Benedikt XVI.

So war der Berlin-Besuch des Papstes

Papst Benedikt XVI. startet in Berlin seinen viertägigen Deutschlandbesuch. Während sich Tausende zur Anti-Papst-Demonstration auf dem Potsdamer Platz eingefunden haben, hat der Papst mit zahlreichen Gläubigen die Heiligen Messe im Olympiastadion gefeiert.

+++ 21:10 Uhr Papst beendet ersten Besuchstag +++ +++

Knapp elf Stunden nach seiner Landung in Berlin und einem prall gefüllten Tagesprogramm ist Papst Benedikt der XVI. am Abend in der Apostolischen Nuntiatur angekommen. In der Vertretung des Vatikans in Berlin-Neukölln übernachtet der Pontifex, bevor er am Freitagvormittag nach Erfurt weiterfliegt. Bei einer Messe im Olympiastadion hatte Benedikt zuvor die Katholiken eindringlich dazu aufgerufen, trotz Negativschlagzeilen zu ihrer Kirche zu stehen. Vor der Nuntiatur hatten sich mehrere dutzend Demonstranten und Schaulustige versammelt. Es blieb aber ruhig.

+++ 20:10 Uhr +++ Die Messfeier ist vorbei +++

Papst Benedikt XVI. hat seine Messe im Berliner Olympiastadion mit einem lateinischen Segensspruch beendet. Nach dem fast zweistündigen Gottesdienst entließ der Pontifex die 61.000 Gläubigen mit den Worten: „Benedicat vos omnipotens Deus: Pater et Filius et Spiritus Sanctus - Es segne Euch der allmächtige Gott: Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.“ Auch einen Teil der Liturgie hatte der Papst schon in lateinisch gelesen. In den meisten deutschen Kirchen ist das nicht mehr üblich.

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+++ 20:00 Uhr +++ Am U-Bahnhof Südstern singen 40 Frauen dem Papst ein "Schlaflied" +++

40 Frauen, die als Magierinnen verkleidet sind tanzen vor dem U-Bahnhof Südstern um Kerzen und singen Lieder. Sie singen dem Papst ein Schlaflied weil, er ihre Meinung nach einige Veränderungen der Neuzeit verschlafen hat. Eine Teilnehmerin sagte zu Rede des Papstes: "Ich fand die Rede des Papstes gut. Aber er muss sein Herz öffnen für alles, was anders ist."

Mehrere tausend Menschen haben in Berlin gegen den Besuch des Papstes demonstriert. Der Protest zum Auftakt des Deutschlandbesuches von Benedikt XVI. fiel im Zentrum der Hauptstadt aber geringer aus als angekündigt. Die Polizei sprach von 9000 Demonstranten. Die Veranstalter nannten am Abend die Zahl von15.000 Teilnehmern. Die Papstkritiker hatten bis zu 20.000 Menschen erwartet. Ein Polizeisprecher zeigte sich am Abend zufrieden. Es seien nur einige Platzverweise erteilt worden, weil Demonstranten Absperrungen ignorierten. Ein Demonstrant sei wegen Beleidigung angezeigt worden, weil er ein Plakat mit der Aufschrift „Schweinepriester“ trug. Rund 6000 Polizisten waren im Einsatz, darunter Beamte aus anderen Bundesländern sowie von der Bundespolizei.

+++ 19:28 Uhr +++ "Wer glaubt, ist nicht allein" +++

Papst Benedikt XVI. hat die deutschen Katholiken dazu aufgerufen, trotz des Missbrauchsskandals und anderer Missstände nicht aus der Kirche auszutreten. Wer die „leidvolle Erfahrung“ mache, „dass es in der Kirche gute und schlechte Fische, Weizen und Unkraut gibt“, und seinen „Blick auf das Negative fixiert“, verstehe das „große und tiefe Mysterium der Kirche nicht mehr“, sagte der Papst am Donnerstagabend in der Messe. Vor die Entscheidung, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen oder die Kirche zu verlassen, sei jeder Gläubige gestellt. „In Christus bleiben“ heiße aber, „auch in der Kirche bleiben“.

Manche blieben „mit ihrem Blick auf die Kirche an ihrer äußeren Gestalt hängen“, kritisierte der Papst. Dann erscheine die Kirche „nur mehr als eine der vielen Organisationen innerhalb einer demokratischen Gesellschaft“, nach deren Maßstäben und Gesetzen sie dann auch zu behandeln sei. Dadurch verbreiteten sich „Unzufriedenheit und Missvergnügen“, sagte der Papst. Dies gelte insbesondere in einer „Zeit der Rastlosigkeit und Beliebigkeit, wo so viele Menschen Orientierung und Halt verlieren, wo die Treue der Liebe in Ehe und Freundschaft so zerbrechlich und kurzlebig geworden ist“. „Wer glaubt, ist nicht allein“, sagte der Papst.

+++ 19:03 Uhr +++ 61.000 statt 70.000 Teilnehmer +++

Nach aktualisierten Angaben des Erzbistums Berlin nehmen an dem Gottesdienst im Olympiastadion 61.000 Menschen teil, nicht 70.000. Es waren zwar 70.000 Karten ausgegeben worden, aber rund 9000 Menschen blieben am Donnerstag daheim.

