Tiere

Ein Haus, das wächst

Gehäuse-Schnecken sind mit ihrem Haus verwachsen. Sie werden damit geboren und können es nicht verlassen. Eine Schnecke erzählt:

 Eine Schnecke (Gastropoda) bewegt sich langsam über ein nasses Blatt

Eine Schnecke (Gastropoda) bewegt sich langsam über ein nasses Blatt

Foto: Arno Burgi / dpa

Ist die Luft rein? Na, ich will mal einen Blick riskieren. Mal sehen, was draußen so los ist. Also raus aus dem Schneckenhaus! Aber gaaanz gemütlich. Eine Schnecke wie ich ist ja schließlich kein Schnellzug. Nanu, wer bist denn du? Bewunderst du mein schickes Haus? So eines hättest du wohl auch gern. Komm, kriech ein Stück mit mir. Dann erzähle ich dir nebenbei ein bisschen mehr über mein Gehäuse.

Eines kann ich gleich verraten: Schneckenhäuser sind was Feines. Und kleine Kunstwerke. Sie sind oft toll gemustert. Manche haben eine braune Farbe, andere sind gelb oder ganz weiß. Es gibt Schneckenhäuser mit Rippen oder Rillen. Manche Schnecken haben sogar eine Art von Haaren auf ihrem Gehäuse! Mein Schneckenhaus bietet mir Schutz. Zum Beispiel vor Vögeln, Mäusen oder Igeln. Wenn die mich fressen wollen, ziehe ich mich schnell in mein Häuschen zurück. Wenn du ein leeres Schneckenhaus findest, dann ist einer meiner Kumpels wohl gefressen worden.

Schutz im Sommer und im Winter

Mein Gehäuse ist aber noch aus einem anderen Grund wichtig. Im Sommer schützt es mich zum Beispiel davor, auszutrocknen. Und im Winter sorgt es auch dafür, dass ich nicht erfriere. Wenn es kalt wird, suche ich mir einen geschützten Ort, ziehe ich mich in mein Häuschen zurück und verschließe den Eingang. Dafür sondere ich einen bestimmten Stoff ab, der an der Luft zu einem harten Deckel erstarrt.

Na los, komm. Ein bisschen schneller! Sooo langsam brauchen wir dann auch nicht kriechen. Mit meinem Schneckenhaus bin ich geboren worden. Wenn Schnecken aus den Eiern schlüpfen, haben wir schon ein kleines Haus auf dem Rücken. Das ist da natürlich noch winzig klein, fast durchsichtig und weich. Erst im Laufe der Zeit härtet das Gehäuse aus.

Schnecken können ihr Haus sogar reparieren

Mein Haus besteht aus einem besonderen Stoff: Kalk. Diesen nehme ich mit meiner Nahrung auf. Den Baustoff scheide ich dann wieder ab, als eine Art Brei. Den lagere ich am Rand des Gehäuses an. So wächst mein Haus, Schicht um Schicht. Und wenn mein Haus mal etwas beschädigt wird, kann ich es mit dem Brei reparieren. Praktisch, nicht wahr?

Was du aber noch wissen solltest: Ich kann mein Haus nicht verlassen, so wie du deines. Denn mein Haus und ich sind miteinander verwachsen. Es ist ein Teil von mir. Umziehen ist für mich also nicht drin. So, jetzt hab ich aber Hunger! Zeit für dich, zurück in dein Haus zu gehen.

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