Chauffeur-Dienste

Daimler steigt beim Berliner Uber-Rivalen Blacklane ein

Der Berliner Limousinenservice-Vermittler erhält einen zweistelligen Millionenbetrag für den Ausbau des Angebots. Zu den Investoren zählt der Stuttgarter Konzern, der so sein Dienstleistungsgeschäft erweitert.

Foto: Martin U. K. Lengemann

Der Automobilkonzern Daimler steigt beim Berliner Limousinenservice-Vermittler Blacklane ein. Damit weitet der Mercedes-Konzern sein Dienstleistungsgeschäft aus. Blacklane vermittelt weltweit vor allem der wachsenden Zahl von Geschäftsreisenden, denen Taxifahrten zu unzuverlässig, unkomfortabel oder einfach nicht diskret genug sind, Limousinen lokaler Anbieter zum Festpreis. Das Start-up konkurriert vor allem mit dem traditionellen Taxi-Gewerbe.

Wie die Unternehmen am Dienstag mitteilten, hat sich die Dienstleistungstochter des Mercedes-Bauers, Daimler Mobility Services, an Blacklane beteiligt. Zusammen mit den bestehenden Investoren investiert Daimler einen zweistelligen Millionen-Betrag in das Berliner Start-up. Nach unbestätigten Angaben soll allein Daimler rund zehn Millionen Euro investiert haben.

Zu den bisherigen Investoren gehören RI Digital Ventures, Carsten Maschmeyers Investmentgesellschaft Alstin, b-to-v Partners und car4you. Mit der Finanzierungsrunde steigt der Wert des Unternehmens auf mehr als 60 Millionen Euro, berichtet das Wall Street Journal.

Vernetzung von Mobilitätsdiensten

Angesichts des schwächeren Automobilmarktes in Europa versuchen vor allem Premium-Hersteller wie Daimler oder BMW das Dienstleistungsgeschäft rund ums Auto auszubauen. In Daimler Mobility Services hat der Stuttgarter Konzern seine alternativen Mobilitätsgeschäfte gebündelt. Dazu gehören unter anderem das Carsharing-Programm car2go sowie die Mobilitätsapp moovel. Daimler ist darüber hinaus am Taxivermittler MyTaxi und dem Fernbusanbieter Flixbus beteiligt.

„Mit car2go sind wir Marktführer im stationsunabhängigen Carsharing und mit unserer Mobilitäts-App moovel werden wir die intelligente Vernetzung von Mobilitätsdiensten weiter vorantreiben. Die strategische Partnerschaft mit Blacklane bietet unseren Kunden attraktive Möglichkeiten, um optimal von A nach B zu kommen“, sagte Marcus Spickermann, CFO der Daimler Mobility Services. Konkurrent BMW betreibt zum Beispiel zusammen mit dem Autovermieter Sixt die Carsharing-Plattform DriveNow.

Blacklane ist in 45 Ländern aktiv

„Mit Daimler Mobility Services haben wir unseren Wunschpartner gewinnen können“, sagte Blacklane-Gründer Jens Wohltorf. Das im Juni 2012 in Berlin gegründete Blacklane befindet sich im Wettlauf mit seinem US-Konkurrenten Uber auf einem aggressiven Expansionskurs. Blacklane ist mittlerweile in 130 Städten und 45 Ländern präsent, unter anderem in New York, Paris und Hongkong. In Deutschland sind es mehr als ein Dutzend Städte, dazu gehören Berlin, Hamburg, München und Köln.

„Seit dem Start konnten wir unseren Umsatz von Monat zu Monat um über 30 Prozent steigern“, sagte Blacklane-Mitgründer Frank Steuer. Genaue Umsatzzahlen sind bislang nicht bekannt. Zum Vergleich: Der US-Anbieter Uber, der auch in Berlin aktiv ist, macht einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Dollar.

Detaillierter Knigge für Chauffeure

Im Unterschied zu Uber, das sich auch als Teil der Party-Szene in Berlin inszeniert, konzentriert sich Blacklane auf Geschäftsreisende und Touristen. Eigene Fahrzeuge unterhält das Unternehmen nicht. Das Unternehmen kooperiert vielmehr mit mehreren Tausend Limousinendiensten weltweit, die jeweils im Schnitt zwei bis drei Fahrzeuge haben.

In einem Chauffeur-Knigge wird beschrieben, wie sich der Fahrer zu kleiden und zu verhalten hat: Dass er die Türen öffnet, immer hinten und nicht vorne um das Fahrzeug geht, den Ankunftsort erst verlässt, wenn die Fahrgäste nicht mehr zu sehen sind, nie in Anwesenheit der Fahrgäste raucht. Gebucht werden die Limousinen über die Website oder eine App. Blacklane erhält für die Vermittlung Provisionen. Die fast 70 Blacklane-Mitarbeiter steuern das Geschäft von Oranienstraße in Kreuzberg aus.

Finanzierungshilfen für Limousinen-Dienste

Mit dem Kapital will Blacklane die Buchungsplattform und neue Services weiter entwickeln. Die rasante Expansion der letzten Monate werde sich verlangsamen, sagte Wohltorf. „Wir haben in diesem Jahr in die Breite expandiert, im nächsten Jahr geht es in die Tiefe.“ Das heißt, Blacklane will weitere Limousinendienste und damit Kunden an sich binden.

Blacklane dürfte vor allem von der Einbindung in Daimler Mobilitäts-App Moovel profitieren. Zudem könnte die Anbindung an Daimler den Blacklane-Partnern bei der Finanzierung von neuen Mercedes-Limousinen helfen. Konkurrent Uber hatte ein spezielles Finanzierungsprogramm vor einigen Wochen mit US-Herstellern gestartet.