkauf einen Durchbruch für die Biotech-Branche der Stadt: Die Kombination aus Technologietransfer, solider Branchenkenntnis und Berliner Infrastruktur hätten „eine Dynamik entfaltet, die mit Internet-Gründungen konkurrieren kann“, sagte Eckert.

Ersten klinischen Versuche floppten

Octreopharm ist noch ein paar Schritte entfernt, Medikamente auf den Markt zu bringen. Die Gründer Hakim Bouterfa und Udo Blaseg, erfahrene Pharma-Manager, hatten 2009 von einem in Basel entwickelten Verfahren gehört, Biomoleküle spezifisch an gefährliche Darm-Tumore andocken zu können und diese Krebsart erfolgreich zu behandeln. In Berlin wurden sie auf der Suche nach Wagniskapitalgebern fündig und siedelten sich im Biotech-Park in Buch an, hoch im Norden Pankows.

Die ersten klinischen Versuche mit dem ursprünglichen Präparat floppten kläglich, berichtet Mitfinanzier Eckert. Über eine Schweizer Technologietransfer-Stelle der Universitäten von Basel, Bern und Zürich sicherten sie sich dann aber das Nutzungsrecht der nötigen Patente und versuchten es erneut. Und es funktionierte. Ein Einsatz der neuen Wirkstoffe OPS 201 und OPS 202 ist nun absehbar. Aus Sicht der Ipsen-Gruppe, die mit 20 Medikamenten weltweit 1,2 Milliarden Euro pro Jahr umsetzt, war das Know-how der Berliner viel Geld wert.

Ipsen-Chef Marc de Garidel sagte, die Übernahme ermögliche seiner Firma den Zugang zu einem neuen wissenschaftlichen Gebiet, auf dem die Octreo-pharm eine einzigartige Expertise besitze. Die Franzosen wollen das Unternehmen in Berlin belassen und die klinischen Tests zügig fortsetzen. Aus Sicht des Berlin-Partner-Aufsichtsrates Eckert sieht sogar einen potenziellen industriellen Kern entstehen. Aus Sicht des Wagniskapitalgebers ist die Octreopharm ein Modell, wie erfolgreiche Gründungen in der schwierigen Biotechnologie gelingen können. Das klappe dann, wenn nicht Wissenschaftler selbst eine Firma aufziehen, sondern ihr Wissen von erfahrenen Profis aus der Industrie aufgenommen und vermarkt wird.