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Neue Berliner Video-Community Vive fordert Skype heraus

Als gäbe es nicht schon Skype, Viber, Chatroulette, Facetime oder Hangouts: Vive ist eine neue App für Video-Chat. Sie will anders sein als die bekannten Portale. Und sie hat erste Investoren gefunden.

Foto: Vive

Vive will anders sein als die Video-Apps der Generation Snapchat: Anonymität ist auf der Plattform tabu. Selbstdarsteller sind nicht gefragt. Und Sex erst recht nicht. „Es gibt schon genug Dating-Apps auf der Welt. Soziale Netzwerke halten uns mit Selbstvermarktung auf Trab. Aber sie sind nicht gut, wenn sich Menschen emotional vernetzen wollen“, sagt Mitgründer Arnd Aschentrup. Vive will entfernt lebende Menschen miteinander verbinden und authentische Kommunikation ermöglichen.

Der Dienst setzt eine Mitgliedschaft voraus. Nutzer melden sich zunächst mit ihrem Facebook-Konto an. Dann fragt die App nach den Interessen und Themen, die der neue Nutzer mit anderen teilen will, mit welcher Art von Leuten er oder sie sprechen will und schließlich nach einer Selbstbeschreibung.

Danach heißt es Push-Nachrichten auf dem Smartphone aktivieren und abwarten, bis die Community-Manager von Vive das neue Mitglied anerkannt haben, was aber schnell geht. Danach werden die Spielregeln geklärt: Vive ist keine Dating-App. Wer dagegen verstößt und sexuelle Absichten äußert, fliegt raus. Ferner gibt es ein Spam- und Werbeverbot und schließlich die Verpflichtung, seinen Chat-Partner respektvoll zu behandeln. Vive ist also nichts für Trolle.

Neue Community für Video-Chatter

„Die App empfiehlt Nutzern Chat-Partner auf der Basis der angegebenen gemeinsamen Interessen“, sagt Aschentrup. Dabei greift die App auf die Informationen des Facebook-Profils zurück. Wer chatten möchte, meldet sich auf der Plattform an und nennt dort sein Thema oder scollt durch die Liste mit Chat-Partnern, die der Algorithmus der App gefunden hat. Findet sich ein Gesprächspartner, sendet die App eine Nachricht.

Beliebt sind Anfragen zum Sprachen lernen. „Das machen die Leute gerne“, sagt Aschentrup. Hauptzielgruppe sind College- und Highschool-Studenten. Zwei Drittel aller Nutzer stammen aus dieser Gruppe. „Die Community wächst dort am schnellsten, wo Menschen auch im alltäglichen Leben schnell ins Gespräch kommen.“ Deshalb sind die USA und Lateinamerika die wichtigsten Märkte für Vive.

Startfinanzierung über 1,5 Millionen Dollar

Das Unternehmen hat den erfolgreichen Abschluss einer Startfinanzierungsrunde über 1,5 Millionen Dollar (1,2 Millionen Euro) mit mehreren europäischen Kapitalgebern (Business Angels) bekannt gegeben. Darunter sind Christophe Maire, der frühzeitig in das Musiknetzwerk SoundCloud investierte, Ludwig zu Salm (Evernote-Investor) sowie der Gründer der Preisvergleichsplattform Idealo und ResearchGate-Investor, Martin Sinner.

Die Nutzung von Vive ist kostenfrei. Aschentrup will zunächst das Wachstum der Plattform in Gang bringen und später ein Geschäftsmodell ausrollen. Dabei könnte es sich um einen Expertenmarktplatz handeln, der kostenpflichtige Beratung anbietet.

Vive mit Sitz in Berlin und San Francisco

Vive wurde 2012 von den Mobile-Video-Experten Arnd Aschentrup, Matthias Kleimann and Tobias Dickmeis gegründet, die auf diesem Gebiet seit mehr als zehn Jahren tätig sind. Aschentrup und Dickmeis sind die Gründer der Video-Plattform Cyoshi, die sie 2006 an ein US-Unternehmen verkauften. Das Start-up arbeitet inzwischen in Berlin und San Francisco. Das Unternehmen hat Sitze in Berlin, San Francisco und Hannover.

Die Betaversion von Vive erschien im Juni 2014 im iOS-App-Store. Sie wurde bereits 150.000 Mal heruntergeladen, ohne dass es eine größere Marketing-Kampagne gegeben hätte. 40 Prozent nutzen die App nach Anbieterangaben täglich. Eine für das iPad optimierte Version der App ist für Oktober 2014 geplant.

Längster Vive-Chat dauerte 13 Stunden

Vive nutzt die von Google und Mozilla (Anbieter des Firefox-Browsers) entwickelte WebRTC-Technologie. Sie ermöglicht Videochat direkt zwischen Browsern und ohne dass – wie bei Skype – eine Software geladen werden müsste. Vive machte diese Technologie mobil verfügbar. Vive-Nutzer chatten im Durchschnitt 15 Minuten. Das längste Gespräch dauerte 13 Stunden.

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