+++ 18:31 Uhr +++ Die Heilige Messe beginnt +++

Die Musik setzt an. Die Gläubigen erheben sich von ihren Plätzen. Das Kirchenpersonal betritt feierlich das Stadion. Die rund zweistündige Messe mit Papst Benedikt XVI. beginnt.

Auch Bundespräsident Christian Wulff, Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) und viele Kabinettsmitglieder kamen zum Papst-Gottesdienst. Der feierliche Gottesdienst wurde von rund 800 Priestern und Helfern mitgestaltet. Wegen des großen Interesses war der Gottesdienst vom Schloss Charlottenburg ins Olympiastadion verlegt worden.

+++ 18:30 Uhr +++ Für Berlins Erzbischof Rainer Maria ist Berlin "keine gottlose Stadt“ +++

Berlins Erzbischof Rainer Maria Woelki hat bei der Messe mit Papst Benedikt XVI. die abnehmende Bindung der Menschen an die Kirche angesprochen. Im Olympiastadion sagte Woelki am Donnerstagabend: „Heiliger Vater, Sie kommen heute in eine Stadt, in der nur noch etwa jeder Dritte einer christlichen Kirche angehört. Sie kommen in eine Stadt, die auch geprägt ist von Gottvergessenheit und von Atheismus.“ Allerdings suchten auch viele Menschen nach dem Glauben, sagte der Berliner Erzbischof. „Unsere Stadt ist also keine gottlose Stadt.“

Zudem betonte Woekli die Bedeutung der Ökumene für die Hauptstadt. Sie sei „kein Höflichkeitsprotokoll“, sagte er. „Sie bleibt vielmehr lebens-, ja überlebenswichtig für unsere christliche Existenz und für unser authentisches Zeugnis als Christen.“

+++ 18:29 Uhr +++ Der Papst bekommt zahlreiche Geschenke +++

Der Papst bekommt ein Fenster und einen Nauheim geschenkt. Die Stimmung ist weiterhin sehr gut. Es gibt "Benedetto" rufe von der einen Seite des Stadions zur anderen. Berlins Erzbischof Rainer Maria Woelki schenkte dem Papst außerdem das „Plötzenseer Diptychon“, das aus einem alten Fenster aus dem Gefängnis Berlin-Plötzensee gefertigt wurde. In dem Gebäudekomplex wurden während des Nationalsozialismus Todesurteile vollstreckt. Das zweiteilige Bild zeigt vor der Silhouette eines Hauses Namen von Tätern und Opfern. Im Namen von jugendlichen Ministranten aus Berlin bekam das Kirchenoberhaupt auch einen Bauhelm geschenkt. „Sie wollen mitbauen am Reich Gottes, an seiner Kirche“, sagte Woelki.

+++ 18:26 Uhr +++ Es fängt an zu regnen +++

Schluss mit dem Königswetter zum Papstbesuch. Kurz vor dem Beginn der Messe fängt es an zu regnen. Doch die Gläubigen sind gut vorbereitet. Alle greifen zu durchsichtigen Regencapes, die vorher verteils wurden.

+++ 18:12 Uhr +++ Wowereit begrüßt Papst - Eintrag ins Goldene Buch +++

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat Papst Benedikt XVI. in der Bundeshauptstadt begrüßt. Der Papst trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Wowereit, der sich offen zu seinem Schwulsein bekennt, hatte bereits im Vorfeld deutlich gemacht, dass er das Thema bei dem kurzen Treffen nicht ansprechen wird. Die katholische Kirche hält homosexuelle Beziehungen für Sünde.

+++ 18:07 Uhr +++ Der Papst segnet Babys im Papamobil +++

Der Papst bekam mehrere Babys in das Papamobil gereicht, die er segnete. Die vielen Gläubigen, die im Stadion bunte Fahnen schwenkten, kamen aus Deutschland und benachbarten Ländern.

+++ 18:02 Uhr +++ Der Papst fährt mit dem Papamobil im Olympiastadion ein +++

Papst Benedikt XVI. hat zum Auftakt seiner Messe im Berliner Olympiastadion die rund 70 000 Gäste begrüßt. Im schusssicheren Papamobil fuhr der 84-Jährige am Donnerstag auf der Innenbahn einen sogenannten Giro, eine Runde, um den Gläubigen zuzuwinken.

Im Anschluss wollte er gemeinsam mit 800 Priestern und Helfern einen glanzvollen Gottesdienst feiern. Allein 84 Kardinäle und Bischöfe hatten sich angemeldet. Das Olympiastadion, in dem sonst der Bundesligist Hertha BSC spielt, war Kirchenangaben zufolge bis auf den letzten Platz ausverkauft. Im Ausland war vor dem Papstbesuch besonders die Nazi-Vergangenheit des Stadions hervorgehoben worden.

+++ 17.50 Uhr +++ Feierliche Stimmung und Vicky Leandros im Olympiastadion +++

Langsam wird es feierlich, der Chor singt und immer mehr Messdiener strömen die Treppe am osttor herunter, die Plätze sind zwei drittel gefüllt. Überall wird allerdings immer nich gequatscht, Andacht ist anders. Und Vicky Leandros ist auch da. Sie singt nicht. Die größten Gruppen im Stadion sind die Bayern, Kroaten und Polen.

