Die Internet-Plattform Betterplace.org bringt Initiativen und Spender zusammen. Der Gründer kam in Südafrika auf die Idee. Vier Millionen Euro haben Internetnutzer bereits gespendet.

Als Till Behnke durch die staubigen Straßen eines Townships in Kapstadt stapfte, hatte er keine Ahnung, dass er ein Jahrzehnt und eine fixe Idee später Geschäftsführer und Mitgründer des größten digitalen Spendenportals in Deutschland sein würde. Damals zur Jahrtausendwende baute er dort als freiwilliger Helfer mit den Einheimischen gemeinsam Häuser auf.

Eigentlich wollte er für die Universität in Kapstadt nur Rugby spielen, dann aber erfuhr er von einer studentischen Initiative, die in den Armenvierteln half. Während der Sport sein Hobby blieb, wurde das Helfen sein Beruf. Heute unterstützen mehr als 333.000 Spender über sein Onlineportal Betterplace.org fast 5000 Hilfsprojekte in insgesamt 147 Ländern.

Der 34-Jährige sitzt im Besprechungsraum im fünften Stock seines Büros in Kreuzberg, legt seinen Schal ab und grübelt kurz. „Als ich vor Ort war, habe ich nur sporadisch E-Mails mit Spendenaufrufen geschrieben. So richtig los ging das mit dem Spenden erst, als ich wieder nach Deutschland zurückgekehrt war“, sagt der Heidelberger, der mit seinem Geschäftsmodell das Spendengeschäft in Deutschland durcheinanderwirbelt.

Für ihn arbeiten in dem 480 Quadratmeter großen Büro in Kreuzberg mittlerweile 40 Mitarbeiter, darunter etwa Programmierer, Produktmanager, Finanzfachleute. Die Firma wird als gemeinnützige Aktiengesellschaft betrieben, die keine Dividende ausschüttet.

Wie bringe ich Spender und soziale Projekte zueinander?

„Unsere Plattform bedient ein ganz neues Spendensegment. Und zwar jene Generation, die keine Daueraufträge mehr ausfüllt, sondern ganz konkret etwas tun will“, sagt der junge Geschäftsführer. Die im Jahr 2007 gegründete Non-Profit-Plattform Betterplace.org basiert auf einfachen Fragen: Wie bringe ich Spender und soziale Projekte aus aller Welt möglichst schnell zueinander? Wie entstehen dabei keine Kosten für Verwaltung und Bearbeitung der Beträge? Wie gelangt die volle Summe an den Ort, an dem sie gebraucht wird? „Es ist eine Art Systemfehler vieler großer Spendenorganisationen, dass Geld zum Beispiel für den Zahlungsverkehr von der Spendensumme abgeht“, sagt Behnke.

Um das zu verhindern, läuft der Zahlungsverkehr über den Online-Bezahldienst Paypal. Eine Spende ist immer nur einen Mausklick entfernt, so lautet das Versprechen des digitalen Umschlagplatzes für fast jedes erdenkliche soziale Projekt. „Wir haben gelernt, dass die Leute nicht morgens aufwachen und sagen, heute tue ich was Gutes. Man muss es den Menschen schon freundlich vor die Nase halten“, sagt Till Behnke.

20 Euro für eine Schubkarre in Mombasa

Es sind auch die kleineren Hilfsaktionen, die sogenannten Graswurzelprojekte, die mit der Plattform angestoßen werden sollen. „20 Euro für eine Schubkarre in Mombasa (Kenia)“, solche Spendengesuche von Trägern sind auf der Webseite keine Seltenheit. Vor allem wollen die Macher eine weitgehende Transparenz der Spenden garantieren. Es geht um Vertrauen.

Das Vertrauen der Spender wurde in der Vergangenheit immer wieder erschüttert. Untreuevorwürfe gegen Unicef im Jahr 2008 stellten sich zwar als unhaltbar heraus, trugen aber nachhaltig dazu bei. Auch Spendensiegel standen in der Kritik, weil sie für die Hilfsorganisationen zusätzliche Kosten verursachen. Diese Mehrausgaben wurden auch durch Spenden gedeckt.

„Für uns ist dadurch immer deutlicher geworden, dass wir bei Weitem nicht alle Projekte zertifizieren können“, sagt Geschäftsführer Behnke. Immerhin fast 300 Hilfsaktionen auf der Plattform verfügen zwar über ein Spendensiegel vom Finanzamt, der Großteil setzt aber auf die Authentizität, die über Kommentare und Bewertungen zu den Projekten hergestellt werden soll.

