E-Commerce

iPads für Kellner – im Restaurant per App bestellen

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Jürgen Stüber

9Cookies will das Bestellen im Restaurant digitalisieren. Das Berliner Start-up hat eine iPad-App für ein Kassensystem programmiert. Die Speisekarte liegt in der Internet-Cloud.

9Cookies will das Bestellen im Restaurant digitalisieren. Das Berliner Start-up hat eine iPad-App für ein Kassensystem programmiert. Ihr Kernstück ist eine in der Internet-Cloud gespeicherte Speisekarte. Ihre einzelnen Positionen erscheinen auf dem iPad des Kellners als Kacheln. Der Kellner gibt mit Klicks auf diese Vierecke die Bestellung seines Kunden ein.

Diese wird per WLAN an die Küche oder Bar übertragen und gleichzeitig auf einem Server gespeichert. Nach dem Essen genügt ein weiterer Klick, um die Rechnung abzurufen. Der Kunde bezahlt in bar oder mit Kreditkarte. Die bargeldlose Zahlung erfolgt über die Payment-Plattform Sumup, mit der 9Cookies kooperiert.

Das ist erst der Anfang. Gründer Marcus Ross ist davon überzeugt, dass sich ein Restaurantbesuch in zehn bis 15 Jahren noch weiter digitalisiert haben wird. Seine Vision sind Kunden mit einer Internetbrille, die Webinhalte in Sichtfeld ihres Trägers einblendet – so wie man das heute schon von den Head-up-Displays teurer Autos oder aus Militärflugzeugen kennt.

Der Kunde sieht also die virtuelle Speisekarte, erfährt was seine Freunde aus sozialen Netzwerken in dem Restaurant gegessen haben und was sie empfehlen. Und er kann aus dieser Anwendung heraus sein Wunschgericht bestellen. „Aber wir wollen erst mal mit soliden Schritten an die Sache rangehen und unsere App in Restaurants und Lieferservices etablieren“, sagt Ross.

Online-Bestelldienst Lieferheld integriert

Solidität heißt für den Gründer zunächst, die Funktionalität des Online-Bestelldienstes Lieferheld in seine Plattform einzubinden. Lieferheld bietet Internetnutzern Speisekarten von Restaurants mit Lieferservice an, auf denen sie ihr Wunschessen auswählen und nach Hause bestellen können.

Diese Bestellungen werden bisher im Restaurant ausgedruckt und hinterher wieder in ein Kassensystem eingegeben. Die 9Cookies-App kann diesen Medienbruch überbrücken und damit den Bestellvorgang vereinfachen. Von der Partnerschaft mit Lieferheld verspricht sich Ross, dass sich die Verbreitung der App beschleunigt. „Wir werden viel auf Partner setzen“, sagt er.

Analytic-Werkzeug entdeckt faule Kellner

Bestandteil des Programms ist auch ein Restaurantmanager mit Analytic-Werkzeugen für den Wirt. Er kann unter anderem sehen, was seine Gäste wann konsumiert haben, wie lange sie warten mussten, welcher Kellner der fleißigste war.

Das Gastro-Pad von 9Cookies ist für eine Monatsgebühr ab 129 Euro inklusive iPad erhältlich. Hinzu kommt eine einmalige Hardware-Gebühr (Router, Drucker, etc.) in Höhe von 499 Euro (zuzüglich Mehrwertsteuer).

Bewertungsportale in App integrieren

Ross kann sich vorstellen seinen Dienst später auch für andere Branchen auszurollen – Hotels und Handwerk zum Beispiel. Er plant darüber hinaus eine Internationalisierung und Premium-Dienstleistungen wie die Integration von Online-Bewertungsplattformen in sein Kassensystem.

Das im November 2012 gegründete Start-up mit 20 Angestellten verfügt über einen „hohen siebenstelligen Betrag“ an bereitgestelltem Wagniskapital. Zu den Investoren zählen unter anderem David Khalil (eDarling), Christian Saller (Swoodoo) aber auch Lukasz Gadowski (Team Europe) und Florian Heinemann (ProjectA).