+++ 17.35 Uhr +++ Zentrale Anti-Papst-Demo in Berlin beginnt +++

Die zentrale Berliner Anti-Papst-Demonstration hat auf dem Potsdamer Platz mit der Auftaktkundgebung begonnen. Nach Schätzung der Polizei fing sie mit über 2.500 Teilnehmern an. Die Veranstalter, ein Aktionsbündnis von rund 70 Verbänden und Gruppierungen, hatten bis zu 20.000 angemeldet. Sie erwarten auch Abgeordnete von SPD, Grünen und Linkspartei, die an der zeitgleich stattfindenden Papstrede im Bundestag nicht teilnehmen oder sich danach den Protesten anschließen wollen.

An der Demonstration unter dem Motto „Keine Macht den Dogmen“ beteiligen sich unter anderem Lesben- und Schwulenvereinigungen sowie Freidenkerverbände, Frauenrechtsgruppen und Pro Familia. Auch Vereinigungen von Missbrauchsopfern nehmen an einem weiß maskierten „Block der Gesichtslosen“ teil.

Rednerinnen und Redner der Veranstalter kritisierten unter anderem die katholische Sexualmoral und die Zusammenarbeit von Staat und Kirche. Die bekannte Theologin Uta Ranke-Heinemann, eine Studienkollegin von Benedikt XVI., monierte die Verbrechen der Kirche gegen Homosexuelle und sagte, der Papst sei der "größte Vertuscher“ dieser Verbrechen. Ihr Auftritt wurde mit tosendem Applaus quittiert. Der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, Frieder Otto Wolf, kritisierte: "Deutschland hat einen großen Nachholbedarf in der Trennung von Stadt und Kirche“.

Während der Demonstration verteilen einzelne Protestler Kondome unter den Zuhörern. Viele Teilnehmer haben Transparente mitgebracht.

+++ 17.20 Uhr +++ Olympiastadion füllt sich vor Heiliger Messe +++

Das Olympiastadion füllt sich langsam, die Atmosphäre entspricht freudiger Erwartung, viele schauen sich die Rede des Papstes auf den großen Leinwänden an.

Vor dem Stadion haben sich lange Schlangen vor den Currywurst-Ständen gebildet. Die Atmosphäre hat etwas von Fußballspiel. Der Papst ist nur noch genau 9,6 Kilometer - die Strecke vom Reichstag bis zum Stadion - entfernt.

+++ 17.17 Uhr +++ Andrea Nahles lobt Papstrede +++

"Sehr angetan“ hat sich SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles von dem Papst-Auftritt im Bundestag gezeigt. „Es war eine sehr kluge, stellenweise humorvolle und selbstironische Rede“, sagte die bekennende Katholikin. Der Anspruch an die Zuhörer sei sehr hoch gewesen.

+++ 17.15 Uhr +++ Papst ruft zur Rückbesinnung auf christliche Werte auf +++

Papst Benedikt XVI. hat die Politiker im Bundestag zur Rückbesinnung auf die religiösen Wurzeln Europas aufgerufen. Im Glauben liege der Schlüssel, Gutes und Böses unterscheiden zu können und so der Gerechtigkeit und dem Frieden zu dienen, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Donnerstag im Reichstag. Gegenwärtig aber werde die Welt fast nur noch in Kategorien wissenschaftlicher Erkenntnisse bewertet. Innerhalb dieser Denkweise seien aber moralische Erkenntnisse kaum möglich. „Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht“, sagte Benedikt und ergänzte, mit seiner Rede wolle er eine dringend notwendige öffentliche Diskussion darüber anstoßen.

-> Hier finden Sie die komplette Rede des Papstes im Wortlaut

+++ 17.05 Uhr +++ Papst findet lobende Worte für die Grünen +++

Der Papst spricht über die Grünen: "Ich würde sagen, dass das Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht überhören darf und nicht beiseite schieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet. Jungen Menschen war bewusst geworden, dass irgendetwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt."

"Es ist wohl klar, dass ich hier nicht Propaganda für eine bestimmte politische Partei mache – nichts liegt mir ferner als dies", stellt der Papst klar.

+++ 16.48 Uhr +++ Fast zwei Drittel der Linken bleiben Papst-Rede fern +++

Dutzende Abgeordnete sind der Papst-Rede im Bundestag fern geblieben. Nur 28 der 76 Plätze der Linksfraktion waren am Donnerstag besetzt. Damit boykottierten noch deutlich mehr Linke als erwartet die Rede. Die meisten anwesenden Abgeordneten der Fraktion trugen rote Aids-Schleifen.

Bei SPD und Grünen waren die Reihen dagegen relativ dicht besetzt. Der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele verließ nach den ersten Sätzen von Papst Benedikt XVI. den Plenarsaal. Von Union und FDP waren mit Ausnahme einzelner Fraktionsmitglieder, die entschuldigt fehlten, alle Abgeordneten anwesend.

+++ 16.50 Uhr +++ Papst appelliert im Bundestag an Verantwortung der Politik +++

Papst Benedikt XVI. hat in seiner mit Spannung erwarteten Rede im Bundestag die Verantwortung eines jeden Politikers für Gerechtigkeit und Frieden betont. „Sein letzter Maßstab und der Grund für seine Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein“. Unter Verweis auf die Rechtsbeugungen in der Nazi-Herrschaft betonte der Papst vor den nicht ganz voll besetzten Abgeordnetenreihen, dass geltendes Recht in Wahrheit auch Unrecht sein könne. Er würdigte außerdem die Widerstandskämpfer gegen das Naziregime. Sie hätten wie alle anderen Menschen, die gegen totalitäre Systeme vorgingen, „dem Recht und der Menschheit als ganzer einen Dienst erwiesen“, sagte er.

