Erfurt und Freiburg

So war der dritte Tag des Papstbesuchs

| Lesedauer: 9 Minuten
Das Video konnte nicht gefunden werden.

Schüsse vor Papstmesse

Kurz vor der Papstmesse in Erfurt ist es zu einem Zwischenfall mit einer Schusswaffe gekommen.

Video: Reuters
Beschreibung anzeigen

Mit einer Fahrt im Papamobil durch Erfurt hat Papst Benedikt XVI. den dritten Tag seiner Deutschlandreise begonnen. Jetzt wurde bekannt, dass vor Beginn der Papstmesse auf dem Domplatz aus einer Wohnung mehrere Schüsse abgegeben wurden. Ein Verdächtiger ist bereits gefasst.

Nach den Luftgewehrschüssen am Rande des Papstbesuchs in Erfurt bestreitet der festgenommene Mann die Tat. Er war gegen 11.00 in der mehrere hundert Meter vom Domplatz entfernten Wohnung festgenommen worden, aus der vier Schüsse auf Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes abgegeben wurden. Die Polizisten hätten in der Wohnung ein Luftdruckgewehr und eine Luftdruckpistole sichergestellt, sagte Robert Ryczko, Polizeieinsatzleiter während des Papstbesuchs, am Samstag. Der 1981 in Erfurt geborene und in Berlin lebende Verdächtige sei nicht vorbestraft.

Verletzt worden sei niemand. Nach Angaben Ryczkos hatten Polizisten nach einer ersten Information über Schüsse erst herausfinden müssen, aus welcher Wohnung sie abgegeben wurden. Danach sei es nicht gelungen, mit dem Mann Kontakt aufzunehhmen, so dass die Polizisten schließlich gewaltsam in die Wohnung eingedrungen seien. Der Festgennommene sei nicht der Mieter der Wohnung. Gegen ihn werde wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Die Schüsse waren zwischen 07.00 und 08.00 Uhr mehrere hundert Meter entfernt vom Domplatz abgegeben worden, wo um 09.00 Uhr die Messe mit Papst Benedikt XVI. begann. Der hatte Mann nach Angaben der Polizei mit einem Luftdruckgewehr an einer Vorkontrollstelle viermal auf Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes geschossen.

Die Vorkontrollstelle liegt im äußeren Bereich des erweiterten Sicherheitsbereiches. Bei der Messe mit Papst Benedikt war von dem Vorfall nichts zu spüren. Die Straße, die auch in der Nähe des Augustinerklosters liegt, war von Polizeibeamten abgesperrt.

Sicherheitsvorkehrungen in Freiburg werden nicht verschärft

Die Schüsse aus einem Luftdruckgewehr am Rande des Papstbesuchs in Erfurt haben keine Auswirkungen auf die Sicherheitsvorkehrungen in Freiburg. „Ich denke, dass die Sicherheitsvorkehrungen, die man bisher getroffen hat, ausreichend sind“, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Für den Papstbesuch seien insgesamt 16 000 Helfer in der Stadt, darunter 4000 Einsatzkräfte der Polizei. Am Samstag und Sonntag werden mehr als 100.000 Menschen in Freiburg erwartet.

Tausende begrüßen Benedikt XVI. in Freiburg

Rund 20.000 Menschen haben in Freiburg Papst Benedikt XVI. begrüßt. Auf dem Weg zum Münsterplatz nahm sich der Papst am Samstag Zeit für die rund 200 Meter lange Strecke im Papamobil, winkte und segnete die Menschen. Es war ein freundlicher Empfang für Benedikt XVI. auf der dritten Station seiner Deutschlandreise, nur vereinzelt wurden kritische Stimmen laut.

Nach Berlin und Thüringen will das katholische Kirchenoberhaupt auch in Freiburg Zeichen des Glaubens setzen.

Nach der Fahrt durch die Menge zog sich der Papst zum Gebet zurück. Im Münster wollte er gemeinsam mit rund 600 Gläubigen und seinem Privatsekretär Georg Gänswein zur Ruhe kommen. Dieser ist in Freiburger Münster 1984 zum Priester geweiht worden.

Die Menschen hatten zuvor oft lange an Absperrgittern in der engen Freiburger Innenstadt ausgeharrt, um den Papst zu sehen. Um sich die Zeit zu vertreiben, sangen einige Kirchenlieder.

Allerdings fiel der Andrang längst nicht so groß aus wie erwartet: Bis zuletzt konnten Schaulustige an die Strecke kommen. Eigentlich hatten die Behörden erwartet, dass die Zugänge schon Stunden vor der Ankunft des Papstes wegen Überfüllung gesperrt werden müssten. Es war Platz für 25 000 Menschen.

Benedikt XVI. hat Erinnerungen an den imposanten Münster, das Wahrzeichen der badischen Universitätsstadt. Er war zuletzt, fast auf den Tag genau, vor 33 Jahren hier. 1978 war er im Freiburger Münster gemeinsam mit Mutter Teresa beim Deutschen Katholikentag zu

Papst in Baden-Württemberg eingetroffen

Papst Benedikt XVI. in Baden-Württemberg eingetroffen. Die Maschine der Flugbereitschaft der Bundeswehr landete bei strahlendem Sonnenschein rund 20 Minuten zu früh auf dem ehemaligen Militärflughafen Lahr.

