Kinderpost

Leben im Schwarm

Einige Tiere leben in Gruppen. In einer großen Herde etwa oder in einem Schwarm. Forscher versuchen herauszufinden, wie solche Schwärme genau funktionieren

Heuschrecken tun es. Genauso wie Antilopen und Vögel. Und Insekten und Fische machen es natürlich auch! Zum Beispiel die Stichlinge im Gartenteich oder die Heringe im Meer. Sie alle leben in einem Schwarm, das heißt, in einer Gruppe. Je nach Tierart spricht man auch von einer Herde oder einem Rudel.

Doch was macht einen Schwarm oder eine Herde eigentlich aus? Die Anzahl der Tiere vielleicht? Oder gibt es einen Chef, der das Sagen hat? „Ein Schwarm zeichnet sich durch soziale Interaktion aus. Also durch die Art und Weise, wie sich die Tiere untereinander verhalten“, sagt Jens Krause. Er ist Professor für Fischökologie an der Humboldt-Universität in Berlin und erforscht seit vielen Jahren, wie sich Fische im Schwarm verhalten.

Der Forscher erklärt: In einem Schwarm gibt es drei wichtige Grundregeln. Erstens zieht es die Tiere zueinander hin. Sie bilden also ganz automatisch eine Gruppe. Gleichzeitig stoßen sich die Tiere aber auch gegenseitig ab. „Das bedeutet, sie halten immer einen bestimmten Abstand zueinander und berühren sich nicht“, sagt der Fachmann. Drittens kommt hinzu: Die Tiere bewegen sich in einem Schwarm häufig in eine ähnliche Richtung.

Es passiert aber auch, dass ein Schwarm plötzlich die Richtung ändert. Wie das funktioniert, wollten Jens Krause und seine Kollegen herausfinden. Gibt zum Beispiel einer der Fische ein Kommando und die anderen folgen dann? „Viele Dinge findet man heraus, indem man sehr lange beobachtet“, erklärt der Experte. Oft nutzen die Forscher auch spezielle Computer-Programme – oder Roboter.

In einem Experiment setzten Jens Krause und seine Kollegen zum Beispiel kleine Roboterfische in einem Schwarm mit Stichlingen aus. Dann beobachteten sie, wie die anderen Fische reagierten. Änderte nur einer der Roboterfische die Richtung, interessierte das die anderen nicht. Taten es aber mehrere, folgten ihnen die anderen.

„Es müssen meistens mehrere Tiere ihr Verhalten ändern. Dann folgt auch der Rest des Schwarms“, erklärt Jens Krause. Warum reicht es aber nicht, wenn ein Fisch in eine andere Richtung schwimmt?

Ganz einfach: Der Fisch könnte ja einen Fehler gemacht haben, blind sein oder krank. Ihm zu folgen, ist den anderen Tieren schlichtweg zu unsicher. „Dass aber mehrere Tiere gleichzeitig einen Fehler machen, ist ziemlich unwahrscheinlich“, meint der Forscher. Und deshalb folgt der Schwarm ihnen.