In den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen gehe, reiche das Mehrheitsprinzip nicht aus. Der Papst ging nicht direkt auf die bioethischen Debatten über Stammzellforschung und Präimplantationsdiagnostik ein, betonte aber: „Der Mensch kann die Welt zerstören. Er kann sich selbst manipulieren. Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen.“

+++ 16.39 Uhr +++ Knapp drei Minuten Applaus +++

Der Papst betritt das Plenum, die Abgeordneten applaudieren, fast drei Minuten lang. Dann nimmt der Gast Platz. Papst Benedikt sitzt im Plenum des Bundestages auf einem eigens hereingestellten Stuhl, neben ihm Bundespräsident Christian Wulff. Bundestagspräsident Norbert Lammert heißt den Papst willkommen. In seiner Rede spricht Lammert auch über die Trennung von Staat und Kirche. Und sagt: Diese Errungenschaft der Aufklärung gehöre zu den „unaufgebbaren Fortschritten unserer Zivilisation“.

+++ 16.26 Uhr +++ Der Papst im Reichstag +++

Die Kolonne ist angekommen, Papst Benedikt XVI. hat den Berliner Reichstag betreten. Er wird in das Gebäude begleitet. Ihm folgen zahlreiche Kardinäle, darunter auch der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki.

+++ 16.25 Uhr +++ Nur einige hundert Demonstranten statt 20.000 +++

Zeitgleich zum Beginn der Papstrede im Reichstag soll sich der angekündigte Protestzug durch Berlin-Mitte bewegen - es sind aber nur einige hundert Demonstranten gekommen, die Veranstalter hatten zuvor angegeben, sie würden bis zu 20.000 Menschen erwarten. Die Demonstranten versammelten sich nach einem Aufruf des Bündnisses „Der Papst kommt“ am Potsdamer Platz, um gegen die nach ihrer Überzeugung frauenfeindliche, gesundheitsschädliche und sexualfeindliche Politik des Vatikans zu protestieren. Kritisiert wurden konkret das Kondomverbot und die Rolle der Frau in der katholischen Kirche. Die Veranstalter sprachen von zunächst etwa 1500 Teilnehmern, die Polizei von mehreren hundert Demonstranten.

Der Protestzug sollte am Denkmal für die in der NS-Zeit ermordeten Schwulen und Lesben vorbeiführen. Anschließend wollten die Demonstranten am Holocaust-Mahnmal vorbei und über den Boulevard „Unter den Linden“ ziehen. Die Abschlusskundgebung ist für 19 Uhr vor der katholischen St. Hedwigs-Kathedrale geplant. Zu dem Bündnis „Der Papst kommt“ hatten sich insgesamt etwa 65 Vereinigungen, vor allem Frauen- und Homosexuellenorganisationen, aber auch die Deutsche Aids-Hilfe und der Humanistische Verband zusammengeschlossen. Ursprünglich hatten sie ihre Protestveranstaltung vor dem Brandenburger Tor geplant. Wegen Sicherheitsbedenken wurde der Platz unweit des Bundestages, in dem Benedikt am Nachmittag seine mit Spannung erwartete Rede halten wollte, nicht für die Protestaktion genehmigt.

+++ 16.15 Uhr +++ Papst wird im Reichstag erwartet +++

Die Scheidemannstraße vor dem Reichstag ist gesperrt, Polizisten stehen auf der Fahrbahn, ebenso wie auf der Paul-Löbe-Allee. Im Reichstag ist die Besuchertribüne dicht besetzt: Kirchenvertreter - katholisch, evangelisch, orthodox - sitzen dort, dazu Politiker. Das Bundeskabinett ist da, man unterhält sich.

+++ 15.18 Uhr +++ Ein wenig Protest am Brandenburger Tor +++

Bevor der Papst um 16.15 Uhr im Reichstag spricht, kommt er zuvor am Brandenburger Tor vorbei. Dort haben sich einige wenige Demonstranten versammelt. Eine Gruppe mit Transparent ("Der Papst ist der Antichrist") verteilt Handzettel und spricht mit Passanten.

Polizisten stehen dicht an dicht, es ist ruhig. Die Missbrauchsopfer-Organisation Netzwerk B hat einen großen roten Ball aufblasen lassen und vor das Tor gelegt. Das soll etwas symbolisieren, sagt Norbert Denef, der Vorsitzende von Netzwerk B, nämlich dass sich Missbrauchsopfer wie bloße Spielbälle vorkommen.

Auch wenn der Papstprotest klein ist: Die Sperrungen werden vorerst bleiben, unter Umständen bis 23 Uhr, sagt ein Polizist.

+++ 14.47 Uhr +++ Papst ruht sich in Neukölln aus

Um 14.40 Uhr ist der Papst in der Apostolischen Nuntiatur in Berlin-Neukölln eingetroffen. Dort ruht er sich vor seiner Rede im Bundestag etwas aus. Die Gegend ist zwischen 13 und 16 gesperrt. Dies traf am frühen Nachmittag auch Anwohner. So konnte Regina Michalik ihre Wohnung in der Lilienthalstraße nur unter Begleitung der Polizei erreichen. Sie beklagte, dass darüber zuvor nicht informiert wurde.

