Schnäppchenportal

Heilemann-Brüder kaufen DailyDeal von Google zurück

Bis zu 100 Millionen Euro soll der Suchmaschinen-Gigant für das Berliner Start-up gezahlt haben. Jetzt hat Google die Freude daran verloren

Foto: daily deal

Die Gründer des Berliner Rabattportals DailyDeal, Fabian und Ferry Heilemann, haben das Unternehmen vom Suchmaschinenkonzern Google zurückgekauft.

„Wir freuen uns, Ihnen heute mitzuteilen, dass wir als Gründer und Geschäftsführer das Unternehmen DailyDeal von Google zurückgekauft haben und ab sofort in Eigenregie weiterführen werden“, schreiben die beiden auf der Website des Unternehmens und kündigen für die nächsten Monate die Eroberung neuer Geschäftsfelder an.

Ein Unternehmenssprecher bestätigte den Vorgang. Details zu dem Deal wurden am Freitag aber ebenso wenig bekannt gegeben wie Angaben über die neue Strategie. „Die neuen Geschäftsmodelle werden wir erst in den nächsten Wochen vorstellen“, so der Sprecher.

Allein, dass DailyDeal an seinem Geschäft mit Rabattcoupons festhalten und darauf aufbauen will, ließ sich das Unternehmen entlocken.

Google hatte das 2009 von den Heilemann-Brüdern gegründete Start-up DailyDeal 2011 übernommen und damit in der Berliner Gründerszene für helle Aufregung gesorgt. Der Suchmaschinen-Gigant zahlte nach unbestätigten Berichten für DailyDeal rund 100 Millionen Euro. Zuvor war Googles Versuch gescheitert, den US-Branchenführer Groupon für mehr als vier Milliarden Dollar zu übernehmen.

200 Mitarbeiter in Berlin

Doch Google wurde mit der Berliner Investition nicht glücklich. Wie der Branchendienst Deutsche Startups berichtete, soll DailyDeal 2011 bei einem Umsatz von zehn Millionen Euro einen Verlust von 15,5 Millionen Euro eingefahren haben, im Vorjahr war es ein Minus von acht Millionen Euro. Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr gibt es noch nicht.

Zuletzt hatte Google nach einem Ausweg aus dem Investment gesucht, auch eine Abwicklung des Unternehmens soll in Betracht gezogen worden sein. In dieser Situation griffen die Heilemann-Brüder zu, die auch unter Googles Regie DailyDeal weitergeführt hatten. Das Unternehmen, das in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv ist, beschäftigt in Berlin 200 Mitarbeiter.

Der in Vergangenheit stark gewachsene Markt für Internetschnäppchen hatte den Rabattportalen gerade in Europa zuletzt wenig Freude beschert. Gewerbetreibende können bei den Schnäppchenportalen Rabattcoupons anbieten. Das Geschäft kommt zustande, wenn eine bestimmte Anzahl von Interessenten zuschlägt. Beliebt sind vor allem Angebote von Restaurants oder Kosmetiksalons. Die Preisabschläge sind möglich, weil die Internetportale den Anbietern eine hohe Zahl von Kunden garantieren. DailyDeal kooperiert nach eigenen Angaben mit mehr als 20.000 Unternehmen. Als Kundenzahl wird „mehrere Millionen“ angegeben.

Doch das Wachstum hat offenbar Grenzen. Im Herbst hatte bereits der Online-Versender Amazon sein Schnäppchenportal Living Social in der Bilanz komplett abgeschrieben und dem Unternehmen eine Schrumpfkur verpasst. Branchenprimus Groupon kämpft mit dem Markt. Die Aktie hat seit dem Börsengang Ende 2011 den Großteil des Wertes verloren. Im Übrigen geht auch das Europa-Geschäft von Groupon auf eine Berliner Gründung zurück. Groupon-Firmengründer Andrew Mason erwarb 2010 MyCityDeal und benannte es nach seiner Firma um. Hinter MyCityDeal wiederum steckten Deutschlands bekannteste Internet-Investoren, die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer, sowie Holtzbrinck Ventures.