Delivery Hero

350 Millionen Dollar für Berliner Lieferhelden

Gerade hat Delivery Hero den Rivalen Pizza.de geschluckt. Jetzt pumpen Investoren 350 Millionen Dollar in das Unternehmen. Die größte Finanzierungsrunde für ein Start-up in diesem Jahr.

Foto: Lieferheld.de

Mega-Finanzrunde für den Berliner Lieferdienstvermittler Delivery Hero (in Deutschland: Lieferheld): Internationale Investoren pumpen 350 Millionen Dollar in das Unternehmen. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher. Zuvor hatte das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ von der Finanzspritze berichtet.

Das Geld stamme zum Großteil von den bisherigen Geldgebern, neu dabei ist der schwedische Investor Vostok Nafta, der bislang vor allem in russische Internetunternehmen investierte. An Delivery Hero sind die US-Wagnisfinanzierer Insight Venture Partners, Luxor Capital, Kite Ventures und der Berliner Start-up-Investor Team Europe beteiligt.

Delivery Hero gelingt damit die bislang erfolgreichste Einzel-Finanzierungsrunde junger europäischer Internetunternehmen in diesem Jahr. Der Moskauer Online-Händler Ozon hatte 150 Millionen Dollar von Investoren erhalten, der Londoner Musiklizenzdienst Kobalt Music 140 Millionen Dollar.

Essensvermittlung ist ein lukratives Geschäft

Mit der Finanzspritze will Delivery Hero die weitere Expansion finanzieren.„Wir wollen uns verstärkt der wenigen Märkten annehmen, in denen wir aktuell nicht Marktführer sind“, sagte Unternehmenschef Niklas Östberg. „Unser Ziel ist es, in jedem unserer Märkte die klare Nummer 1 zu werden.“ Das Unternehmen ist in 23 Ländern aktiv und beschäftigt mehr als 1000 Menschen. Mehr als 300 arbeiten in der Berliner Unternehmenszentrale in der Mohrenstraße.

Lieferdienstportale wie Delivery Hero setzen darauf, dass immer mehr Menschen Essen über das Internet statt per Telefon bestellen. Die Portale listen Restaurants und Lieferdienste in der Umgebung auf, bei denen die Kunden dann online bestellen können. Für die Vermittlung erhalten sie von den Restaurantbetreibern eine Provision. Das Geschäft gilt als lukrativ.

Weil sich das Geschäftsmodell aber nicht wesentlich unterscheidet, müssen die Anbieter in Spitzentechnologie und Restaurant-Akquise investieren, um schnellstmöglich eine Vielzahl von Kunden gewinnen und damit Vorteile gegenüber den Rivalen erringen zu können. Oder sie kaufen Konkurrenten dazu.

Fast 600 Millionen Dollar von Investoren

Das alles verschlingt viel Geld, das die Unternehmen bislang vor allem von Wagnisfinanzierern erhalten. Mit der neuen Finanzspritze hat das Unternehmen mehr als 635 Millionen Dollar von Investoren eingenommen.

Zuletzt hatte Delivery Hero im August den großen Wettbewerber Pizza.de für angeblich mehr als 200 Millionen Euro gekauft. Zusammen sollen die beide Marken hierzulande einen Marktanteil von etwa 75 Prozent halten.

Derzeit bereitet sich das Berliner Unternehmen auf den Kapitalmarkt vor. Voraussichtlich im nächsten Jahr will Delivery Hero bereit sein, den Gang an die Börse zu wagen. Anders als der Online-Modehändler Zalando strebt Delivery Hero an eine US-Börse. Zalando hatte am Mittwoch angekündigt, noch im Herbst an die Frankfurter Börse zu gehen.