+++ 14.26 Uhr +++ Vatikansprecher lobt Wulffs Begrüßungsrede

Vatikansprecher Federico Lombardi hat die Rede von Bundespräsident Christian Wulff zum Empfang von Papst Benedikt XVI. in Berlin als „klar und ehrlich“ gelobt. Der Papst habe Wulffs Worte „sehr geschätzt“ und dies auch zum Ausdruck gebracht, indem er die Ansprache abweichend von seinem Redemanuskript als „tief“ bezeichnet habe, sagte Lombardi am Donnerstag wenige Stunden nach Ankunft des Papsts in Berlin. Wulff hatte in seiner Rede in Frageform heikle Themen wie den Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von der Kommunion und die Probleme in der Ökumene angesprochen.

+++ 14.06 Uhr +++ Ruhe vor dem Ansturm aufs Olympiastadion

Für die Fahrt des Papstes ins Olympiastadion am Donnerstagnachmittag hat die Polizei mehrere Routen vorbereitet. „Wenn es Störungen auf einer Strecke gibt, können wir flexibel reagieren“, sagte ein Sprecher. Aus Sicherheitsgründen werde die Route vorab nicht bekanntgegeben. Im Olympiastadion wird der Papst am Abend eine Messe mit mehr als 70.000 Gläubigen feiern. Zur Mittagszeit war es dort allerdings noch ruhig. Die Wirtin von der Imbiss-Gaststätte direkt vorm Stadion zeigte sich gelassen. Solche Mega-Events sei sie vom Fußball gewohnt, allerdings habe sie heute noch kein einziges Bier verkauft - bei Fußballspielen sei das ganz anders.

+++ 13.50 Uhr +++ Frühere Heimkinder demonstrieren am Brandenburger Tor

Am Brandenburger Tor in Berlin haben knapp 100 frühere Heimkinder und Missbrauchsopfer gegen den Papst-Besuch demonstriert. Eine meterhohe Nonnenfigur aus Pappe trug in der einen Hand ein Kreuz, in der anderen einen Stock. Auf der Figur stand: „Nie wieder“. Die Demonstranten zeigten sich in schwarzen T-Shirts. Peter Bringmann-Henselder von der Bürgerinitiative „Kinder in Heimen“ sagte: „Wir wollen den Opfern Mut machen, Gesicht zu zeigen. Der größte Teil der Heimkinder, die missbraucht wurden, hat sich bislang nicht offenbart.“ Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hatte weltweit Erschütterung und Protest ausgelöst.

+++ 13.11 Uhr +++ Papst trifft Kanzlerin Merkel - Erster Zwischenfall (Update 13.44 Uhr)

Papst Benedikt XVI. ist am Mittag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Meinungsaustausch zusammengekommen. Das katholische Kirchenoberhaupt und die Kanzlerin trafen sich am Sitz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin. Vor dem Haus ist es zu einem ersten kleinen Zwischenfall gekommen. Aus einem gegenüberliegenden Wohnhaus hisste ein Bewohner aus dem Fenster eine rund einen Meter lange Pappe mit der Aufschrift „Ratzi fuck off“. Darauhin drangen mehrere Polizisten in das Haus ein. Wenig später war das selbstgemachte Plakat an dem Haus nicht mehr zu sehen. Der Bewohner hatte es nach Aufforderung freiwillig entfernt. Ob der Zwischenfall Konsequenzen für den Protestierer haben wird, konnte die Polizei vor Ort nicht sagen.

+++ 12.51 Uhr +++ Polizei meldet bis zum Mittag keine Zwischenfälle

Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Berlin ist aus Polizeisicht bis zum Mittag ruhig und ohne Zwischenfälle verlaufen. „Wir sind zufrieden mit dem bisherigen Verlauf“, sagte Polizeisprecher Volker-Alexander Tönnies. Die Polizei hat nach seinen Angaben umfangreiche Vorkehrungen für die Sicherheit des Staatsgastes getroffen. Insgesamt sind 6.000 Beamte von Bund und Ländern im Einsatz. Berliner und Touristen mussten sich indes in Mitte, Charlottenburg und Neukölln auf heftige Verkehrseinschränkungen einstellen. An den Orten, die der Papst im Laufe des Tages besuchen sollte, waren weiträumige Absperrungen eingerichtet. Zudem gab es immer wieder kurzzeitige Sperrungen, wenn der Papst mit seiner Kolonne in der Stadt unterwegs war. Der Verkehr laufe aber gut, sagte der Polizeisprecher. „Wir haben den Eindruck, dass sich die Berliner auf die besondere Situation eingestellt haben“. Von Chaos könne keine Rede sein, fügte er hinzu.

+++ 12.15 Uhr +++ Schaulustige vor dem Haus der Deutschen Bischofskonferen

An der Hannoverschen Straße / Ecke Friedrichstraße sammelten sich am Mittag rund hundert Schaulustige hinter der abgesperrten Straße. Nach seinem Empfang bei Bundespräsident Christian Wulff wollte Benedikt XVI. im dort gelegenen Haus der Deutschen Bischofskonferenz Bundeskanzlerin um 12.50 Uhr Angela Merkel zum Gespräch empfangen, die um 12.42 an der Hannoverschen Straße eintraf.

