re:publica

Astronaut Gerst suchte Köln mit Google Earth

Alexander Gerst war einer der Stars auf der re:publica in Berlin. Astro Alex erzählte von seiner Zeit auf der ISS - und warum er Google Earth brauchte, um Köln von der Schweiz zu unterscheiden.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Einer der Stargäste auf der noch bis Donnerstag laufenden Berliner Netzkonferenz re:publica war ohne Zweifel der deutsche Astronaut und Social-Media-Star Alexander Gerst. Der 39-Jährige sprach am Mittwoch auf der größten Bühne vor vollem Haus über seine Reise zur Raumstation ISS im vergangenen Jahr. In blauem Overall mit diversen Aufnähern erzählte der gebürtige Künzelsauer in seinem Vortrag vom Start im Mai 2014, seinen Kollegen und von den zahlreichen Experimenten im All und mit sozialen Netzwerken.

Mit Anekdoten über seine Zeit an Bord der Raumstation hielt Gerst das Publikum bei Laune. So sprach er davon, wie er auf der Suche nach Köln ein wenig Hilfe brauchte. Mit Google Earth gelang es ihm schließlich, seinen Wohnort aus dem All ausfindig zu machen. Dabei musste der 39-Jährige feststellen, dass er zuvor immer in der Schweiz gesucht und sich bei den Entfernungen vertan hatte.

Lustig ging es weiter, als Gerst über seine Kollegen an Bord der ISS auspackte. “Man muss 1,5 Jahre vorher sagen, was man mit ins All nehmen will. Auch welche Unterhosen", erklärte der Kölner. "Ein Kollege hatte da wohl seinen Kopf voll und dem nicht so viel Wichtigkeit beigemessen, weshalb er am Ende mit Unterhosen da saß, die alle eine Nummer zu klein waren." Da das jedoch „für alle Beteiligten ein unzufriedener Zustand war“, setzte man sich irgendwann an Bord der Raumstation gemeinsam hin und löste das Problem mit einer Schere.

Feuer, Krieg, Raketen, Abholzung

Der auch als "Astro Alex" (so sein Username bei Twitter) bekannte Geophysiker zeigte während der rund einstündigen Show viele Fotos, die er während seiner Zeit im All aufgenommen und immer wieder über soziale Netzwerke wie Twitter mit vielen tausenden Fans auf der Erde geteilt hatte. Ob Christchurch in Neuseeland, Wüsten oder der Gran Canyon. Auch ein Photoshop-Bild, wie die Erde vor 200 Jahren aus dem Weltall ausgesehen hätte - komplett dunkel - , war dabei. Gerst erinnerte die Zuschauer daran, wie stark die Menschen ihren Planeten verändert haben und dass sie sich dessen viel zu selten bewusst seien.

Feuer, Krieg, Raketen, Abholzung: viele Eindrücke, die Gerst und seine Kollegen gesammelt haben, hätten ihn und seine Crew nachdenklich gemacht, erklärte der Geophysiker. Der 39-Jährige mahnte darum, dass eine andere Spezies, die unsere Welt besuchen könnte, zuerst Krieg und Zerstörung sehen würde. Ob das für intelligentes Leben auf der Erde spreche, sei die Frage, so Gerst.

„Man kann auch Spaß haben auf einer Raumstation“

Die Fußball-Weltmeisterschaft konnten die Männer an Bord der ISS ebenfalls sehen. Das führte dazu, dass es bei Spielen auch zu Wetten unter den Crew-Mitgliedern kam. Beim Spiel USA gegen Deutschland lag der Kölner richtig - seine Kollegen mussten deshalb ihre Haare lassen. "Das zeigt, dass man auch Spaß haben kann an Bord einer Raumstation", scherzte der Gerst.

Immer wieder ging Gerst während seines Vortrags auch auf die vielen Kinder in den ersten Reihen des Saals ein und auf die leuchtenden Augen der Mädchen und Jungen. Er forderte die Kleinen und auch die Frauen im Saal auf, seinen Spuren zu folgen, "damit wir auch in Zukunft dort oben forschen können“.