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ResearchGate macht Stammzellen-Forschung transparent

Biologen aus Hongkong haben im Berliner Forschungsnetzwerk ResearchGate eine angebliche Sensation in der Stammzellenforschung widerlegt. Das ist ein Beispiel, wie das Netz Fortschritt vorantreibt.

Foto: Haruko Obokata / AP

Die Erfindung schien wie ein Durchbruch in der Stammzellenforschung. Japanische Forscher hatten anscheinend ein einfaches Verfahren zur Herstellung von Stammzellen in einem Säurebad entwickelt, darüber in der Fachzeitschrift Nature berichtet und weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Der Stammzellenforscher Ka-Ho Lee widerlegt nun im Berliner Forschernetzwerk ResearchGate die vermeintliche Sensation.

Ka-Ho Lee und sein Team aus Hongkong sind die ersten, die ihre Ergebnisse mit Open Review, einem neuen Werkzeug von ResearchGate, veröffentlichten. Open Review dient Wissenschaftlern dazu, Forschungsergebnisse hinsichtlich ihrer Reproduzierbarkeit schnell zu kommentieren, andere Forscher zur Bewertung der eigenen Forschung zu ermutigen und Publikationen öffentlich zur Diskussion zu stellen.

„Ich habe ResearchGate gegründet, um die Forschung grundlegend zu verändern. Mit Open Review tun wir genau das“, sagt Gründer Ijad Madisch. „Wir helfen Wissenschaftlern zu sagen, ob die Ergebnisse – egal wo sie veröffentlicht wurden – stimmen, oder nicht.“ Das sorge für Transparenz in der Wissenschaft, spare Zeit und Geld und treibe den Fortschritt voran.

ResearchGate treibt Fortschritt voran

Die Biologin Haruko Obokata und ihre Kollegen hatten behauptetet, aus bereits ausdifferenzierten Zellen von Mäusen durch eine einfache Behandlung mit Zitronensäure so genannte pluripotente Stammzellen gewinnen zu können. Wäre das der Fall gewesen, es hätte eine neue Ära der regenerativen Medizin eingeläutet. Denn das Säurebad hätte genügt, um die Zellen umzuprogrammieren.

Der Stammzellen-Forscher Kenneth Ka-Ho Lee und sein Team konnte diese Ergebnisse nicht bestätigen, schreibt er auf ResearchGate. So genannte pluripotente Stammzellen ließen sich mit den von Obokata beschriebenen Verfahren nicht herstellen. Er räumt zwar ein, ihre Analysen seien „umfassend und leicht nachzuvollziehen“. Die Ergebnisse seien „plausibel und überzeugend“. „Allerdings waren wir nicht in der Lage, einige von ihnen zu replizieren.“

Eine Art Facebook für Wissenschaftler

ResearchGate wurde im Jahr 2008 von Ijad Madisch, Sören Hofmeyer und Horst Fickenscher gegründet. Er verfolgt das Ziel, eine Art Facebook für Wissenschaftler aufzubauen. Im Jahr 2013 investierte Microsoft-Gründer Bill Gates 35 Millionen US-Dollar in das Berliner Forschernetzwerk. Inzwischen haben sich weltweit vier Millionen Forscher dem Netzwerk angeschlossen und allein im Jahr 2013 mehr als 17 Millionen Artikel publiziert. Publikationen in ResearchGate sind frei zugänglich, schreiben und kommentieren dürfen aber nur Personen, die nachweislich Wissenschaftler sind.

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