+++ 11.58 Uhr +++ Papst zeigt Verständnis für Proteste

Papst Benedikt XVI. hat zum Auftakt seines Berlin-Besuchs Verständnis zu den Protesten und der Opposition im Bundestag geäußert „Das ist normal in einer freien Gesellschaft,“ sagte er beim Empfang im Schloss Bellevue. Dagegen sei nichts zu sagen, wenn man es denn auf zivile Weise tue. Er komme gerne. „Ich bin in Deutschland geboren, die Wurzel kann und soll nicht abgeschnitten werden“, fügte er hinzu. Dies gelte auch nun, da er oberste Verantwortung für die Weltkirche trage.

+++ 11.37 Uhr +++ Rangnick liegt vor dem Papst +++

"Trending Topics" sind die Phrasen, die bei Twitter besonders viele Nutzer gebrauchen - dazu gibt es eine ständig aktualisierte Hitliste. Am Tag des Papstbesuches steht " Papst Benedikt XVI. " ganz oben - allerdings nicht auf Platz eins: Den hält der Hashtag " #rangnick " - der Rücktritt des Trainers von Schalke 04 wegen "geistiger Erschöpfung" ist das Top-Thema.

+++ 11.36 Uhr +++ Papst beklagt Gleichgültigkeit gegenüber Religion +++

Nach seiner Eintragung ins Gästebuch des Bundespräsidenten hat Papst Benedikt XVI. eine zunehmende Gleichgültigkeit in der Gesellschaft gegenüber der Religion beklagt. Für das Zusammenleben der Menschen bedürfe es einer verbindlichen Basis, sonst lebe jeder nur noch seinen Individualismus, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Donnerstag bei der offiziellen Begrüßungszeremonie am Schloss Bellevue in Berlin. „Die Religion ist eine dieser Grundlagen für ein gelingendes Miteinander“, betonte der Papst. Bei seinem Deutschlandbesuch wolle er in erster Linie Menschen begegnen und über Gott sprechen.

>>> Die Rede des Papstes als Audio-Datei gibt es HIER

+++ 11:34 Uhr +++ Bundespräsident betont Verantwortung der Kirche +++

Beim Empfang des Papstes im Schloss Bellevue hat Bundespräsident Christian Wulff die Verantwortung der Kirchen und Religionsgemeinschaften in der modernen Welt betont. Kirche sei keine Parallelgesellschaft. „Sie lebt mitten in dieser Gesellschaft, mitten in dieser Welt und mitten in dieser Zeit“, sagte er bei seiner Wilkommensrede im Garten des Schlosses. Wulff sagte, bei den Menschen wachse angesichts von Ungerechtigkeit, ökologischen sowie wirtschaftlichen Krisen die Sehnsucht nach Sinn. Wulff sagte auch, die Kirche müsse sich auch immer mit ihrer Haltung zu Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen, dem Fehlverhalten von Amtsträgern und den Rollen von „Laien neben Priestern, Frauen neben Männern“ auseinandersetzen. Ausdrücklich lobte er den Dialogprozess in der katholischen Kirche in Deutschland, den diese unter dem Eindruck der bekanntgewordenen Missbrauchsskandale begonnen hatte.

>>> Wulffs Rede als Audio-Datei gibt es HIER

+++ 11.12 Uhr +++ Papst trifft in Schloss Bellevue ein +++

Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina begrüßen das Kirchenoberhaupt vor dem Schloss Bellevue. Hier wird der Papst eine Ansprache halten. Rund 1100 Gäste haben bereits im Schlosspark Platz genommen.

Nach der Rede ist etwa eine halbe Stunde für ein Gespräch mit Wulff vorgesehen. Auch eine Begegnung mit der Familie des Bundespräsidenten ist geplant. Der Katholik Wulff ist in zweiter Ehe verheiratet. Mit seiner Frau Bettina hat er einen gemeinsamen Sohn, Linus (3). Frau Wulff hat ihren Sohn Leander (8) mit in die Ehe gebracht.

Nach dem Gespräch mit Wulff trifft Papst Benedikt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen. Danach hält er eine mit Spannung erwartete Rede im Bundestag. Etwa 100 der 620 Parlamentarier kündigten an, der Rede fernzubleiben. Später am Tag ist eine Messe vor rund 70.000 Gläubigen im Olympiastadion vorgesehen.

+++ 10.43 Uhr +++ Begrüßung am Flughafen +++

Nach dem offiziellen Zeremoniell mit 21 Salutschüssen wurden der Papst und sein Gefolge unter anderem von Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, begrüßt. Kinder überreichten dem Papst Blumen in den Vatikan-Farben Gelb und Weiß. Auch ein Großteil des Bundeskabinetts schüttelte dem Papst die Hand, unter anderem Familienministerin Kristina Schröder, Verkehrsminister Peter Ramsauer und Vizekanzler Philipp Rösler.

Der Papst erhält während seines gesamten Besuchs die höchste Sicherheitsstufe. Laut Informationen werden allein in Berlin 6.000 Beamte bereitstehen. Auch an den anderen Orten der Reise ist das entsprechende Aufgebot groß.

