Onlinehandel

Getgoods soll 50 Millionen Euro unterschlagen haben

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Foto: Patrick Pleul / dpa

Hat der insolvente Onlinehändler Getgoods seine Umsätze mit dem Verkauf fremder Ware aufgebessert? Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Unterschlagung und Verstoßes gegen das Aktienrecht.

Die Pleite des Onlinehändlers Getgoods wird zum Krimi: Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) hat das Firmengelände sowie die Privatwohnungen der Geschäftsführer der börsennotierten Getgoods AG und deren Vertriebstochter durchsuchen lassen. Ermittelt werde wegen des Verdachts auf Unterschlagung von 50 Millionen Euro und wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Aktienrecht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Getgoods betreibt Internetplattformen wie Getgoods.de und Handyshop.de, über die Smartphones, Notebooks oder Tablets verkauft werden, dazu Unterhaltungs- und Haushaltselektronik. Das Unternehmen ist überdies in den Handel mit Freizeit- und Baumarktartikeln sowie nach der Übernahme des Einkaufsklubs Pauldirekt ins Restpostengeschäft mit Mode eingestiegen.

Am Donnerstag hatte Getgoods Insolvenz gemeldet. Nach seinem schuldenfinanzierten Wachstumskurs war der in Berlin und Frankfurt (Oder) ansässige Onlinehändler in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht. Zuvor sollen Gespräche zur Rettung mit Investoren gescheitert sein. Von der Pleite betroffen sind 230 Mitarbeiter, 170 davon in Frankfurt (Oder).

Die Durchsuchung geht auf eine Anzeige des US-Telekommunikations-Großhändlers Brightstar zurück. Der wirft Getgoods vor, 192.000 Mobiltelefone verkauft zu haben, die nur in den Getgoods-Hallen gelagert wurden, der Firma aber nicht gehörten. Mit dem Verkauf der fremden Ware soll Getgoods seinen eigenen Umsatz aufgewertet und entsprechend falsche Quartalszahlen gemeldet haben. Getgoods hatte für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von rund einer halben Milliarde Euro vorausgesagt, fast 100 Millionen mehr als im vergangenen Jahr.

Finanzaufsicht ermittelt wegen Insiderhandels

Bei der Durchsuchung wurden Laptops und Festplatten beschlagnahmt. Die Auswertung könnte zwei Monate dauern, berichtete die Staatsanwaltschaft. An den Durchsuchungen waren insgesamt 36 Beamte des Landeskriminalamtes und fünf Staatsanwälte beteiligt. In der „Märkischen Oderzeitung“ widersprach Getgoods-Chef Rockstädt-Mies den Vorwürfen. Er habe sich gemessen an der Vertragslage „konform“ verhalten. Ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Rüdiger Wienberg sagte, die Staatsanwaltschaft werde unterstützt.

Das Unternehmen steht auch im Visier der Finanzaufsicht Bafin wegen Verdachts auf Insiderhandel. Die Bafin untersucht Kursbewegungen der Getgoods-Aktie, die schon Tage vor der Insolvenz wegen hoher Verkäufe auf das Niveau eines Penny-Stocks abstürzte. Auch der Wert der Anleihe halbierte sich in den Tagen vor der Insolvenzmeldung.

Anleihezeichnern droht Totalverlust

Überdies hatte Getgoods noch im Oktober ersten Berichten über finanzielle Schwierigkeiten widersprochen. Im gleichen Monat wurde zudem die letzte Tranche einer 60-Millionen-Euro-Anleihe begeben. Den Zeichnern der Anleihe droht durch die Insolvenz ein Totalverlust. Bereits die am vergangenen Sonnabend fällige Zinszahlung von mehr als 1,2 Millionen Euro fiel aus.

( gri )