Datentransfer

Mit Pipe per Facebook Giga-Datenpakete senden

Mit der neuen Pipe-App können Facebook-Freunde einfach, schnell und sicher Daten bis zu einem Gigabyte senden. Pipe nutzt ein neuartiges Google-Protokoll für Echtzeit-Datenaustausch.

Foto: Pipe

Wenn Facebook-Freunde sich gegenseitig Fotos senden wollen, ein Video oder ein anderes großes Dokument bis zu einem Gigabyte, dann bietet sich dafür künftig die neue Pipe-App an: Einfach das Dokument per Drag&Drop einem Ordner auf dem Rechner entnehmen, und rein in die Pipe. Diese Pipe kann man sich – wie der Begriff nahelegt – als ein Röhre vorstellen, die auf direktem Weg Sender und Empfänger verbindet. An ihrem Ende kommt die Datei wieder heraus, um im Bild zu bleiben. Die für den Transfer benötigte Zeit hängt allein von den Up- beziehungsweise Downloadgeschwindigkeiten der beteiligten Internet-Anschlüsse ab.

Simon Hossell und seine beiden Mitgründer Philip Eggersgluess und Marco Rydmann arbeiten seit 2011 an dem Projekt. Sie hatten sich das Ziel gesetzt, den Datentransfer möglichst einfach zu machen. Dokumente per Google Drive oder Dropbox zu teilen ist - bei aller mehr oder weniger hoch entwickelter Usability - immer noch komplizierter als die simple One-Klick-Mechanik von Pipe.

Wer eine Datei senden will, installiert die Pipe-App in der Facebook-Anwendung. Voraussetzung ist allerdings, dass Facebook mit dem Chrome-Browser geöffnet wurde. Von Februar 2014 an funktioniert das dann auch mit dem Firefox-Browser von Mozilla. In Pipe wählt man den Namen des Adressaten aus der Freundesliste aus. Dieser wird per Facebook benachrichtigt. Wenn er selbst eine Datei senden will, muss auch er die App installieren.

Premium-Service als Geschäftsmodell für Pipe

Sollte ein Adressat während eines Datentransfers einmal nicht angemeldet sein, so besteht die Möglichkeit, die Datei auf einem Server von Pipe zwischenzuspeichern. Dann darf sie allerdings bislang nur 250 Megabyte groß sein. Drei Tage lang wird das Paket aufbewahrt. An dieser Möglichkeit setzt auch das Geschäftsmodell des Unternehmens an. Simon Hossell kann sich Premium-Services für größere Pakete und längere Aufbewahrungszeiten gegen Aufpreis vorstellen. Doch zunächst geht es den Gründern darum, eine hohe Zahl zufriedener Nutzer zu generieren, die immer wieder auf die Möglichkeiten von Pipe zurückgreifen.

Die Erfinder von Pipe legen hohen Wert auf den Datenschutz. Die Datenübertragung erfolgt – sofern Sender und Empfänger auf Fecabook angemeldet sind – von Rechner zu Rechner. Ein Server als Relais ist nicht zwischengeschaltet. Auch wenn der Transfer von Facebook-Profil zu Facebook-Profil erfolgt, das soziale Netzwerk sieht von den übermittelten Daten nichts, wie Simon Hossell betont.

Adobe Flash hat sich nicht bewährt

Anfangs experimentierte das Gründer-Trio noch mit dem Flash-Protokoll von Adobe – mangels einer Alternative. Die Beta-Version von Pipe, die auch schon mehr als 60.000 Facebook-Nutzer gefunden hat und seit Mitte 2013 verfügbar ist, nutzte diesen Standard. Doch Flash im Allgemeinen und Adobe-Air im besonderen beansprucht Rechnerressourcen.

So kam den Gründern das neue WebRTC-Protokoll (RTC steht für Real Time Communivation, Echtzeitkommunikation) für den Chrome-Browser von Google wie gerufen. Pipe ist einer der ersten Anbieter, der WebRTC in eine Anwendung für den Endkonsumenten integriert. Noch in diesem Monat soll Pipe auch für den Firefox-Browser verfügbar sein. Es ermöglichte den hohen Sicherheitsstandard durch den Aufbau der Peer-to-Peer-Verbindung zwischen den Rechnern und schont die Prozessoren.

Neues Protokoll für Echtzeitkommunikation

Mit dieser Technologie lassen sich auch Applikationen für Videokonferenzen und Sprachtelefonie entwickeln. „WebRTC ist eine bahnbrechende Technologie, die bildlich gesprochen das Internet neuverkabelt. Sie ermöglicht es uns direkt miteinander über den Browser peertopeer zu kommunizieren, anstatt die Daten über den Server eines Drittenanbieters umzuleiten”, beschreibt Hossell das neue Protokoll

Auch die Realisierung eines mobilen Konzepts gehört zu den Zukunftsprojekten des Start-ups. Hossell stellt sich Apps vor, mit denen Daten ohne Browserunterstützung zwischen Smartphones oder Tablets transferiert werden können. Es werde aber noch einige Monate dauern, bis dieses Projekt umgesetzt sei.

Pipe versteht sich nicht als Filesharer

Wenn Simon Hossell von seiner neuen App schwärmt, könnte man den Eindruck gewinnen, er plane ein neues Filesharing-Portal. Doch das weist er weit von sich. Er kennt die Problematik zu gut von seinem früheren Projekt in der Musikindustrie, als er davon 2003 bis 2010 Europachef der Musikerkennungssoftware Gracenote war, die später an Sony verkauft wurde. „Es kann immer nur eine Datei von einem Freund zu einem anderen gesendet werden. Und jeder kennt doch seine Freunde auf Facebook“, sagt der Gründer. „Kein Fremder wird je eine Datei erhalten.“ Es sei viel einfacher, Dateien in hoher Zahl als E-Mail-Anhänge zu versenden - zumal an Unbekannte. In den Nutzerbedingungen sei zudem geregelt, dass Daten nur gesendet werden dürfen, wenn das Urheberrecht geklärt sei.

Hossell, der seinen Service Pipe am Montag (3. Februar) gleichzeitig in Berlin, New York und San Francisco launcht, ist sicher, dass er ein skalierbares Projekt mit Wachstumspotenzial erfunden hat. Dessen Wurzeln ruhen in Berlin, wo die Idee entstanden ist und entwickelt wurde. Das Start-up beschäftigt weniger als zehn Leute. Unter anderem dieser Tatsache ist geschuldet, dass Pipe bislang mit einem nicht näher konkretisierten Seed-Investment über die Runden kam.