Flüchtlinge

An der Grenze stecken geblieben

Die Balkanroute ist zu. An der Grenze von Griechenland und Mazedonien geht es nicht weiter. Wie geht es den Kindern dort?

Das zehn Jahre alte Flüchtlingsmädchen Tre, Kurdin aus dem Irak, sitzt im Flüchtlingslager in Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. Tre vermisst ihre Freunde und ihre Lehrer in der Heimat

Das zehn Jahre alte Flüchtlingsmädchen Tre, Kurdin aus dem Irak, sitzt im Flüchtlingslager in Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. Tre vermisst ihre Freunde und ihre Lehrer in der Heimat

Foto: Michael Kappeler / dpa

Idomeni – Überall stehen Zelte. Menschen sitzen am Feuer, sie essen im Freien. Das klingt nach Abenteuer, doch ein Spaß ist das nicht. Im Gegenteil. Tagelang hat es geregnet, die Leute sitzen im Matsch. Die Menschen an diesem Ort in Griechenland haben ihre Heimat verlassen. Sie kommen vor allem aus den Ländern Irak und Syrien. Dort ist seit vielen Jahren Krieg. Tre ist zehn Jahre alt. Eigentlich lebt das Mädchen im Irak. Doch seit mehreren Wochen ist es auf der Flucht. Tre und ihre Familie wollen nach Deutschland.

„Wir sind 25 Tage unterwegs und ich bin müde“, erzählte sie vor einigen Tagen einem Reporter. „Ich habe unter freiem Himmel geschlafen, auf der Straße.“ Ein Stück mussten sie auch mit einem Boot zurücklegen. „Auf dem Meer habe ich mich gefürchtet“, sagte Tre.

Im Auffanglager in Idomeni stecken Tausende Menschen fest

Wie viele andere Flüchtlinge, die sich auf den Weg nach Europa machen, erreichte das Mädchen vor Kurzem das Flüchtlingslager in Idomeni. Dort stecken Tausende Menschen fest: Sie dürfen nicht über die Grenze ins Land Mazedonien. Denn Mazedonien lässt gerade nur sehr wenige Flüchtende über die Grenze. Für die Menschen ist das eine schwierige Situation: Sie übernachten in Zelten am Zaun und sind auf Essen von Helfern angewiesen. Es wird immer schwieriger, die Menschen zu versorgen. Es ist kalt und viele Flüchtlinge sind krank. Die Helfer fordern die Politiker in Europa auf, endlich etwas zu tun. Doch die Politiker haben bisher keine Lösung gefunden, mit der alle zufrieden sind. Sie streiten sich darüber, wer die Flüchtlinge aufnimmt und wer für ihre Versorgung bezahlt.

Auch der 16-jährige Ahmad ist mit seiner Familie in den Stau in Idomeni geraten. In seiner Heimat Irak träumte er davon, später einmal als Ingenieur zu arbeiten. „Und das möchte ich noch immer“, erzählte er. „Ich gehe überall hin“, sagte Ahmad. „An jeden Ort, an dem es sicher ist und an dem wir ein gutes Leben haben können.“ Doch an der Grenze geht es nicht mehr weiter, die Balkanroute ist zu, viele Länder lassen niemanden mehr durch.

Länder der Europäischen Union verhandeln mit der Türkei

Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Leute setzen gerade große Hoffnung in die Türkei. Angela Merkel war am Montag in Brüssel in Belgien. Sie traf dort Politiker aus der Europäischen Union (EU) und der Türkei. Die EU ist ein Zusammenschluss von 28 Ländern. Bei dem Treffen ging es darum, wie es mit all den Menschen weitergeht, die gerade aus ihrer Heimat fliehen. Dabei spielt die Türkei eine wichtige Rolle.

„In der Türkei leben zurzeit knapp drei Millionen Flüchtlinge“, sagt Experte Günter Meyer. Die meisten kamen aus Syrien, einem Nachbarland der Türkei, dorthin. In der Türkei sieht das Leben für die Flüchtlinge jedoch nicht gut aus. Viele leben in Flüchtlingslagern. Die meisten jedoch in Städten, wo sie sich selbst versorgen müssen. Viele Flüchtlingskinder in den Städten können nicht zur Schule gehen.

Viele Flüchtlinge wollen weiter nach Deutschland

„Darum wollen eine Menge Menschen nicht in der Türkei bleiben“, sagt der Fachmann. Sie versuchen, weiter in die angrenzende EU zu gelangen, etwa nach Deutschland. Doch in der EU sagen einige Leute: Es kommen zu viele Flüchtlinge zu uns. Das wollen wir nicht, es kostet auch zu viel Geld. „Darum soll nun die Türkei verhindern, dass Flüchtlinge in großer Zahl in die EU gelangen“, sagt Meyer.

Klappen soll das unter anderem, indem die EU eine Menge Geld an die Türkei bezahlt. Damit sollen Schulen gebaut werden, Wohnungen, mehr Lehrer und Ärzte bezahlt werden. Auch darum drehten sich die Verhandlungen. Doch die Türkei will noch mehr für ihre Hilfe. Zum Beispiel sollten türkische Staatsbürger unkomplizierter in die EU reisen können. Darüber wollen die EU-Länder jetzt nachdenken und am 17. März weiterverhandeln.

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