Fintech

Deutsche Bank gründet Innovationszentrum in Berlin

Internetunternehmen mischen die Bankbranche auf. Die Deutsche Bank will daran teilhaben. Gemeinsam mit Microsoft, IBM und HCL gründet sie Innovationszentren. Einer der Standorte wird in Berlin sein.

Foto: Marius Becker / dpa

Bisher hat die Deutsche Bank sich bei der Digitalisierung eher zögerlich verhalten. Jetzt wagt das größte Kreditinstitut der Republik einen großen Schritt: Gemeinsam mit dem US-Softwarekonzern Microsoft, dem amerikanischen Technologieriesen IBM und der indischen HCL Technologies wollen die Frankfurter Innovationszentren einrichten, um ihr digitales Bankgeschäft auszubauen, wie das „Wall Street Journal“ online berichtete. Vorgesehen sind demnach drei Standorte: London, Palo Alto im Silicon Valley und Berlin. Die Deutsche Bank wollte die Nachricht nicht kommentieren.

An den drei Standorten sollen Gründer aus der Finanzbranche gefördert werden. Auch sei vorgesehen, Banker aus allen Geschäftssparten der Deutschen Bank in die Labors zu schicken, hieß es in dem Beitrag. Die Ziele offenbar: Den Mitarbeitern zeigen, was möglich ist. Außerdem will die Bank lernen, was sich intern und im Kontakt mit den Kunden verbessern lässt. Einzelheiten wurden nicht genannt. Seit Mai ist bekannt, dass das Institut rund 200 Millionen Euro in die Digitalisierung des kundenbezogenen Geschäfts stecken will.

Paypal ermöglicht Bezahlen mit dem Gesicht

Die klassische Finanzbranche sieht sich zunehmend der Konkurrenz von neuen Anbietern ausgesetzt. So hat Paypal, der Bezahldienst des Internetmarktplatzes Ebay, nicht nur ein Bezahlsystem fürs Internet im Programm, sondern auch eine einfache Möglichkeit, per Handy mit E-Mail und Passwort zu bezahlen oder gar mit seinem Gesicht – ohne Kontodaten einzugeben und auch für den Kaffee im Geschäft um die Ecke. Die Unternehmensberatung Bain schätzt, dass inzwischen gut ein Viertel aller Internetkäufe über Paypal bezahlt werden. Und der Internethandel wächst seit Jahren rasant.

Unternehmen wie iZettle aus Stockholm und Sum-up aus London oder die Rocket-Internet-Tochter Payleven aus Berlin bieten Händlern einfache Möglichkeiten an, die Kunden bargeldlos mobil bezahlen zu lassen. Eine kleine Box, die per Bluetooth-Funkverbindung an einen Tablet-Computer von Apple gekoppelt wird, eine Software-Anwendung, fertig ist die Bezahleinheit, die den Chip auf der Karte liest und über ein PIN-Eingabefeld verfügt. Bei iZettle ist das zum Beispiel auch noch mit einem kostenlosen Programm verbunden, mit dem der Händler seine Umsätze analysieren kann.

iZettle arbeitet mit MediaMarkt zusammen

Händler wie Kunden brauchen weiterhin ein Konto bei einer klassischen Bank, doch die Zahlungsabwicklung läuft über die neuen Anbieter. Teure Kartenterminals mit Grund- und Umsatzgebühr bieten die Newcomer nicht an. Bei ihnen kauft der Händler einmalig den Kartenleser, Gebühren werden nur bei Umsatz fällig. Kunden sind zum Beispiel Flohmarkthändler, Taxifahrer, Kleinunternehmer.

PayPal ist schon weiter. Bei bestimmten Berliner Cafés kann der Kunde mit seinem Gesicht bezahlen. Vorher muss er sich per Smartphone im Café anmelden, wobei Name und Foto im Kassensystem erscheinen. Wobei das Kassensystem in diesem Fall im Kern aus einem Apple-Tablet-Computer mit einer speziellen Software der Berliner Firma Orderbird besteht. Die neuen haben auch keine Berührungsängste, wenn es darum geht, das Geschäft auszuweiten. iZettles Kartenbox zum Beispiel ist seit dieser Woche auch bei MediaMarkt zu kaufen, einer Marke von Europas größter Unterhaltungselektronikkette MediaMarkt/Saturn.

Google hat bereits eine Banklizenz

Große Kreditkartenunternehmen haben das Potenzial der kleinen neuen Anbieter bereits erkannt. Bei iZettle gehören Mastercard und American Express zu den Investoren. Auch die Banco Santander aus Spanien ist beteiligt. Bei Sum-up hat unter anderem American Express investiert – und das Schnäppchenportal Groupon. Der Markt für Mobiles Bezahlen in Deutschland ist groß. Derzeit schätzt die Beratungsfirma PwC ihn auf 7,4 Millionen Euro. 2020 sollen es dann eine Milliarde Euro sein. Dann halten die Berater es für möglich, dass elf Millionen Endverbraucher mobil zahlen. derzeit sind es etwa 176.000.

Dabei setzen die vielen neuen Anbieter darauf, dass sich der deutsche Verbraucher vom Bargeld verabschiedet. Derzeit bezahlen 52 Prozent aller Deutschen am liebsten bar, wie eine Umfrage des Bankenverbandes ergab. Ein im europäischen Vergleich hoher Wert. Die Deutschen hingen als einzige in Europa am Bargeld, sagt eine Sprecherin des Verbandes. Und keiner wisse genau, warum. Nur 32 Prozent nutzen eine Karte zum Bezahlen. In Frankreich, Großbritannien und Schweden ist der Prozentsatz wesentlich höher.

Und nicht nur bei Bezahlsystemen mischen Gründer und branchenfremde Firmen den Markt auf. Experten etwa von der Beratungsfirma E&Y rechnen damit, dass neue Konkurrenten den klassischen Banken demnächst auch bei Konsumentenkrediten Marktanteile abnehmen werden. Und es sind nicht nur Gründer oder Paypal, auf die sich die Banken einstellen müssen. Auch der Internetkonzern Google besitzt für Europa eine Bankenlizenz.