Musik-Streaming

Simfy konzentriert sich aufs Deutschland-Geschäft

Der vor allem durch Spotify und Deezer unter Druck geratene Streamingdienst Simfy versucht mit dem Umzug nach Berlin den Neuanfang. Das Start-up konzentriert sich auf den Heimatmarkt

Foto: simfy

Nach dem Umzug nach Berlin will sich der Musik-Streaming-Dienst Simfy vor allem auf das Deutschlandgeschäft konzentrieren. Die strategische Ausrichtung auf Abo-Kunden im deutschsprachigen Markt stehe im Vordergrund, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. „Wir sind auf Platz 2 im deutschen Markt bei den zahlenden Nutzern und haben Platz 1 im Visier“, so Finanzchef Alexander Herbst. Von der früher geplanten internationalen Expansion ist nicht mehr die Rede, dabei gilt das Streaminggeschäft eigentlich als global.

Simfy zieht mit der Konzentration auf den Heimatmarkt die Konsequenz aus dem kostspieligen Machtkampf mit den hochfinanzierten Konkurrenten Spotify aus Schweden oder Deezer aus Frankreich, die teils mit Kostenlos-Angeboten um Kunden buhlen. Spotify und Deezer hatten im vergangenen Jahr jeweils fast 100 Millionen Dollar von Wagnisfinanzierern erhalten.

Simfy soll nach unbestätigten Berichten insgesamt rund 30 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt haben. Wie der Branchendienst Deutsche Startups berichtete, soll das Unternehmen im vergangenen Jahr aber monatlich auch rund eine Million Euro verbraucht haben.

Nutzer von Streamingdiensten müssen ihre Musik nicht mehr aus dem Netz herunterladen, die Lieder werden aus dem Internet übertragen. Geld verdienen die Anbieter durch verschiedene Abomodelle und Werbung. Simfy hat nach eigenen Angaben 20 Millionen Lieder im Angebot. Detaillierte Kundenzahlen nennt das Unternehmen nicht. Im vergangenen Jahr meldet Simfy mehr als zwei Millionen Nutzer, wie viele davon ein Abo bezahlten, ist nicht bekannt.

Simfy sucht Nähe zur Musikindustrie – und Geldgebern

Das Unternehmen hatte Ende April seine Firmenzentrale von Köln nach Charlottenburg verlegt. Bislang betrieb das Unternehmen hier seit 2012 ein Hauptstadtbüro. Der Kölner Standort soll auch nach dem Umzug in verkleinerter Form erhalten bleiben.

Damit sucht das Unternehmen zum einen die Nähe zu den in Berlin ansässigen Musikkonzernen und der Musikszene. „Berlin gehört zu den spannendsten Orten für Musik und Clubbing weltweit. Wir sehen uns als Teil dieser Kultur und sind mit Simfymusic ab sofort auch in regionaler Hinsicht ganz nah dran“, so Simfy-Chef Gerrit Schumann. Zum anderen sitzen in Berlin wichtige Geldgeber wie der Wagnisfinanzierer Earlybird, der seit 2009 bis zu 15 Millionen Euro in den Dienst investiert haben soll.

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