Das Kirchenoberhaupt wurde am dritten Tag seiner Deutschlandreise von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch sowie Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon empfangen. Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sowie Vertreter des Freiburger Domkapitels begrüßten das Kirchenoberhaupt.

Benedikt XVI. ist der erste Papst, der Freiburg besucht. Mit seinen zwei Millionen Katholiken gehört das Erzbistum Freiburg zu den größten der 27 Diözesen in Deutschland. Gastgeber ist Erzbischof Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Anschließend fährt der Konvoi des Papstes über die gesperrte Autobahn A5 die rund 60 Kilometer bis Freiburg.

Zollitsch betonte vorab in einem Zeitungsinterview, dass der Freiburgbesuch für den Papst zu einem bleibenden Erlebnis wird. Freiburg werde sich von seiner schönsten Seite zeigen, sagte er der „Badischen Zeitung“. Der Papst werde große Gastfreundschaft erleben und spüren, dass die Menschen mit Freude gemeinsam mit dem Kirchenoberhaupt Gottesdienst feiern wollten. Zollitsch zeigte sich zugleich überzeugt, dass der Papst auch die Sympathie der Freiburger gewinnen werde. „Die Art und Weise, wie er auftritt, lässt die Menschen spüren: Hier kommt nicht ein Kirchenfürst, hier kommt auch niemand mit erhobenem Zeigefinger.“ Vielmehr komme Benedikt XVI. als Mann, „der für eine Wahrheit steht, die über diese Welt hinausweist, und der dies in einer schlichten, gewinnenden, freundlichen Weise vermittelt“.

Mit dem Läuten der „Gloriosa“ im Mariendom ist am Samstagmorgen die rund zweistündige Heilige Messe mit Papst Benedikt VXI. zu Ende gegangen. Die größte freischwingende Glocke des Mittelalters wird nach zwei komplizierten Reparaturen nur noch an wenigen Höhepunkten des Kirchenjahres geläutet. Die rund 11,5 Tonnen schwere und 2,5 Meter hohe Bronzeglocke zeichnet sich durch ihren einzigartigen Klang und Nachhall aus. Der Niederländer Gerhardus de Wou hat sie in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 1497 oberhalb der 70 Domstufen zwischen Dom und Severikirche gegossen. Sie gilt als der Höhepunkt der Glockengießerkunst im Mittelalter und trägt den Namen „Mutter aller Glocken“. Bei strahlendem Wetter lobte der Papst den Widerstand vieler Christen gegen das DDR-Regime. Viele seien trotz aller persönlichen Nachteile Christus und der Kirche treu geblieben. Die politischen Veränderungen des Jahres 1989 seien „nicht nur durch das Verlangen nach Wohlstand und Reisefreiheit motiviert“ gewesen, sondern auch „entscheidend durch die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit“.

Der rund 900 Kilogramm schwere Klöppel hatte über die Jahrhunderte seine Spuren an der Gloriosa hinterlassen. Im Jahr 1985 war sie erstmals bei einer gewagten Reparatur in ihrer Glockenstube geschweißt worden. Westdeutsche Experten hatten damals ihr Können in dieser grenzübergreifenden Rettungsaktion eingebracht. 2004 war ein weiterer Riss entdeckt worden. Diesmal entschieden sich die Glockenexperten und Denkmalpfleger zu dem Wagnis, die „Glorreiche“ in einer Werkstatt in Bayern reparieren zu lassen. Dafür musste extra das Mauerwerk des Mittelturmes geöffnet werden, um die „Gloriosa“ herunterlassen und auf einem Tieflader nach Bayern transportieren zu können

Vor 28.000 Gläubigen hat am Samstagmorgen die rund zweistündige Heilige Messe mit Papst Benedikt XVI. begonnen. Vor dem Gesang „Lobe den Herren“ zog die Prozession mit dem Papst vor die Altarstufen. Auch die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, und EKD-Präses Katrin Göring-Eckardt, wurden als Gäste begrüßt. Der feierliche Gottesdienst wird von rund 250 Priestern mitgestaltet. 30 Gläubige sollen vom Papst selbst die Kommunion empfangen

Mit einer Fahrt im Papamobil durch Erfurt hat Papst Benedikt XVI. den dritten Tag seiner Deutschlandreise begonnen. Das katholische Kirchenoberhaupt wollte am Vormittag auf dem Domplatz einen Gottesdienst mit 30.000 Gläubigen feiern. Danach wurde er zu einem zweitägigen Besuch in Freiburg erwartet.

Tausende Pilger strömen seit dem frühen Samstagmorgen zum Domplatz in Erfurt, wo sie mit Papst Benedikt XVI. eine Heilige Messe feiern wollen. Dafür ist auf dem großen Platz vor dem imposanten Ensemble von Dom und Severikirche eine Altarbühne aufgebaut worden. Gerechnet wird mit etwa 30.000 Pilgern.

Für die Messe wurde wegen der Zugänge durch enge Gassen in der Erfurter Altstadt aus Sicherheitsgründen die Zahl der Karten beschränkt. Der Domplatz der Thüringer Landeshauptstadt soll für bis zu 100.000 Menschen Platz bieten.

Am dritten Tag seiner Deutschlandreise feiert Benedikt XVI. bereits die dritte Messe mit Gläubigen. Im Nordthüringer Etzelsbach waren es am Freitagabend etwa 90.000 Pilger.

( dpa/ep/dapd/KNAnbo )