+++ 10.17 Uhr +++ Papst ist gelandet +++

Papst Benedikt XVI. ist zu seinem ersten offiziellen Deutschlandbesuch in Berlin eingetroffen. Der Airbus A 320 der italienischen Fluggesellschaft Alitalia mit dem Kirchenoberhaupt an Bord landete überpünktlich um 10.17 Uhr auf dem Flughafen Tegel. Begleitet wurde die Papstmaschine von vier Jagdfliegern.

Auf dem Flughafen wird der Papst und sein Gefolge unter anderem von Bundespräsident Christian Wulff mit militärischen Ehren empfangen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, begrüßten den Heiligen Vater. Die offizielle Begrüßung ist anschließend im Berliner Schloss Bellevue vorgesehen.

Zu Beginn seiner Reise äußerte der Papst Verständnis für die wachsende Zahl von Kirchenaustritten in Deutschland vor allem seit Bekanntwerden der Missbrauchsskandale. In vielen Fällen handle es sich jedoch nur um Elemente in einer langen Reihe, die zur Entfernung von der Kirche geführt hätten. Kirche sei „kein Sport- oder Kulturverein“, der die Interessen seiner Mitglieder vertreten müsse, sondern ein Netz mit „guten und schlechten Fischen“, in dem es auch „schreckliche Skandale“ gebe.

+++ 10.07 Uhr +++ Zugunglück blockiert Bahnstrecke der Papst-Pilger

Das schwere Zugunglück in Bleicherode (Kreis Nordhausen) blockiert voraussichtlich den Anfahrtsweg für tausende Pilger auf dem Weg zur Papstmesse in Etzelsbach am Freitag. Die Bahnstrecke Halle-Göttingen ist nach dem Zusammenprall von zwei Gefahrgutzügen etwa 35 Kilometer östlich von Etzelsbach „bis auf weiteres gesperrt“, erklärte die Bundespolizei. Die Organisatoren des Papstbesuchs und die Deutsche Bahn AG konnten zunächst noch nichts zu den Auswirkungen sagen. Das Verkehrskonzept sah vor, dass Pilger an zwei Haltepunkten südlich von Etzelsbach aussteigen und einige Kilometer zu Fuß zur Messe gehen. Zu der Marienvesper mit Benedikt XVI. werden rund 60.000 Menschen erwartet.

+++ 9.53 Uhr +++ Berufsverkehr vor Papstbesuch in Berlin ungestört

Vor der Landung von Papst Benedikt XVI. auf dem Flughafen Berlin-Tegel lief der Berufsverkehr in der Hauptstadt normal. Das sagte ein Sprecher der Verkehrsmanagementzentrale (VMZ). Nach der Ankunft des Papstes - ab 10.30 Uhr - müssen sich die Autofahrer aber auf zahlreiche Verkehrseinschränkungen und Staus einstellen. Die VMZ empfiehlt deshalb, auf S- oder U-Bahn umzusteigen. Besonders eng könnte es im Regierungsviertel in Berlin-Mitte werden, außerdem rund um das Olympiastadion in Charlottenburg und die Nuntiatur in Kreuzberg, wo der Papst übernachtet. >> weitere Informationen

+++ 9.48 Uhr +++ Özdemir fordert Respekt für den Papst

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir hat die Abgeordneten des Bundestags zu einem respektvollen Umgang mit dem Papst aufgefordert und sich damit gegen Boykott-Aufrufe aus den Reihen des Parlaments gewandt. „Ich freue mich auf die Rede des Papstes im Bundestag und werde sie gespannt verfolgen“, sagte Özdemir der „Stuttgarter Zeitung“. Der Bundestag habe den Papst eingeladen, „und man sollte ihm in der Tradition guter Gastfreundschaft freundlich und höflich begegnen“.

+++ 9.33 Uhr +++ Linke-Chef Ernst fordert vom Papst Signal gegen Todesstrafe

Der Linke-Vorsitzende Klaus Ernst fordert von Papst Benedikt XVI. während dessen Deutschlandbesuch ein Bekenntnis gegen die Todesstrafe. Ernst kritisierte am Donnerstag die Hinrichtung des US-Amerikaners Troy Davis in der Nacht zuvor als „Akt der Barbarei vor den Augen der Welt“. Er hoffe, „dass der Papst in seiner Rede dazu die richtigen Worte findet und ein deutliches Signal für die weltweite Ächtung der Todesstrafe aussendet“, sagte der Parteichef. Der Papst soll am Nachmittag im Bundestag eine Rede halten. Er hatte sich in der Vergangenheit dafür ausgesprochen, das Todesurteil gegen Davis nicht zu vollstrecken.

+++ 9.06 Uhr +++ Lafontaine bricht Lanze für den Papst

Der ehemalige Linke-Parteivorsitzende Oskar Lafontaine hat eine Lanze für Papst Benedikt XVI. gebrochen. „Ich würde dem Papst zuhören, wenn ich im Bundestag wäre“, sagte Lafontaine. Viele wüssten nicht, dass der Papst geschrieben habe: „In vielem stand und steht der demokratische Sozialismus der katholischen Soziallehre nahe, jedenfalls hat er zur sozialen Bewusstseinsbildung erheblich beigetragen.“ – „So sehe ich das auch“, so Lafontaine. Zugleich warb der katholische Linken-Politiker um Verständnis für den Boykott der Papstrede im Bundestag durch die Hälfte seiner Fraktion: „Eine linke Partei ist immer eine laizistische Partei“; sie müsse die Trennung von Staat und Kirche befürworten.

