Jahreszeiten

Gelb, Orange, Rot: Woher die Farben der Blätter kommen

Im Herbst verfärben sich die Blätter an vielen Bäumen, bevor im Winter alles grau wird. Woher kommen die Farben? Und was soll das?

Herbstfarben: Bevor sie abfallen, werden die Blätter vieler Bäume erst einmal schön bunt

Herbstfarben: Bevor sie abfallen, werden die Blätter vieler Bäume erst einmal schön bunt

Foto: Ulrich Baumgarten / picture alliance / Ulrich Baumga

Die Schwimmbäder sind geschlossen. Die Schlangen vor den Eisdielen werden kürzer. Und hüpft man morgens aus dem Bett, ist es draußen noch nicht richtig hell. Es wird Herbst. Das spüren auch die Pflanzen, zum Beispiel die Bäume. Sie erkennen, wenn die Temperatur sinkt und die Sonne kürzer scheint. Für sie ist es jetzt höchste Zeit, sich auf den Winter vorzubereiten.

Für die meisten Laubbäume heißt das: Weg mit den Blättern! Aber bevor sie abfallen, verfärben sich die Blätter an vielen Bäumen gelb, orange oder rot. „Zum Teil waren diese Farben auch schon vorher in den Blättern. Man hat sie bloß nicht gesehen, weil die grüne Farbe sie überdeckt hat“, erklärt Fachmann Ulrich Pietzarka.

Grüner Farbstoff für die Ernährung der Bäume

Die Farben der Blätter werden hauptsächlich von Blatt-Farbstoffen hervorgerufen. In den meisten Blättern ist der grüne Farbstoff am häufigsten. Deswegen erscheinen diese Blätter grün. Der grüne Farbstoff hat einen komplizierten Namen: Chlorophyll. Er hat eine wichtige Aufgabe im Blatt. „Das Chlorophyll fängt die Energie des Sonnenlichts ein und verwandelt sie in chemische Energie. Das ist sozusagen die Nahrung für den Baum“, sagt der Experte.

Im Herbst und Winter benötigen die Bäume aber weniger Energie. Zum Beispiel, weil sie in dieser Zeit nicht wachsen. Also benötigen sie auch das Chlorophyll nicht mehr. Allerdings stecken eine Menge wertvolle Stoffe in dem Blattgrün wie Magnesium und Stickstoff.

Vorat für das nächste Frühjahr

Diese Stoffe kann der Baum im nächsten Jahr wieder gut gebrauchen. Er lässt die Blätter also nicht mitsamt des Chlorophylls vom Ast fallen. Stattdessen baut er den Farbstoff Schritt für Schritt ab. Dessen kostbare Bestandteile transportiert der Baum in seine Äste, seinen Stamm oder seine Wurzeln. Dort bleiben sie, bis sie im nächsten Frühjahr wieder gebraucht werden.

Wenn das Blattgrün langsam verschwindet, zeigen sich nach und nach die gelben und orangefarbenen Farbstoffe der Blätter. Die roten Blatt-Farbstoffe werden im Herbst neu gebildet. In der Fachsprache heißen sie Anthocyane.

Rot und Gelb als Sonnenschutz

„All diese Farbstoffe schützen den Baum vor dem Sonnenlicht, ähnlich wie eine Sonnencreme“, sagt Ulrich Pietzarka. Das ist wichtig, weil die UV-Strahlung der Sonne die Blätter des Baums sonst schädigen könnte. Die Färbung ist ein Sonnenschutz.

Und warum wirft der Baum sie ab? Die Blätter geben das Wasser ab, das der Baum über die Wurzeln aufnimmt. Wenn im Winter der Boden friert, kann der Baum kein Wasser mehr aufnehmen. Würde er an den Blättern auch noch Wasser verlieren, würde seine Wasser-Versorgung zusammenbrechen. Deshalb ist es für den Baum besser, die Blätter abzuwerfen.

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