Start-ups Berlin

Third Wave – Die Pfadfinder in den sozialen Netzen

Die Macher von Third Wave verstehen die Kommunikation im Internet wie wenige andere. Deswegen suchen große Konzerne wie Postbank und Deutsche Telekom Rat bei Igor Schwarzmann und Johannes Kleske

Foto: Massimo Rodari

Irgendeinen beliebigen Kaffee sollte man Igor Schwarzmann (30) und Johannes Kleske (35) besser nicht vorsetzen. Das müsste man eigentlich schon ahnen, wenn man den Namen ihrer Unternehmensberatung Third Wave zum ersten mal hört. Allerdings nur dann, wenn man Kaffee nicht nur als Getränk zum Aufwärmen wahrnimmt. „Wir lieben guten Kaffee, wir sind richtige Kaffeenerds“, sagt Igor Schwarzmann. „Daher auch der Name.“

Third Wave gilt nämlich als die dritte Welle in der Kaffeekultur. In der ersten Phase war Kaffee vor allem ein warmes Getränk, das wach machte. Dann kam die Zeit, in der verschiedene Varianten von Espresso bis hin zu Latte Macchiato auftauchten.

Nun sind wir in besagter dritter Welle, während der sich Kaffeeliebhaber für die Herkunft der Bohne und die Röstung ebenso interessieren wie für die perfekte Zubereitung. Und auf eine gewisse Weise passt das auch ganz gut zu Third Wave.

Ihre Firma bezeichnen Igor Schwarzmann und Johannes Kleske als Unternehmensberatung und Thinktank, was sich am ehesten noch als Denkfabrik übersetzen lässt. Dass Third Wave nicht als Agentur bezeichnet wird, ist ihnen wichtig. „Für unsere Kunden wollen wir ein strategischer Partner sein, der ihnen bei allen Fragen im digitalen Kontext hilft“, sagt Johannes Kleske. So unterstützen sie andere Firmen bei der Entwicklung von Kommunikationsstrategien, Produkten und Geschäftsmodellen in der digitalen Welt.

Dafür suchen sie nach neuen Wegen und überprüfen die bestehenden Geschäftsmodelle. Denn was bislang gut funktioniert hat, lässt sich nur selten ohne Anpassungen im Internet umsetzen. „Wir wollen die Komplexität eines Problems für unsere Kunden nicht reduzieren, sondern ihm zeigen, wie er damit am besten umgeht“, sagt Igor Schwarzmann.

Zu den Kunden gehören kleine Start-ups ebenso wie Mittelständler und große Konzerne wie die Postbank und die Deutsche Telekom. Auch Agenturen unterstützen Igor Schwarzmann und Johannes Kleske Teams bei ihren Projekten. Zudem lassen sich Verlage und Medienhäuser von Third Wave beraten. Schließlich trifft sie der digitale Wandel mit am stärksten, wenn Leser ins Internet abwandern und das bedruckte Papier an Bedeutung verliert. „Die Mischung unterschiedlicher Kunden ist perfekt, da wir aus jedem Auftrag etwas mitnehmen, was uns woanders wieder helfen kann“, sagt Johannes Kleske.

Vernetzt in der Szene

Im Oktober 2010 haben Igor Schwarzmann und Johannes Kleske Third Wave in Berlin gegründet. Ihr erstes Büro hatten sie in Kreuzberg, mittlerweile sitzen sie in Nähe des Hackeschen Marktes in Mitte. Das Büro liegt im Hinterhof eines ehemaligen Fabrikgebäudes. Mitarbeiter haben sie keine. „Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder Mitarbeiter in verschiedenen Funktionen gehabt und dabei gemerkt, dass es zu zweit am besten funktioniert“, sagt Igor Schwarzmann. Da in ihren Büroräumen genügend Platz ist, vermieten sie freie Schreibtische an andere Selbstständige und Firmen. So sitzt beispielsweise die Vertreterin des amerikanischen Blogdienstes Tumblr bei ihnen im Büro.

Igor Schwarzmann hatte vor der Gründung bei der Agentur Pleon gearbeitet. Johannes Kleske war professioneller Blogger und Webentwickler. Kennengelernt haben sich die beiden auf verschiedenen Konferenzen und Veranstaltungen. „In der Szene kannte man damals nach einer gewissen Zeit jeden“, sagt Johannes Kleske. Zu ihren ersten Auftraggebern gehörten auch die Agenturen, für die zuvor schon tätig waren.

Unabhängig vom Kunden gehen die beiden Geschäftsführer an jede neue Aufgabe auf die gleiche grundsätzliche Weise heran. Als erstes schauen sie, ob eine bestimmte Strategie überhaupt zum Unternehmen passt. Erst dann überlegen sie, welche Plattform dafür am besten ist. „Eine erfolgreiche Social Media Strategie bedeutet nicht, einfach nur als Unternehmen auf Facebook zu sein“, sagt Johannes Kleske. „Vielmehr geht es darum, „die grundlegende Dynamik in der Beziehung zwischen Kunden und Unternehmen zu verändern.“ Dabei ist den beiden Geschäftsführern vor allem der inhaltliche Aspekt wichtig. „Erst dann kümmern wir uns um die richtige Methode zur Umsetzung“, sagt Johannes Kleske.

Erster Großauftrag

Auf diese Weise konnten sie nur ein Jahr nach Firmengründung die Postbank von sich überzeugen. Die Postbank suchte jemanden, der ihr bei der Entwicklung und Umsetzung einer Social Media Strategie half, und forderte Third Wave auf, sich zu bewerben. Große Hoffnungen machten sich Igor Schwarzmann und Johannes Kleske zu dem Zeitpunkt nicht , schließlich standen sie dabei in direkter Konkurrenz mit großen Agenturen wie BBDO. Doch Third Wave setzte sich durch und bekam den Auftrag. Es folgten die Deutsche Telekom und der Finanzdienstleister Wirecard. Und auf dieser Welle schwimmen sie bis heute weiter.

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