+++ 8.58 Uhr +++ Thierse mahnt Reformen in der Katholischen Kirche an

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat Reformen in der Katholischen Kirche angemahnt. Das Zölibat müsse endlich vom Vatikan auf den Prüfstand gestellt werden, sagte Thierse am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin. Außerdem sei es nicht weiter tragbar, dass wiederverheiratete Geschiedene von der Kommunion ausgeschlossen werden. Frauen sollten im Gemeindeleben eine stärkere Rolle bekommen, das Verhältnis zur Evangelischen Kirche sollte überdacht werden. Der Vatikan müsse sich solchen Fragen öffnen und Konsequenzen ziehen. „Da hilft nicht immer nur ein angstvolles Nein aus Rom.“ Thierse ist Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

+++ 8.47 Uhr +++ Vatikansprecher: Papst weiß um geteilte Stimmung in Deutschland

Papst Benedikt XVI. weiß nach Worten von Vatikansprecher Federico Lombardi um die „geteilte Stimmung in Deutschland“ bei seinem Besuch. Er wisse, dass „viele ihn mit einer sehr positiven Haltung erwarten, und dass es andere gibt, die ihm sehr kritisch zuhören werden“, sagte Lombardi der „Bild“-Zeitung . Zum Missbrauchsskandal in Deutschland sagte der Vatikansprecher, die Linie Benedikts XVI. sei „klar für alle, die ihm zuhören“. Der Papst habe „von Scham und von einer Demütigung der Kirche gesprochen, von seinem eigenen Mitgefühl in Anbetracht des Leidens der Opfer“. Wichtig sei nun, dass die Kirche einen Beitrag leiste, damit solche Verbrechen künftig „in allen Bereichen der Gesellschaft verhindert“ würden. Der Runde Tisch in Deutschland scheine ihm „ein guter Anfang“.

+++ 8.21 Uhr +++ Papst mit Alitalia-Maschine in Rom gestartet

Papst Benedikt XVI. ist zu seinem viertägigen Deutschlandbesuch aufgebrochen. Gegen 8.15 Uhr startete das Kirchenoberhaupt an Bord eines Airbus A 320 der italienischen Fluggesellschaft Alitalia von Rom-Ciampino aus. Um 10.30 Uhr wird Benedikt XVI. auf dem Flughafen Berlin-Tegel erwartet, wo ihn Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßen.

+++ 7.56 Uhr +++ Erzbischof Woelki: Papst wird keine Reformen verkünden

Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki dämpft die Erwartungen an den Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland. Die viertägige Reise sei sicher nicht der Ort und der Anlass, um innerkirchliche Veränderungen zu verkünden, sagte Woelki am Donnerstagmorgen im ZDF-„Morgenmagazin“ wenige Stunden vor Eintreffen des Papstes in Berlin. Zugleich räumte Woelki ein, dass es Gesprächsbedarf über den Umgang mit wiederverheiraten Geschiedenen in der katholischen Kirche gibt, denen der Empfang des Abendmahls nicht erlaubt ist. „Da müssen wir sicher noch einmal darüber nachdenken“, sagte Woelki. Außerdem stellte der Erzbischof in Aussicht, dass der Papst während des Besuchs ähnlich wie bei vorangegangenen Auslandsreisen mit Missbrauchsopfern zusammentreffen könnte.

+++ 7.42 Uhr +++ Berliner Verkehrszentrale warnt vor Staus

Wegen des Besuchs von Papst Benedikt XVI. müssen sich Autofahrer in Berlin heute (Donnerstag) auf zahlreiche Verkehrseinschränkungen und Staus einstellen. Die Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) empfiehlt deshalb, auf S- und U-Bahn umzusteigen. Besonders eng könnte es im Regierungsviertel in Berlin-Mitte, sowie rund um das Olympiastadion und die Nuntiatur, wo der Papst übernachtet, werden. Bereits seit 6.00 Uhr ist bis zum Abend der Spreeweg in Berlin-Mitte zwischen dem Großen Stern und der Paulstraße gesperrt. Die John-Foster-Dulles-Allee ist von 08.00 Uhr an gesperrt. Im Laufe des Tages kommt es zu weitere Sperrungen in Mitte, rund um den Südstern in Kreuzberg und Neukölln – und rund um das Olympiastadion. >> weitere Informationen

+++ 7.22 Uhr +++ Deutschland erwartet den Papst

Papst Benedikt XVI. kommt heute zu einem viertägigen Besuch nach Deutschland. Das katholische Kirchenoberhaupt wird am Vormittag von Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Flughafen Berlin-Tegel begrüßt. Anschließend besucht der Papst das Schloss Bellevue und trifft sich zu einem Meinungsaustausch mit Merkel. Am Nachmittag hält der Papst eine Rede im Bundestag, die zahlreiche Abgeordnete boykottieren wollen und spricht mit Vertretern der jüdischen Gemeinde. Am Abend feiert Benedikt einen Gottesdienst im Berliner Olympiastadion. Morgen wird der Papst in Erfurt und dem Eichsfeld erwartet, am Wochenende in Freiburg.

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