Pionier des Crowdfundings im Netz

„Web of Trust“ – auf Deutsch „Netz des Vertrauens“ –, heißt das im Jargon der Nutzer und meint damit im Grunde schlichtweg Kritik und Lob, die von Spendern oder Bekannten unter der Projektbeschreibungen hinterlassen werden. „Wir profitieren natürlich von dem Rückenwind, den wir derzeit durch die Beliebtheit von Crowdfunding-Projekten bekommen“, sagt Behnke. „Crowdfunding“ kommt aus den USA und beschreibt das gemeinschaftliche Sammeln von Geld und Werten im Internet. Behnke war einer der Pioniere, der diese Idee für das Spendensammeln nutzte.

Während des Erdbebens in Haiti floss über den Spendenkanal im Netz innerhalb von zehn Tagen eine Million Euro an die Helfer vor Ort. Auch während der Katastrophe in Fukushima kamen mehr als eine Million Euro zusammen. Neben solchen seltenen Katastrophenhilfen sind es vor allem kleine Projekte, die um Finanzspritzen werben.

Ein grüner Pfeil zeigt den Stand der Spenden an

Zum Beispiel das Hilfsprojekt mit dem Titel „Licht, Strom und Wasser für ein Dorf in Benin“, das Ingenieure ohne Grenzen e.V. organisierte. Eine kleine Helfergruppe aus Nürnberg will in dem Dorf Nagasséga im Norden des Landes Zisternen und Fotovoltaikanlagen aufbauen, außerdem den Dorfbewohnern ihr Wissen vermitteln. Die Initiatoren wollen zunächst zwei Zisternen für je 3000 Euro kaufen. Ein grüner Balken auf der Plattform zeigt den Stand der benötigten Geldmittel an: 70 Prozent gespendet, steht dort. „Solche Projekte sind sozusagen das Grundrauschen der Plattform, der Hauptbereich, der beständig wächst“, sagt Geschäftsführer Behnke.

Die Plattform finanziert sich durch Lizenzen, die sie an große Unternehmen und Kunden vergibt. Einsatzmöglichkeiten und Partner der Plattform sind vielfältig: Die Bonuspunkte, die mit dem weitverbreiteten Bonussystem Payback gesammelt werden, können zum Beispiel mit einem Klick in eine Spende umgewandelt werden.

Nutzer spendeten vier Millionen Euro in zwölf Monaten

In Kooperation mit Vodafone bringt Betterplace in Kürze eine App für Smartphones auf den Markt – mit solcher Zusammenarbeit erwirtschaftet das Portal Umsatz. Es kooperiert aber auch mit mittelständischen Unternehmen wie zum Beispiel dem Otto-Versand, die ihr soziales Engagement sichtbar machen wollen und mit einer eigenen Firmenseite auf der Plattform vertreten sind. „Die Idee ist hier zum Beispiel auch, dass man einen Euro mehr für die Bestellung übers Internet aufgibt und diesen Betrag direkt spendet“, sagt Behnke.

In den vergangenen zwölf Monaten spendeten Nutzer über die Plattform rund vier Millionen Euro. Seit Gründung ließen die wohltätigen User sogar zehn Millionen Euro für den guten Zweck springen. Der Geschäftsführer sieht in dem Erfolg auch einen Wandel der Spendenkultur. „Während Firmen früher einen großen Scheck übergeben haben, können sie heute sehr einfach viele kleine Projekte unterstützen“, sagt Behnke. Privatspender hingegen könnten viel näher an den von ihnen unterstützten Aktionen am anderen Ende der Welt teilhaben, denn eine E-Mail mit Fotos sei schnell verschickt.

Eine absolute Sicherheit gibt es nicht

Kritik schlug der Plattform vonseiten des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) entgegen, das ein eigenes Spendensiegel herausgibt, weil die Meinung vieler Spender nicht allein ein Garant für die Vertrauenswürdigkeit eines Projekts sein könne. Auch Till Behnke räumt ein, dass es eine absolute Sicherheit natürlich auch auf der Plattform nicht geben könne. Vom Selbstverständnis sieht sich die Wohltätigkeitsplattform nicht als ein Zertifizierer, sondern vielmehr als ein Werkzeug.

„Wir sind eine Art Enabler, also ein Wegbereiter, für Firmen und Privatleute, die spenden wollen“, sagt Behnke. Seit Kurzem steht auf der Plattform noch eine weitere Form des Spendens zur Verfügung, die auf längere Sicht gleichberechtigt neben der finanziellen Hilfe stehen soll: die Zeitspende. Weil zum Beispiel eine Suppenküche eben nicht nur Suppenlöffel und Töpfe, sondern auch einen Helfer braucht, der am Herd steht – einen Ehrenamtlichen etwa, sagt Behnke. Für Betterplace womöglich das Geschäftsfeld der Zukunft.