Instagram

Wie Fotografen mit Instagram Geld verdienen können

Für viele Handynutzer ist Instagram Zeitvertreib. Sie teilen Fotos mit Freunden. Blogger verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Marken haben die Magie der Bilder erkannt und nutzen sie zur Werbung.

Foto: Visumate

Wenn Thomas Kakareko ein Foto auf Instagram postet, können das dort mehr als eine halbe Million Nutzer sehen. 572.000 Follower hat Kakareko, der sich auf Instagram @thomas_k nennt. Instagram ist ein soziales Online-Netzwerk, in dem Menschen Fotos veröffentlichen, teilen, liken und kommentieren.

Kakareko ist Mitgründer und Geschäftsführer von visumate, einer Agentur für visuelle Markenkommunikation in Berlin. Er fotografiert auf den Straßen der Welt: Passanten in New York, Radfahrer in Berlin, spielende Kinder in Bologna. Privat und geschäftlich. @thomas_k gehört zu den Instagram-Promis.

Aufnahmen von Instagramern mit einer hohen Reichweite sind in der Werbung gefragt. Denn die Industrie mag Instagram. Dort lassen sich nahezu unbemerkt Fotos platzieren, die Werbung sind, aber nicht so aussehen. "Mode, Autos, Tourismus, Lifestyle – das sind die Themen, die auf Instagram funktionieren", sagt Kakarekos Mitgründer Oliver Brügmann. CludMed, Coca-Cola, Samsung, Puma, TUI, Lufthansa – viele Marken nutzen diesen Kanal über Agenturen.

Welches Foto privat und welche im Auftrag eines Unternehmens entstanden ist, lässt sich nur anhand er Hashtags, Links und Kommentare unter den Bildern erraten. Hier verschwimmen die Grenzen. Zahlreiche Fotografen erreichen auf Instagram ein sechsstelliges Publikum.

Bloggerin mit 211.000 Followern

Zum Beispiel die Berlinerin Sylvia Matzkowiak. Auch sie ist von Anfang an auf Instagram unterwegs, hat 1400 Fotos gepostet und 211.000 Follower für ihren Account begeistert. Wie schafft man das? "Vier bis sechs Stunden pro Tag" hat sie anfangs für die Pflege ihres Profils aufgewendet. Denn es wollen nicht nur die eigenen Fotos gepostet, sondern auch Kommentare der Betrachter gesichtet und beantwortet werden. Vor einiger Zeit machte die frühere Verlagsangestellte dann ihr Hobby zum Beruf und stieg bei der Instagram-Agentur Brandnew IO ein.

Um erfolgreich zu sein, müssen Instagram-Fotos technisch einen gewissen Perfektionsgrad besitzen. Einfach einen Verfremdungsfilter anzuwählen und Wolken quietschbunt einzufärben, reicht heute nicht mehr. Zum Aufpeppen der Fotos bietet die Plattform seit einiger Zeit einen umfangreichen Werkzeugkasten an, mit dem sich eine Vielzahl technischer Parameter korrigieren lässt. Wer das Instrumtarium beherrscht und vielleicht auch andere Apps zur Fotobearbeitung nutzt, kann Handyfotos in Aufnahmen verwandeln, die aussehen wie aus dem Studio.

Momentaufnahmen aus dem eigenen Leben

Trotz aller Perfektion sollten erfolgreiche Instagrams wirken wie Momentaufnahmen aus dem eigenen Leben, sagt Matzkowiak. Jeder Fotograf sollte eine unverwechselbare Bildsprache entwickeln, findet auch Oliver Brügmann.

Und welchen Rat gibt der Experte Instrammern, die schnell ein großes Publikum erreichen wollen? "Ganz wichtig ist ein roter Faden, damit die Betrachter den Fotografen wiedererkennen. Dann muss man sich die Zeit nehmen und auf Augenhöhe mit seinen Followern kommunizieren. Das bringt Aufmerksamkeit", sagt Brügmann.

