Startup-Camp 2014

Was Carsten Maschmeyer Berliner Gründern rät

Seit er AWD verkauft hat, investiert Maschmeyer in Start-ups. Mittlerweile sind es 60 Unternehmen mit mehr als 50.000 Beschäftigten. Beim Startup-Camp gab er einen Einblick in seine Strategie.

Foto: Reto Klar

„Ich komme aus einer ganz reichen Familie. Wir hatten zwei Schlösser, eins an der Eingangstür und und eins an der Kellertür.“ Der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer kokettiert als Hauptredner beim Start-up-Camp in der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) mit seinem Erfolg und seinem Vermögen.

Mehrere hundert Gründer sind nach Berlin-Lichtenberg gekommen – auf der Suche nach Erfolgsrezepten für ihre Ideen und mit der Hoffnung, die Aufmerksamkeit von Investoren zu erheischen. Doch Kapital sei nicht die wichtigste Voraussetzung, räumt Maschmeyer mit einer landläufigen Meinung auf.

Maschmeyer gründete 1988 den späteren Finanzkonzern AWD, den er 2000 an die Börse brachte und 2007 verkaufte. Mit dem Erlös aus seinen Anteilen baute er eine neue Karriere als Investor auf. Er investiert in Start-ups unterschiedlicher Entwicklungsstufen.

Karriere als Risikoinvestor gestartet

Das Portfolio seiner drei Wagniskapitalfirmen umfasst mittlerweile 60 Unternehmen mit insgesamt 50.000 Beschäftigten. Im vergangenen Jahr investierte er 68 Millionen Euro. Maschmeyer ist dabei wählerisch: Kapital sei nur in etwa ein Prozent der Unternehmen geflossen, die er sich angesehen habe. In Berlin ist Maschmeyer unter anderem an dem Limousinen-Service Blacklane und dem Versender von Nahrungsergänzungsmitteln, Nu3, beteiligt.

Was rät der Finanzexperte jungen Gründern? Wenig überraschend: Sie brauchen eine Idee – möglichst eine originelle. Eine, für die Kunden bereit sind zu zahlen. Eine Idee mit Entwicklungsperspektiven. Und die Bereitschaft, diese den Wünschen des Marktes anzupassen.

Hauptsache „Neuromarketing“

„Ab gewissem Reifegrad wird jedes Unternehmen ein Marketing- oder Vertriebsunternehmen“, sagt Maschmeyer. Ein gutes Produkt vorausgesetzt, ist der Rest Psychologie. Und damit ist Maschmeyer bei seinem Lieblingsthema, dem Netzwerken, was bei ihm „Neuromarketing“ heißt. Denn es findet im Kopf statt.

Unternehmerischer Erfolg habe mit mentalen Dingen und mentalem Wachstum zu tun. „Emotionen spielen dabei eine größere Rolle als erwartet. Nur was emotional interessant ist, wird im Gehirn bearbeitet.“ Gleichwohl werde ein schlechtes Produkt durch emotionale Schale nicht besser.

Die beste Idee nütze nichts, wenn die Gründer keine Multiplikatoren dafür fänden. Und die fänden sie nur, wenn es ihnen gelinge, Emotionen zu wecken. „Argumente ohne Emotionen sind tote Argumente“, lautet ein Prinzip seiner Buy-ologie, der Wissenschaft vom Verkaufen.

Verkaufe ist entscheidend

Warum sind einige erfolgreicher als andere? Fragt der Finanzexperte und hat sogleich die Antwort parat: „Weil sie sich gut verkaufen und gut kommunizieren können.“ Er zeigt einen in zerknülltes Zeitungspapier eingewickelten Diamanten und ein poliertes Ein-Cent-Stück in einer Schmuckschatulle, um seine These zu untermauern. Wir lernen: Es kommt auf die Präsentation und Verpackung an.

Verkaufen heiße, Menschen zu gewinnen. „Was viele unterschätzen, ist das Thema Networking“, sagt Maschmeyer, der stets die Nähe zu Prominenten suchte. „Von einer gewissen Stufe an ist es wichtiger, wen sie kennen, als was sie wissen“, riet er den Gründern. „Es geht um die Monetarisierung der Kontakte“, stellt er klar. Und ergänzt: „Der Kluge kennt Vieles, der sehr Kluge kennt Viele.“

Besser Hammer als Amboss sein

Und dann hat er noch einige Formeln parat, mit denen er die Gründer mental aufbauen will: „Sie werden nicht reich im Leben, wenn sie arm an Träumen sind“, sagt er und rät: „Bauen sie eine Firewall gegen Wunschdiebe und Hoffnungsstopper. Seien sie nicht Amboss, werden sie Hammer.“

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