Die Wissenschaft von den Hashtags

Bei der optimalen Zahl der Bilder gehen die Meinungen auseinander. Vier bis zehn Bilder sollten pro Woche auf die Plattform gestellt werden, sagt Brügmann. Eins bis drei pro Tag findet Matzkowiak optimal. Wenn es zu viele sind, empfinden die Follower das als Spam.

Und dann sind da noch die Hashtags – fast eine Wissenschaft. Vier bis sechs hält Brügmann für optimal. Bis zu 30 sind möglich. "Hier geht Qualität vor Quantität", sagt er. "Der Fotograf sollte Emotionen ausdrücken." Wer #love unter seine Bilder schreibt oder #berlin, findet kaum Aufmerksamkeit. Diese Begriffe seien zu allgemein. #blackandwhite oder #visitberlin seien da schon besser.

Vorteile für frühe Nutzer

Heute, zweieinhalb Jahre nach der Gründung der Plattform, ein sechsstelliges Publikum zu finden, ist für neue Instagramer nahezu unmöglich, vermutet Matzkowiak. Früher war das anders. Da hat Instagram neuen Nutzern Listen mit empfehlenswerten Profilen vorgeschlagen. "Diese Funktion führte zu einem überproportionalen Wachstum", erinnert sich auch Brügmann. Wer es auf diese Liste schaffte, hatte schnell Tausende Abonnenten beisammen und damit die Voraussetzung geschaffen, mit Instagram Geld zu verdienen.

Reichweitenstarke Instagramer (im Jargon Influencer genannt) werden von Agenturen an industrielle Marken vermittelt. 50.000 Follower sollte man dafür schon haben, findet Matzkowiak. Sie werden dann gegen Honorar in die Welt geschickt, um Geschichten ihres Auftraggebers fotografisch zu erzählen – auf Photowalks oder zu Fernreisen. Hier kann ein touristisches Ziel, ein Produkt oder ein Mode-Event im Mittelpunkt stehen.

Marken statten Instagram-Blogger aus

Influencer erhalten von Marken auch Produkte geschenkt, die sie fotografisch und möglichst beifälig auf der Plattform in Szene setzen sollen: Schuhe, Kleidung, Kameras. Im einfachsten Fall stellen Marken vorgefertigtes Bildmaterial zur Verfügung, das im eigenen Profil gepostet werden soll.

Follower und Likes im Internet zu kaufen, um Reichweite vorutäuschen, halten weder Matzkowiak noch Brügmann für ein ratsames Verfahren. 10.000 Follower werden bei der Plattform Hypez zurzeit für 70 US-Dollar (ca. 50 Euro) angeboten. 10.000 Likes kosten den gleichen Betrag. Das Problem: Solche Automaten können zwar Likes verteilen, aber nicht kommunizieren. Doch darauf kommt es vielen Nutzern an.

Visitberlin wirbt für die Hauptstadt

Auch Berlin bedient sich der Plattform Instagram, um Touristen in die Stadt zu locken. Für das Tourismusmarketing ist Instagram ein wichtiger Werbekanal geworden. Die Agentur visumate ist jetzt für die Berlin-Werbung auf Instagram zuständig. Sie hat die Ausschreibung gewonnen, um den offiziellen Instagram-Account von Berlin zu bespielen. visumate lädt einflussreiche Instagram-Fotografen zu sogenannten Photowalks nach Berlin ein. Die Agentur postet auch Berlinbilder anderer Fotografen mit dem Hashtag #visitberlin auf dem gleichnamigen Instagram-Profil @visit_berlin.

Ferner gehört der Austausch mit den Followern in der Kommentarspalte des Berlin-Profils zur Aufgabe der Agentur. Auch eigens für Instagram produziertes Material und Bilderserien, die die Stadt aus ganz neuen Blickwinkeln darstellen, sind nur einige weitere Ideen, die in den kommenden Monaten umgesetzt werden.

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